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Schade, dass Sido sein Titelwahlkonzept nicht vom einstigen Fürsprecher Toni L abkupfert, der seine Tonträger in den Kontext seiner verschiedenen Facetten stellt. Nach "Maske" und "Ich" wäre die logische Konsequenz wohl "Entertainer" gewesen. So weckt die lahme Wiederholung beim Drittling Erwartungen einer Stylefusion, die nicht stattfindet.
Die Zeiten sind vorbei, in denen der Maskenmann in der Gewissheit, das brachliegende Rapdeutschland vergolde ohnehin alles, blind drauflos provozierte. Wer seine Eltern heute schockieren will, findet genügend Nachahmer, die das Niveau auf das gewünschte Level senken. In der Liga der deutschen Popstars mutierte Sido vom Asozialen zum gern gesehenen Rüpel, dessen Einladung eine gute Party garantiert. Das äußert sich in Spitzen gegen Merkel ("Halt Dein Maul") und "Scheiß Drauf" - einem schwachbrüstigen Versuch, Respektlosigkeit gegenüber Geld, Medien und der BPjM vorzugaukeln.
Ansonsten liefert Sido ein Album ab, das - vom Gossenslang mal abgesehen - dem durchschnittlichen Fetten Brot-Fan ebenso gefallen könnte wie der enthusiastischen Aggrojugend. Gut die Hälfte der Beats bewegen sich im Bereich beatlastiger Popmusik, es gibt sogar einen komplett gesungenen Track im widerlichsten Lionel Richie-Style ("Carmen") und Storytelling ("Ich Und Meine Maske"). Klar: Sido rät dazu, im Zweifelsfall auf sein "Herz" zu hören, während sich die Hamburger seit 1996 mit Engelchen und Teufelchen herum ärgern.
Kitty Kat markiert im Quoten-Pornosong ("Strip Für Mich") die Schlampe, Doreen die Unnahbare ("Nein"). Ihre Hookline wirft allerdings den Verdacht auf, die gleiche Dame sei für sämtliche Super-GAUs von "Coco Jambo" bis zu "Bailando" persönlich verantwortlich. Weniger grottig ist da schon "Augen Auf", Sidos gerappte weiße Flagge gegenüber Gesellschaft und Politik - und nebenbei ordentlich von Nas' "I Can" kopiert. So bleibt neben dem grandiosen Titeltrack und der tatsächlich im "Maske"-Stil gehaltenen Tony D-Collabo "Jeder Kriegt Was Er Verdient" das Azad-Feature als interessantester Punkt des Albums.
Beat dick, Style dick, eine vielversprechende Kombination: "Pack Schlägt Sich" hat beste Voraussetzungen. Aber, mit Verlaub: Was soll das denn bitte für eine Aussage sein? Man muss kein Raphistoriker sein, um zu wissen, dass sich Pac(k) in anderen Ländern eben nicht schlägt, um sich danach zu vertragen, sondern gleich erschießt. Mit dem vielgepredigten Grundsatz des Hip Hop, Streitigkeiten durch Competition beizulegen, hat das herzlich wenig zu tun.
So wenig eigentlich wie "Ich Und Meine Maske" noch mit Hip Hop zu tun hat. Ein guter Rapper war Sido nie, ein guter Entertainer jedoch immer. Dass Entertainment in Deutschland als zahnlose Popmusik daher kommen muss, ist möglicherweise ein ungeschriebenes Gesetz, will man die Masse erreichen. Bei "Ich" erschien mir Sido jedoch noch deutlich weniger in Kuschelstimmung.
Azad sagte mal über Samy: "Und wieder verliert Hip Hop einen guten MC, weil Cash über Liebe siegt" - aber den sollte man möglicherweise zu diesem Thema auch nicht mehr befragen.
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
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Sido - Ich und meine Maske | Infos (Lieferzeit/Service) | €8,98 | €3,90 | €12,88 |
Edit (So will ich Sido wenn hören, Rotzfrech und nicht anders)




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