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Caligola dicht, der Cocoon Club auch. Außerdem: Biffy Clyro im 5-Fragen-Check, Helge Schneider, Kraftwerk, Tomahawk, Mudhoney, etc.
Inside The Shit (mis) - Bei den European Music Awards, das muss man ja mittlerweile erklären, handelt es sich um die Industriepreisverleihung eines Bezahl-TV-Senders, der früher mal Musik in seinem Portfolio listete. Damals hatte er Publikum und Popkultur-Einfluss, heute Sendungen wie "Teen Mom" und "Snooki & Jwoww". Damals moderierten Timberlake oder Snoop Dogg, heute Heidi Klum. Damals feierte man sich in London oder Barcelona ...

Da die größte Stadt in Hessen heute vor allem mit ihrem Fußballverein für positive Schlagzeilen sorgt, verwundert es kaum, dass die endgültige Pleite des ehemaligen Vorzeige-Technoclubs Cocoon außerhalb der (Bundes-) Landesgrenzen kaum ein Thema war. Die drohende Insolvenz stand zwar schon länger im Raum, doch nun ist es beschlossene Sache, dass der Club Ende des Monats nach acht Jahren seine Pforten schließt.
"In den vergangenen drei Monaten haben wir nochmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, konnten aber leider die Insolvenz mit allen ihren traurigen Konsequenzen nicht abwenden. So bleibt uns nun noch, alle unsere lieben Mitarbeiter, Gäste und Freunde zum 'Last Dance' einzuladen (...) Viele Gerüchte kursieren – unter anderem auch, dass der Cocoonclub nach ein paar Wochen wieder eröffnen wird. Dem wird nicht so sein. Wir verabschieden uns für immer und ohne geplantes Comeback", heißt es auf der Homepage.

Tschüss sagen am 30. November u.a. Pig & Dan, Dominik Eulberg, Frank Lorber, Mr. Jetclub Sidney Späth, Arado, Ingo Boss, Peter Eilmes und Khaan. Moment mal, fehlt da nicht einer? Genau: "Gerne hätte natürlich auch Sven Väth dem Cocoonclub die letzte Ehre erwiesen, konnte jedoch aufgrund der Kürze der Zeit, in der die Entscheidung für das Closing gefallen ist, sein bereits seit vielen Monaten bestätigtes Booking nicht mehr absagen."
Im Ernst, liebe Cocoon-Leute: Das war ja wohl klar. Mr. Väth ist Deutschlands dienstältester Techno-DJ, geliebt von Venezuela bis Tasmanien, da kann man ja jetzt nicht erwarten, dass so einer binnen drei Monaten plötzlich zufällig Zeit hat und auf der Matte steht, nur weil sein eigener Club über den Jordan springt. Der Mann ist Vater, residiert auf Ibiza und hat auch sonst sicher irrsinnig wichtige Verpflichtungen. Von daher: Katastrophales Krisenmanagement da in Frankfurt.

Bleiben wir noch kurz in Frankfurt und bei der MTV-Farce: Aus wahrscheinlich alter Gewohnheit fand im Vorfeld der Verleihung die so genannte MTV Music Week statt, die scheinbar keine andere Aufgabe innehat, als auf Konzerte im Vorfeld der Verleihung hinzuweisen, die dort ohnehin stattfinden würden. Auch diese Music Week also: Eminent notwendig.
Im Rahmen dieser ausnahmsweise unverschlüsselten Konzertankündigungen für alle Musikfreunde im Rhein-Main-Gebiet sorgte der Caligola-Auftritt im Frankfurter Club Gibson für einen Mini-Eklat. Der Grund: Die Mando Diao-Gesellen seien "völlig zugedröhnt" auf der Bühne erschienen und hätten offensichtlich noch nicht mal live gespielt, berichtet die Offenbacher Post.

Auf der Seite des Veranstalters hagelte es Beschwerdekommentare: "30 min playback für 30€! Keine macht den drogen xD", "Alleine das beide leadsänger beim Refrain mal eben kurz was trinken, zeigt schon das alles voll-Playback war", "Caligola kam 1,5 std. später, haben playback gesungen, waren völlig benebelt und haben 5 Lieder 'gesungen'."
Dass die schwedischen Live-Experten sich außerhalb von "Wetten, dass..?" auf ein solches Niveau herablassen, scheint kaum zu glauben (zumindest das mit dem Playback), aber wer weiß, es waren halt die Music Weeks und der Glanz einer Plastikveranstaltung kann ja auch mal abfärben.
Der Club antwortete den 'Geschädigten' jedenfalls relativ geknickt: "Liebe Besucher des Caligola Konzerts, wir möchten uns für das gerade stattgefundene Konzert entschuldigen und können eure Enttäuschung über die Darbietung nachvollziehen. Wenn wir Künstler buchen, erwarten wir eine Show mit hohem musikalischen und künstlerischen Anspruch, auf die wir allerdings keinen Einfluss haben. Wir hoffen ihr hattet dennoch einen schönen Abend und wir sehen euch bald wieder im Gibson."
Eben noch in Australien, wo er mit seinem Italo-Opern-Projekt Mondo Cane Festivalmassen verstörte, kümmert sich Mike Patton nun offensichtlich um das kommende, in Dan Auerbachs Nashville Easy Eye Soundstudio aufgenommene Tomahawk-Album. Zumindest spricht er wieder öffentlich darüber. Es sei ein songorientiertes Rock-Album geworden, so der Meister, und das hören wir 20 Jahre nach "Angel Dust" natürlich sehr gerne.
Besonders folgenden Patton-Satz kann man sich nicht oft genug laut vorlesen: "Das Songwriting ist linearer als beim letzten Album, ich singe viel mehr und es gibt mehr Harmonien und weniger Elektronik." Das Albumcover kann auch einiges.


1988 spielten die frisch gegründeten Mudhoney zum ersten Mal in Europa, genauer gesagt zum ersten Mal überhaupt abseits der pazifischen Küste: Und zwar bei den Berlin Independent Days. In der Prä-Grunge-Zeit dürften das noch weniger Leute interessiert haben, als kurz darauf Nirvana im Sonic Youth-Vorprogramm.
Wie sich die Alternative-Urväter aus Seattle, die damals noch nicht mal ne EP draußen hatten, live präsentierten, verrät in Kürze die DVD "Live In Berlin". So viel vorweg: Lange Haare, Löcherjeans und Gitarrensoli auf Knien hat Cobain nicht erfunden. Das "Sub Pop"-Shirt von Mark Arm war vier Jahre später aber definitiv wertvoller.
1984 hatte Helge Schneider einen, nun ja, allseits vergessenen Auftritt im "Tatort". Damals brauchte er das Geld, heute nicht mehr. Daher hat der Mülheimer, mittlerweile selbst erfolgreicher Regisseur, kürzlich heftig gegen das Kult-Format ausgeteilt: "Immer der gleiche Scheiß, zu viel realistische Gewalt!"
Leider führte er diesen Gedanken nicht weiter aus, es war auch leider die Bild-Zeitung, denen ein so schöner Satz für die Headline ja auch reicht. Die nächste vielleicht gewaltlose, ganz sicher aber höchst unrealistische 00 Schneider-Ladung gibts 2013 in seinem neuen Kinofilm "Im Wendekreis der Eidechse".

Nach New York kommt vom 11. bis 20. Januar nun ihre Heimat Düsseldorf dran. Dort führen Kraftwerk den Live-Marathon all ihrer Alben analog zum Spektakel im Museum Of Modern Art auf. In weniger als einer Stunde waren am Samstag alle Tickets weg, so die zuständige Konzertagentur MCT.
Obendrein sind es die ersten Konzerte der Band in Düsseldorf seit 1991. Die Nostalgie-Reihe namens "Der Katalog - 1 2 3 4 5 6 7 8" startet mit dem Album "Autobahn" von 1974 und endet am 20. Januar mit dem bislang letzten Studioalbum "Tour de France Soundtracks" aus dem Jahr 2003.
Doch auch Maschinen haben Mitleid: Am 18. und 19. Januar geben die Oldies zusätzlich zwei Mitternachtskonzerte. Der Vorverkauf startet am Dienstag (13.11.) um 16 Uhr genau hier. Viel Glück.
Wer keine Tickets für Kraftwerk mehr ergattern konnte, kann ja auch die neue, ungleich günstigere Jeans Team-Single kaufen. Die Berliner machen bekanntlich auch elektronische Musik mit lustigen Texten. Die neue Single "Menschen sind zum Träumen da" ist wieder wundervoll dadaesk, eingängig und mit einem mindestens so pittoresken Cover gesegnet wie die neue Tomahawk.


Was war deine letzte gekaufte Platte?
James Johnston: Das war eine Vinyl-Platte von einer japanischen Band namens Envy.
Welchen Song hast du zuletzt nicht mehr aus dem Kopf gekriegt?
"We Built This City" von Starship. Den Song haben wir für eine Radiosession gecovert und seitdem krieg ich ihn nicht mehr aus dem Kopf.
Deine drei Platten für die einsame Insel.
(lacht) Momentan muss ich sagen: Unser neues Biffy-Album. Ist natürlich ein bisschen traurig, wenn man sein eigenes Album nennt, aber es ist definitiv eines meiner Lieblingsalben. Dann noch "Pinkerton" von Weezer und "Mutations" von Beck. Das ist sicher ein Album, das man sich gut auf einer einsamen Insel anhören kann.
Was war dein größter Spinal Tap-Moment bisher?
Außer sich auf dem Weg zur Bühne zu verlaufen sicher der Moment, als ich einmal beide Schuhe auf der Bühne verloren habe.
Welcher Star, den du persönlich getroffen hast, hat dich richtig beeindruckt und warum?
Josh Homme; wegen der Art, wie er sich gibt, wie er Musik für ihn selbst macht und dabei oft so manche Regel ignoriert.
Die schottische Rockband Biffy Clyro spielte gerade zwei Clubshows in Hamburg und Berlin. Ihr neues Album "Opposites" erscheint am 25. Januar.
Die aktuelle Single "Stingin' Belle" sowie die erwähnte Starship-Coverversion gibts hier:
Gut Ding will Weile haben. Das gilt nicht nur für das neue Studioalbum von Soundgarden, sondern auch für den Videoclip zu "Been Away Too Long", der nun sogar erst nach dem "King Animal"-Release das Internet erreicht hat. Dafür ist er schön geworden. Ich stehe sowieso auf diese Slomo-Technik, da bekommt man wenigstens alles mit.
Michael Schuh hört die ganze Woche lang Musik, beobachtet Kollegen, die Musik hören und plaudert an dieser Stelle aus dem Redaktions-Nähkästchen. Personen, Orte und Handlung sind definitiv nicht erfunden.
Das, was aus MTV wurde, ist so bezeichnend für unsere Zeit. Ich kann mir ummöglich vorstellen, dass jemand freiwillig für den Schrott dort zahlt. Aber MTV ist so relevant wie der Pickel am Arsch von Bohlen - leider. War doch damals als 12jähriger vor Videos wie "One" von Metallica oder "Black Hole Sun" von Soundgarden und den Aerosmith-Vids vorm Fernseher gesessen, während Mutter schon damals eiferte, dass das Zeug nur Zeitverschwendung ist und ich lieber für die Schule lernen sollte.

War ein einziges Mal im Cocoon, scheussliches Publikum, Musik fuer mich zu soft, hat alles zur Schickimicki-Optik des Clubs selber gepasst, naja.
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