- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Die Redaktionskolumne singt ein letztes Loblied auf R.E.M. Außerdem dabei: The Chills, Eastern Conference Champions und Balthazar.
Inside The Shit (mis) - Die Nachrufe waren größtenteils respektvoll. Nachdem R.E.M. letzte Woche etwas überraschend ihre Auflösung bekannt gaben, erhoben viele Kommentatoren die Gruppe aufgrund ihrer Pionierleistungen für den 80er Indie Rock ...
Für manchen User war diese Zeit aber einfach zu weit weg. Zu frisch vielmehr die Erinnerung an die omnipräsente Bauzaunplakat-Band R.E.M. ohne Hits. Die mit schalem Schrammelrock für schmerbäuchige Fans. Die mit der großen Vergangenheit und der egalen Gegenwart. So ergaben sich haufenweise gehässige, nur selten treffende Leser-Kommentare.

Sicher, auch ich habe Schwierigkeiten, fünf großartige Songs der letzten drei R.E.M.-Alben aufzuzählen, aber so geht es mir auch mit den Beastie Boys oder Oasis. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass diese Alben grauenhaft schlecht waren, sie stehen einfach nur im Schatten gigantischer Meilensteine, die das Wesen dieser Bands erst definierten, ein Alleinstellungsmerkmal schufen und damit Millionen Herzen eroberten.
Ich selbst habe R.E.M. ja erst spät wahrgenommen, 1991 mit "Out Of Time". Da waren Michael Stipe und Co. nach jahrelangen Clubgigs schon auf einem Majorlabel angekommen. "Losing My Religion" fand ich ganz okay, doch schon "Shiny Happy People" begann ich kurz darauf abgrundtief zu hassen.

Dennoch fanden sich später immer wieder Anknüpfungspunkte: Das tonnenschwere "Drive", die äußerst schräge Single "E-Bow The Letter" oder das dröhnende "Monster"-Album. Als mir dann noch Ex-Kollege Mathias Möller die Schönheit ihrer I.R.S.-Phase in den 80ern nahebrachte (musikalisch, nicht optisch), begann ich langsam auch die Parallelen zu den Smiths zu verstehen.
In ihren erwartungsgemäß smarten Abschiedsworten an die Fans flocht Michael Stipe nun den Satz ein, der der ganzen Debatte überschrieben ist: "Der richtige Zeitpunkt war gekommen." Selbst wenn dem so sein sollte, woran erkennt man diesen richtigen Zeitpunkt? Gut, die Stones haben ihn definitv verpasst. Aber was ist mit Pearl Jam, Depeche Mode oder den Red Hot Chili Peppers? Letztere treten heutzutage bei Events wie dem TV Total Stock Car Crash Challenge auf. Aber selbst wenn die große Zeit jener Bands vorbei ist, sind sie doch immer mal wieder für einen tollen Song gut.
Bei R.E.M. bin ich irgendwann Ende der 90er ausgestiegen, aber das ist okay. Michael Stipe wurde älter, ich wurde älter. Es erscheint mir völlig nachvollziehbar, dass man als Musiker kein Interesse hat, Altes wiederaufzukochen, weshalb ich beispielsweise Morrisseys vehemente Weigerung einer Smiths-Reunion begrüße.

In einem Interview zum vorletzten Album "Accelerate" wurde Mike Mills mit dem Eindruck konfrontiert, das Album sei eine musikalische Brücke zu den frühen R.E.M., woraufhin der fast schon patzig antwortete: "Wir schauen nie zurück. Wir sind doch nicht diesselben Leute wie vor 20 Jahren. Wir haben jetzt 2008 und wir haben eine Rock-Platte gemacht. Ich finde es verrückt, wenn ich Leute sagen höre: 'Oh, mit dieser Platte geht ihr zurück zu dieser oder jener Phase.' Tun wir nicht."
Dafür gehen wir jetzt nochmal ins Jahr 1991 zurück, als ich die Band kennenlernte. Ich war jung, R.E.M. waren mitteljung und den Kollegen Eberhard Dobler kannte ich auch noch nicht, kurz: Es war eine schöne Zeit. Mit seiner Band Kredo hat Dobler schon vor längerer Zeit eine sublime R.E.M.-Coverversion aufgenommen, die diese kleine Hommage abschließen soll.
Aus der Serie "Zu Unrecht vergessene Songs" möchte ich heute pünktlich zum 27. Geburtstag an das The Chills-Juwel "Doledrums" erinnern. Wobei man im Prinzip ja schlecht an etwas erinnern kann, das eh keiner kennt. Und die Chills, seien wir ehrlich, kennt leider keine Sau, mal abgesehen von Trüffelschwein Frank Spilker, der ausgerechnet "Doledrums" mal als Lieblingslied adelte. Scheint ja doch ein ganz Guter zu sein.
Jedenfalls beweist Spilker mit dieser Nennung Ahnung vom eigenen Genre, haben wir es hier doch mit dem geschmackvollsten Indie Pop-Beitrag zu tun, den die Musikhochburg Neuseeland uns seit 1984 über den Teich geschickt hat.
"Doledrums" war die dritte Single der Gruppe, für die sogar ein Videoclip gedreht wurde, der dann schätzungsweise ein Mal auf Auckland TV ausgestrahlt wurde. Worüber die Band nach späteren Aussagen nicht unglücklich war. Diese Einschätzung kann man teilen.

Was war deine letzte gekaufte Platte?
Joshua Ostrander: Die letzte Platte von Delta Spirit.
Nenne eine Zeile deines Lieblingssongs.
"So drunk in the august sun / and you're the kind of girl i like / because you're empty and i'm empty / and you can never quarantine the past" (Pavement, "Gold Sounds").
Was ist dein wertvollster materieller Besitz?
Meine Gitarre.
Wovon bist du abhängig?
Zigaretten und Kaffee.
Welche Berühmtheit, die du persönlich getroffen hast, übte einen nachhaltigen Eindruck auf dich aus?
Als wir mit Frank Black auf Tournee waren, nahm er uns unter seine Fittiche. Wir haben viel von ihm gelernt.
Die Eastern Conference Champions sind derzeit mit den Get Up Kids auf Deutschland-Tour und gastieren am 27. September in Stuttgart (Universum), am 28. in Bochum (Zeche) und am 29. in Berlin (Lido). Am 5. Oktober spielen sie im Bielefelder Forum eine Headliner-Show. Mit "Speak-Ahh" erschien vor kurzem das zweite Album der Gruppe aus Southampton, Pennsylvania.

Die Videos ausgefeilt, die Pressefotos geschmackvoll und die Musik beides zusammen: So einfach ist es manchmal. Kürzlich konnte man Balthazar hierzulande live bewundern, im Vorprogramm der ebenfalls stilbewussten Landsmänner von dEUS. Die ihrerseits gerade mit ihrem neuen Album "Keep You Close" touren. Aber dazu ein andermal. "The Boatman" ist ein zugegeben nicht mehr ganz aktueller Appetizer des beachtlichen Balthazar-Debütalbums, das seit Freitag auch bei uns erhältlich ist. Der Name ist Programm: "Applause"!
Michael Schuh hört Musik, beobachtet Kollegen und schreibt dann drüber. Personen, Orte und Handlung sind definitiv nicht erfunden.
Format
Homepage: