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James Blunt singt wohl doch weiter. Außerdem: Tocotronic, Foster The People, Refused, Giorgio Moroder und Daft Punk, Peaches, Phillip Boa etc.
Inside The Shit (mis) - Man muss Bob Geldof als Musiker nicht mögen, aber in seinen Interviews ist er immer wieder für rasiermesserscharfe Analysen gut. So bezeichnete er vor Jahren James Blunts Heulsusen-Nummer "You're Beautiful" als "das 'Lady In Red' des 21. Jahrhunderts". Hart aber gerecht.

Auch Modfather Paul Weller fand 2006 deutliche Worte, nachdem Zeitungen vermeldeten, er würde eventuell mit Blunt bei den Brit Awards auftreten: "Ich würde lieber meine eigene Scheiße fressen, als mit James Blunt aufzutreten", zitierte ihn der Daily Mirror.
Das hat er schön gesagt, der Paul, weshalb ich ihm auch vergeben möchte für seine Entgleisung im Jahr 1982, als er für den britischen Melody Maker die Depeche Mode-Single "Leave In Silence" mit den Worten belegte: "Wenn ich an Kenny Wheelers Arschloch horche, kommt da mehr Melodie raus" (Wheeler war Wellers Roadie).
Nun hieß es vor wenigen Tagen, dass da, wo bei Blunt "You're Beautiful" rauskam, nichts mehr nachkommen soll, weder Melodie noch Text. Für viele klang diese Nachricht wie gute Musik in den Ohren.

In meinem Social Media-Freundeskreis gingen prompt die Daumen nach oben, allenthalben Schadenfreude, Häme und ehrliche Erleichterung. Einzig das Jetzt-Magazin wurde philosophisch und stellte die rhetorische Frage: "Mit 38 einfach aufhören, kannst du das auch?"
Und nun rudert Blunt einfach zurück und will alles nicht so gemeint haben. Wäre es mir nicht sowieso vollkommen egal, was dieser Mann in den nächsten 30 Jahren plant, man hätte den Realitätsgehalt der Nachricht schon am Setting des 'Interviews' erahnen können: Einem Londoner Nachtclub. Also dort, wo man für investigativen Journalismus als Mail On Sunday-Reporter eben so abhängt.
Blunts Abendplan sah vor, sich mit Freundin Sofia königlich zu amüsieren, wie er es seit dem Ende seiner Welttournee mit Vorliebe auch auf der eigenen Yacht vor Ibiza handhabt. Fakten, die Blunt in Interviews immer wieder gerne weiter gibt, sozusagen seine ganz eigene Form der Rache.
Der Mail On Sunday sagte er sonst nur noch, was eigentlich alle Musiker nach einer Tour so erzählen, wenn sie nicht direkt das Wort "ausgebrannt" benutzen wollen: Er brauche nun erstmal Zeit für sich und schreibe vorerst keine Songs. Daraus wurde schließlich die Schlagzeile "James Blunt hört auf". Dementiert hat sie der Sänger nun selbst auf seiner Facebookseite mit einer ortsgebundenen Statusmeldung: Direkt aus einem Aufnahmestudio in Hollywood.

Seine Zeit lange genug in Aufnahmestudios verbracht, u.a. mit den unsterblichen Donna Summer und Freddie Mercury, hat die Südtiroler Legende Giorgio Moroder.
Freddie klaute von ihm den Schnauzbart, die halbe Welt seine Disco-Beats. Nun hat dem 72-Jährigen irgendein heller Kopf das Prinzip Soundcloud erklärt, wo der "I Feel Love"-Gigant seit ein paar Tagen alte Demotracks, Singles und Maxis hochlädt. Great fun für Fans von Pet Shop Boys, Madonna, DJ Hell und elektronischer Musik im Allgemeinen.

Dass auf Ibiza auch coole Musiker abhängen, lässt sich ebenfalls an Moroder festmachen, der kürzlich auf dem dortigen Branchentreff International Music Summit (Keynote Speech: Diplo) verriet, dass er für die kommende Daft Punk-Platte einen "Rap" aufgenommen hat.
Die Anweisung der Franzosen war, Moroder solle sich in die Gesangskabine setzen und aus seinem Leben erzählen. Dort standen Unmengen an Mikros herum, die ältesten stammten aus den 60er Jahren. Als Moroder fragte, wozu das gut sein soll, bekam er die Antwort, dass jenes Mikro verwendet werden würde, das zeitlich zu seiner Geschichte passe. Als Moroder zu bedenken gab, dass dies kein Mensch merkt, antwortete der Produzent im Hinblick auf Daft Punk: "Aber sie merken es."
(Foto-Copyright: EMI)
42 Jahre nach der Trennung war diese Meldung überfällig: Yoko Ono hat nicht das Geringste mit der Trennung der Beatles zu tun. Sagt nicht etwa Julian Lennon, sondern Paul McCartney himself im Guardian. "Sie hat die Gruppe nicht zur Auflösung gebracht, die Gruppe hat sich selbst aufgelöst", so Macca, der gleichzeitig nicht verhehlt, dass er Onos damalige Anwesenheit im Aufnahmestudio als schwierig empfand.
Ono habe Lennon die Avantgarde schmackhaft gemacht und sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass dieser überhaupt Songs wie "Imagine" geschrieben habe. "Sie zeigte ihm eine andere Art zu leben und Dinge zu betrachten, was ihn sehr ansprach. Daher war es Zeit für ihn zu gehen." McCartney schließt mit der Untertreibung des Jahrhunderts: Man habe letztlich ein "ordentliches Werk" hinterlassen, weshalb die Trennung nicht so tragisch gewesen sei.

Als Musikjournalist kennt man die Situation von so genannten Prelistening-Sessions, wo man in einem Raum mit mehreren Kollegen erstmals das Album einer sehr bekannten Band hört. In diesen Raum gelangt nur, wer vorher sein Handy abgibt. Schließlich besteht der Sinn dieser Einladungen ja gerade darin, dass Plattenfirmen der Journaille keine Datenträger schicken müssen, um so der Gefahr der Online-Piraterie entgehen.
Auch Prince verbittet sich Handy-Aufnahmen in seinen Konzerten aufgrund von Foto- und Soundaufnahmen. Da Foster The People-Sänger Mark Foster bei dessen Clubshow in L.A. trotzdem das Handy zückte, angeblich um eine SMS zu lesen, komplimentierten ihn Club-Bedienstete vor die Türe. Doch der Sänger ließ seinen Charme spielen und kam tatsächlich wieder in die heiligen Hallen.
Und das alles gibts heutzutage natürlich auf Film:

Vielleicht keine überraschende Nachricht: Die Hardcore/Punk-Legende Refused plant nach der zu Ende gehenden Comeback-Tournee keine weiteren Aktivitäten. Auf ihrer Facebook-Seite bedanken sie sich artig bei allen Konzertbesuchern ("Thank you for populating the pit in 2012") und freuen sich aufs Abschlusskonzert in der schwedischen Heimat Umeå. Farewell, buddys.

20 Jahre Tocotronic? Jesusmaria, die Zeit vergeht. Da bereits eine anständig gefüllte Best Of der Hamburger existiert, erscheint stattdessen am 25. Januar ein neues Studioalbum. So muss ein Jubiläum aussehen. Für "Wie wir leben wollen" wurden 17 Songs eingespielt (die hoffentlich auch alle veröffentlicht werden) und zwar auf einer analogen Telefunken-T9-Vier-Spur-Tonbandmaschine aus dem Jahr 1958.
Ziel war eine Klangästhetik, "die mageblich von Hall und Echo, von Verwaschungen und Unschärfen definiert ist." Die Mehrheit will das hören.

Was war deine letzte gekaufte Platte?
Phillip Boa: Das Debütalbum von Toy.
Welchen Song hast du zuletzt nicht mehr aus dem Kopf gekriegt?
Eigentlich immer den letzten Song, den ich gehört habe, wenn er denn gut genug war. Also z.B. "Summertime Sadness" von Lana del Rey. Gehasst, aber trotzdem ist es ein guter Song. Oder "Blow It Up" von den Vaccines.
Deine drei Platten für die einsame Insel.
David Bowie, Roxy Music, The Clash - jeweils das gesamte Werk via iTunes oder CD-Box.
Was war dein größter Spinal Tap-Moment bisher?
Oh, da gab es viele. Wir sind mal zu einem Festival gefahren und es gab die selbe Stadt zweimal in Süddeutschland. Der Fahrer hat es nicht bemerkt. Wir sind 3 Stunden zu spät gekommen und durften später auftreten.
Das Geniale an Spinal Tap ist, dass man wirklich schon absolut alle Szenen erlebt hat. Ausnahme: Meine Drummer sind zwar nicht gestorben, aber immer wieder weggelaufen oder geflohen, so dass ich mindestens schon zehn von ihnen hatte.
Welcher Star, den du persönlich getroffen hast, hat dich richtig beeindruckt und warum?
Mein Freund Thomas Köster hatte darauf bestanden, dass ich meinem Helden Paul Weller nach der Show treffen sollte. In der Hotelbar beschloss ich, Paul nicht zu sagen, dass ich Musiker bin. Es wurde eine recht peinliche Angelegenheit für mich, und ich bestellte ihm und seinen Musikern auch noch versehentlich Weizenbier. Paul selbst war ein Gentleman.
Bei zwei anderen Helden, Johnny Rotten/Lydon und David Bowie hatte ich es besser gelöst: Höflich die Hand geschüttelt, dafür bedankt, dass wir vor ihnen spielen durften, Respekt gezeigt, das war es: So kann man die Situation am elegantesten lösen.
Phillip Boa & The Voodooclub brachten in den 80er Jahren Indie Rock aus Deutschland auf die internationale Landkarte. Zuletzt erschien das Album "Loyalty". Die Band ist derzeit auf Tournee.
Neben zahlreichen Aktionen und Solidaritäts-Bekundungen für die russischen Konzeptkünstler von Pussy Riot hat Peaches tatsächlich wieder Zeit gefunden, Songs zu schreiben. "Burst" erschien bereits Ende September auf der gleichnamigen EP unter der Ägide von Boys Noize. Die Bassline? Gute alte Moroder-Schule!
Michael Schuh hört die ganze Woche lang Musik, beobachtet Kollegen, die Musik hören und plaudert an dieser Stelle aus dem Redaktions-Nähkästchen. Personen, Orte und Handlung sind definitiv nicht erfunden.
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