Porträt

laut.de-Biographie

Serk

"Ich betrachte Hip Hop nicht als Mittel zum Zweck, sondern pflege die Kultur und verteidige Rap." Rap aus der Hauptstadt wird abgefeiert wie nie - gleichzeitig aber auch übel gescholten. Eine qualifizierte Verteidigung ist daher nicht fehl am Platz. Pflege ohnehin nie: Ein Mann mit einer Vision wie Serk sie hat, kommt da gerade recht.

1982 erblickt Serk das Licht der Welt. Er wächst im Berliner Stadtteil Schöneberg auf. Der Vater, ein Musiker, bringt ihm schon im zarten Alter die eigene Leidenschaft nahe: Er unterrichtet seinen sechsjährigen Sohn am Klavier. Das Gitarrenspiel bringt sich Serk als Teenager selbst bei.

In der Schule gibt er zwei Jahre den Pianisten der Big Band. Außerdem singt und brüllt Serk an der Front der Ska-Punk-Combo Senseless. Diese fällt aber zunehmend Auflösungserscheinungen anheim, da sich Serk und der bandeigene Gitarrist mehr und mehr zum Hip Hop hingezogen fühlen. "In der Zeit hab' ich gemerkt, dass der Hip Hopper in mir stärker ausgeprägt war als der Punker. Außerdem rede ich gerne und viel. Singenderweise kann man nicht so viel Text unterbringen wie in einem gerappten Text. Wenn das nicht Grund genug ist ...", so Serk im Interview mit hiphop.de.

Die Macht der Beats und Rhymes schlug in den 90ern zu. In der fünften Klasse bekommt Serk das erste Rap-Tape in die Finger. Tim Dog auf der einen, Doggfather Snoop auf der anderen Seite: Die Initiation hätte weit schlimmer ausfallen können. Wie zahlreiche andere verfällt er dem Hip Hop - anders als die meisten beginnt er 1999, aktiv zu rappen und zu produzieren.

Serk arbeitet seit seinem Schulabschluss 2001 an gemeinsamen Projekten mit Weskone. Während des Zivildiensts intensiviert sich seine Aktivität. Serk schreibt und produziert. Er rappt mit Chuky, Smoky, mit Weskone sowieso, und trifft etwas später auf Zwang und Godsilla. Serks Nightrecords entwickelt sich zum Kleinstudio für den halben Berliner Untergrund.

Auf diesem Weg entwickelt sich der Kontakt zu DJ Versatile, mit dem - und dessen Freundin She-Raw – sich ab Anfang 2002 eine fruchtbare Zusammenarbeit entspinnt. Etwa zur gleichen Zeit beginnt Serk, Studioprojekte mit King Orgasmus anzugehen, zu dessen Pornoproduktionen er später die Musik beisteuern wird. Das "richtige", besser "andere" Leben liegt ebenfalls nicht brach: Serk absolviert eine Ausbildung zum Tontechniker. Überaus nützlich in seinem Metier, wenn er auch bei der Ansicht bleibt: "Ich glaube, dass ich in meinem Wohnzimmer viel mehr gelernt habe, als in der Tontechniker-Schule."

Im April 2002 folgen die Nägel mit Köpfen: Serk begegnet Yarit, gemeinsam mit Versatile gründen sie Maintheme Records. Serks Solo-Debüt wird im August 2003 fertiggestellt. Wie es im Hause Maintheme zur Tradition werden soll, handelt es sich bei "Serkulation" um Teamwork. DJ Versatile, Weskone und Zwang gehen an den Start, Features kommen von Godsilla, Varo One und Bass Sultan Hengzt. Partytracks, Battlestyles und Storytelling - Serk bedient alle Vorlieben.

2004 sieht die Veröffentlichung des ersten Maintheme-Samplers "Code: Rap". Als Frontrapper des Labels versteht es sich von selbst, dass Serk hier ausgiebig vertreten ist. Er kooperiert mit Zwang ("Von Club Zu Club"), mit Weskone ("Sag Was") und Akte One ("Chill Ill"), mit Mach One ("Macht Euch Frei"), Sha-Karl ("Ein Mic", "Toysoldiers") - und natürlich mit She-Raw, und das alles andere als "Langweilig".

Nebenher produziert Serk weite Teile der Berliner Untergrundszene. Er arbeitet unter anderem mit Taktloss, Rhymin Simon und Kool Savas. Der Job hinter den Kulissen bewahrt allerdings nicht vor der immer wiederkehrenden Frage: "Alter, wo bleibt das neue Album?" Nun, gut Ding will Weile haben: Serk stellt einstweilen ein Tape mit dem bezeichnenden Titel "Vorgeschmack Vol. 1" zusammen. Einige Exklusiv-Tracks, ein paar Features - für alle, die es noch nicht wussten: Serk rappt nicht nur, er singt auch.

Die DVD "Rap City Berlin", auf der auch das Label Maintheme Records portraitiert wird, lenkt die Aufmerksamkeit auf Serk. Hier entdecken ihn die Produzenten der VIVA-Reality-Soap "Unser Block". Im September 2005 erreicht Serk so eine neue Stufe der Medienpräsenz: Gemeinsam mit Labelkollegin She-Raw (auf deren Debütalbum "Beauty And The Beats" er ebenfalls auftauchte) und Amun spielt er eine der Hauptrollen. Acht Episoden sollen das tägliche Leben Jugendlicher in Neukölln dokumentieren. Ob dies gelingt, sei dahin gestellt. Serk ärgert sich später ein wenig über das Abdriften der Doku in die Soap. Fans von Rap aus der Hauptstadt dürfen sich auf jeden Fall über "41 Karat", die Compilation zur Serie freuen. Wieder ist Serk mit Rap und Gesang dabei.

Mit "Ich Zähl Die Dunklen Tage" wagt er sich darüber hinaus an eine amtliche Reggae-Nummer, mit der er auf dem deutschen Dancehall-Parkett anstandslos besteht. Diese ist auch auf Serks zweiten Solo-Album "Diss Mich Is Nich" zu finden, das im März 2006 folgt. Serk produziert seine Beats überwiegend selbst. Features von She-Raw, Zwang und Versatile waren zu erwarten, aber auch King Orgasmus und Godsilla greifen für Serk zum Mikrofon. Warum auch nicht? Familie wird in Berlin schließlich seit jeher groß geschrieben.

Doch warum ausgerechnet den Reggae-Tune als Single auskoppeln? Während die Hip Hop-Puristen-Gemeinde den Kopf schüttelt, erklärt Serk: "Dieser ganze Gangsta-Shit nervt mich! Gangsta halten die Fresse und machen ihr Game. Aber Gangsta rappen nicht. Rapper rappen! Ich steh auf dreckige Mucke. Absolut! Aber ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass Deutschlands Musikszene nur aus den härtesten Messerstechern und Koks-Dealern besteht. Ich bin für Ehrlichkeit in der Musik. Gerade Rap lebt von der Ehrlichkeit! Desweiteren lebt Rap von der Sprache ... Ich bin der Meinung, dass viele MCees das vergessen haben. Mir ist die Größe des Wortschatzes wichtiger als die des Harems. Wir dachten uns, dass dieses Lied einen ganz netten Gegenpol bietet." (hiphop.de)

Angemessen aggressiv und arrogant, aber auch clubtauglich und zuweilen überraschend tiefgründig: Serk profiliert sich mit "Diss Mich Is Nich" als überaus vielseitiger Zeitgenosse. So einer gehört nicht in den Untergrund, so einer gehört auf die großen Bühnen. In der Tat: Serk und She-Raw bekommen die dickste anzunehmende Chance. Sie eröffnen die Deutschland-Shows von Kanye West in Berlin und Köln.

Im Herbst pfeffert Arbeitstier Serk dann bereits des nächsten Longplayer auf den Tisch. Erstmals legt er die Produktion zur Gänze in andere Hände. Ursprünglich wollten er und Beatbastler DaBeat nur einen gemeinsamen Track aufnehmen, doch wenn die Chemie stimmt, kann rasch ein ganzes Album daraus werden. Das steht unter dem Titel "Serk To DaBeat" ab November in den Regalen. Während Serk für die Features auf die bewährten Label-Kollegen She-Raw und Zwang zurückgreift (She-Raw ist auch auf der Single "Eigener Held" mit am Start), betritt er auf der Bühne Neuland: Inzwischen bringt Serk seine Tracks zusammen mit einer Live-Band zu Gehör.

Alben

  • Maintheme Records

    Homepage des Berliner Labels mit Bild- und Tonmaterial.

    http://www.maintheme.de

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