Porträt

laut.de-Biographie

Scritti Politti

Die Geschichte von Scritti Politti beginnt im Londoner Underground der späten Siebziger Jahre und zeichnet sich durch etliche Stilwechsel und zahlreiche künstlerische Pausen aus. Der Bandname – eine Hommage an den marxistischen Theoretiker Antonio Gramsci – deutet bereits an, wo man sich auf der politischen Landkarte verortet: Links der Mitte, zwischen Künstlern und Denkern à la Jacques Derrida oder Gilles Deleuze und der damaligen Camdener Hausbesetzerszene.

Vor diesem Hintergrund gründen die beiden Kunststudenten Paul Julian Strohmeyer alias Green Gartside und Tom Morley 1977 die Punk-Formation Scritti Politti und spielen sich durch die Clubs der Stadt. Eine erste Single "Skank Bloc Bologna" wird in Eigenregie aufgenommen und von Radio-Legende John Peel entdeckt und gespielt. Ein Plattenvertrag folgt, und 1982 veröffentlicht die Band ihr Album "Songs To Remember".

Mitte der Achtziger – Gartside hält inzwischen alleine die Fäden in der Hand – bestimmt eher mainstream-orientierter Synthiepop den Scritty Politti-Sound. Der Versuch, subversive Texte mit gängiger Chartmusik zu koppeln, scheint zu funktionieren: Mit dem Longplayer "Cupid & Psyche 85" gelingt sowohl künstlerisch als auch kommerziell der ganz große Wurf, an den der Nachfolger "Provision" (1988) zwar nicht ganz herankommt, es in Großbritannien aber trotzdem wieder in die Top Ten schafft.

Auf der Bühne lässt sich Green jedoch schon seit 1980 nicht mehr blicken. Nach einer Panikattacke meidet er Konzertsäle wie der Teufel das Weihwasser und zieht sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück. Im Studio bleibt er dagegen aktiv, auch wenn nur sporadische Lebenszeichen nach außen dringen.

So macht er Anfang der Neunziger mit dem Hit "She's a Woman", einer Kollaboration mit Dancehall-Ikone Shabba Ranks, auf sich aufmerksam, ehe er abermals abtaucht. Fast zehn Jahre dauert es, bis Gartside mit dem Longplayer "Anatomie & Bonhomie" wieder auf der Bildfläche erscheint. Einmal mehr hat er sich völlig neu erfunden und ein Soul-Pop-Hip Hop-Gemisch fabriziert, zu dem Mos Def seine Raps beisteuert. Danach herrscht erneut Funkstille beim gebürtigen Waliser, den die Muße wohl nur in größeren Intervallen küsst. Kein Problem, so lange dabei immer wieder kleine Meisterwerke herauskommen wie sein aktuelles Comebackalbum "White Bread Black Beer" (2006).

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