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Muse über ein besonderes Tour-Erlebnis. Außerdem: Lil Wayne und Lana Del Rey ehren Nirvana, 4Lyn-Fanärger und ein Hot Chip-Clip.
Inside The Shit (mis) - Nachdem ich neulich für meine im Grunde noch verhalten positiv bewertete EP von John Frusciante von einem User zur Persona non grata erklärt wurde, hält wieder Gerechtigkeit in die Musikwelt Einzug:
Dass der entsprechende 4lyn-Fan ihn stetig als "Endele" bezeichnet, liegt wahrscheinlich am übermäßigen Konsum dieser Musik. Doch bevor auch noch Mails aus Hamburg kommen: Ich habe überhaupt nichts gegen 4lyn, ich kenne sie nur vom Weghören, ganz im Gegensatz zum Kollegen Dobler, dem ich einmal die Woche erklären muss, warum die halbe Welt über Nu Metal lacht.
Nicht weil dieses Genre harte Gitarrenriffs mit Raps versieht, sondern weil die 1987 in "Bring The Noise" bestechend groovende Mixtur Epigonen an Nichtskönnern in die Aufnahmestudios spülte, die das Genre zum Hair Metal unserer Generation erblühen ließen. Three Dollar Bill Y'All!

Das sehen nicht alle so, zum Beispiel besagter 4lyn-Fan: "Die Katastrophe liegt darin, dass er seine eigenen Vorlieben vor eine echte Rezension stellt und nicht in der Lage ist, Musik nach Kriterien anders als 'gefällt mir / gefällt mir nicht' zu beurteilen."
Gefällt mir nicht. Weil: Falsch. Edeles eigene Vorlieben und Tagträume sind: Mit seiner Thrash-Hobbykellerband auch außerhalb des Uni-Campus Mainz berühmt zu werden, in Badelatschen von Kirk Hammett bei Rock Am See interviewt zu werden und den Respekt zu erhalten, den er im Leben nicht verdient.
"Für die absolut einzigartige Inkarnation von Vollgas liebe ich 4Lyn, keine Konventionen, keine störenden Melodien. Aber vielleicht ist ihr Rezensent eben einfach Smart-Fahrer und hat Angst vor Geschwindigkeiten jenseits der 120 und hält sie für Teufelszeug."
Vollgas, keine Konventionen: Könnte 1:1 aus einer Rezi von Edele kopiert sein. Inkarnation von Vollgas? Fleischgewordenes Gas? Gehts jetzt um Verdauung? Fragen Sie den Smart-Händler ihres Vertrauens.

"Dass die Drum-Arbeit eine der besten ist, die man seit Jahren im Musikmarkt gesehen hat, bleibt hier auch völlig unerwähnt, bis hin zu den knallenden Riffs, die ohne Zweifel für einen Groove sorgen, der ebenfalls seit Jahren in der harten Musik seinesgleichen sucht, ohne jedoch eine Monotonie ala Rammstein anzunehmen."
Reden wir von Tool oder System Of A Down? 4lyn? Dann reden wir sicher von der Zeitschrift "Musikmarkt", wo auch Christel Stürmer und Rosenstolz immer ordentlich Vollgas geben. Mit Session-Drummern frisch von der Popakademie. Zu erkennen an den Eiern von Satan.

"Mir scheint, Ihr Rezensent leidet unter dem in der breiten Bevölkerung verbreiteten schmalen Musikverständnis, das nur Melodien im Gesangsspektrum wahrnehmen kann und andere Instrumente als simples Beiwerk zu dekodieren weiß."
Ein Satz, wie aus einem Limp Bizkit-Forum. Was Edele genau wahrnimmt, wenn er etwas fabriziert, was er später Rezension nennt, wissen wir nun wirklich am allerwenigsten. Was wir wissen: Er ist nicht breiter als die Bevölkerung (außer am Wochenende). Er spielt in seiner Band nur simples Beiwerk, also Bass. Von Melodien will ich erst gar nicht sprechen. Kurz: Es ist genau, wie Sie sagen.
"Und dieser Leserbrief kommt von jemandem, der sich normalerweise mit Keith Jarrett, Gershwin, Grieg und Ravel aktiv spielend auseinandersetzt - nicht um eine 'debile E-Mail, die ihm postpubertäre Fans der Band' schicken."
Ok, also doch nicht Limp Bizkit-Forum. Eher Bildungsbürgerhaushalt, wo Papa noch seine Klassikplatten hütet. Fein abgeschrieben. Aber was spielt ein 4lyn-Fan jetzt aktiv, während Ravel läuft? "Donkey Kong"? Sagen wir es mit Fred Durst: "I ain't no joke, so you should get a pen and write yourself a little note / so you don't forget again!"
Es gibt Fotos, die sprechen für sich. Bitte schön.

In Prä-Internet-Zeiten haben sich Künstler gerne exotische Orte wie Sydney ausgesucht, um neue Songs vor Publikum auszutesten. Misslang die im Suff entstandene Idee auch nach dem dritten Versuch, konnte man sie immer noch verwerfen. Hat ja kein Europäer oder Ami je davon erfahren.
Lana Del Reys Idee, in die Fußstapfen ihres Idols Kurt Cobain zu treten, hätte frontal daneben gehen können. Doch sie wählte einen Song, der sich für ihr Trademark-Tempo von 30 bpm perfekt anbietet, und dessen Gesangsmelodie ihr Stimmvolumen vor nicht allzu große Hürden stellt. Demächst bitte mal in Seattle testen.
Auch für Lil Wayne wäre der nächste Schritt eine Nirvana-Coverversion, denn wie Lana Del Rey bezeichnet er sich gerne als Hardcore-Fan der Rock-Legenden.
Für seine Website breadoverbed.com setzte er sich nun zwischen ein leicht verändertes "Nevermind"-Cover und ein Einstein-Portrait. Wer das Baby auf "Nevermind" ist, "sollte damit klar sein".

Was war deine letzte gekaufte Platte?
Christopher Wolstenholme: Die letzte von Rihanna. Frag mich nicht nach dem Titel. Die CD war für meine Tochter. Die meisten Scheiben, die ich mir kaufe, sind für meine Kids.
Welchen Song hast du zuletzt nicht mehr aus dem Kopf gekriegt?
"Rubber Bullet" von Ten CC. Den spielten sie gestern im Flugzeug. Das war irgendwie lustig, denn Ten CC begleiten mich schon seit meiner Kindheit. Mein Dad war ein großer Fan.
Deine drei Platten für die einsame Insel.
"Dark Side Of The Moon" von Pink Floyd und "In Utero" von Nirvana. Die würden permanent laufen. Da wäre für eine dritte kein Platz mehr (lacht).
Was war dein größter Spinal Tap-Moment bisher?
In einer Band zu spielen (lacht). Aber im Ernst: Wir waren ganz am Anfang mal mit Bush auf Tour. Während dieser Tour erreichte uns plötzlich die Nachricht, dass wir einen NME-Award gewonnen hatten. Die Award-Show sollte an einem unserer Off-Days stattfinden. Alle waren total aufgeregt, vor allem die Plattenfirma ist total ausgerastet.
Man sponsorte uns sogar einen Privatjet, um nach England zur Verleihung zu fliegen. Es gab Champagner und wir fühlten uns wie die geilste Band der Welt. Als wir dann wieder zurück fliegen sollten, ging am Flughafen plötzlich der Sprit in Flammen auf. Wir standen also da in der Kälte rum, froren uns den Arsch ab und guckten der Feuerwehr auf der Rollbahn zu.
Wir konnten nicht mal in ein Hotel, da die Plattenfirma die ganze Kohle für den Jet ausgegeben hatte. Das war schon übel peinlich. Eben fühlten wir uns noch wie die dickste Combo auf Erden und im nächsten Moment standen wir total durchgefroren am Flughafen und keiner hatte eine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Ich würde sagen, das war mit Abstand der peinlichste Moment für mich.
Welcher Star, den du persönlich getroffen hast, hat dich richtig beeindruckt und warum?
Oh, da gibt es eine ähnlich verrückte Geschichte zu erzählen. Wir waren vor zwei Jahren in Australien und als die Tour zu Ende war, gab es keinen offiziellen Flug nach Europa. Das Wetter, besonders in England, war dermaßen schlecht, dass alle Flüge gecancelt wurden. Zur selben Zeit beendeten auch U2 ihre Tour in Australien und irgendwann bekam ich eine E-Mail von Bono, der mir anbot, in deren Privatjet mitzufliegen.
Also saß ich plötzlich mit Bono und The Edge in einem Privatjet. Wir flogen 14 Stunden über Dubai bis nach Southhampton. Eigentlich wollte ich nach Dublin, aber dort war der Flughafen gesperrt. Es endete damit, dass ich eine Nacht in einem Hotel übernachten musste und Tags darauf mit dem Zug nach Dublin fuhr. Bono hat sich die ganze Zeit fast wie ein Vater um mein Wohlbefinden gekümmert. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals einen Star seiner Größenordnung treffen würde, der bei allem Ruhm noch so sehr Mensch geblieben ist. Er kümmerte sich um alles: Flug, Hotel, Taxen, Zugfahrt. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.
Muse veröffentlichen am 14. September ihr neues Album "The 2nd Law".
Kommunikation, das hat nicht zuletzt der Leserbrief des 4lyn-Fans gezeigt, ist ein schwieriges Geschäft. So könnte es theoretisch auch sein, dass jemand in den letzten Kolumnen meine Hot Chip-Begeisterung missinterpretiert oder gar ignoriert hat.
Daher noch ein letztes Mal, bevor ich euch drei Wochen Zeit gebe, "In Our Heads" käuflich zu erwerben, das tolle neue Video zu "How Do You Do".
Michael Schuh hört die ganze Woche lang Musik, beobachtet Kollegen, die Musik hören und plaudert an dieser Stelle aus dem Redaktions-Nähkästchen. Eine Urlaubsvertretung verbittet er sich, daher erscheint der nächste Schuh-Plattler am 27. August.
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