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Die Redaktionskolumne: Heute mit Chris Cornell, Danzig & Johnny Cash, Cabaret Voltaire und De Staat.
Inside The Shit (mis) - Seit dem Pearl Jam-Film "Twenty" bin ich ja emotional wieder näher an Chris Cornell heran gerückt. War schon sehr beeindruckend zu sehen ...
...der mit Abstand schönste Metal-Pfau der 90er Jahre (Foto) dort Eddie Vedders und seiner eigenen Anfänge gedachte. Musikalisch besetzt er bei mir dagegen seit Jahren eher den Egal-Thron gleich neben R.E.M. und den Chili Peppers: Haben alle Großes geleistet und könnens nachweislich immer noch, aber letztlich kennt man das halt doch irgendwie schon. Besser.

Oder auch nicht, wie in Cornells Fall, als der 2009 seine umstrittene Timbaland-Koop "Scream" veröffentlichte. Trotz einiger guter Ansätze ("Climbing Up The Walls") klang die ganze Beat-Geschichte doch arg erzwungen.
Wobei ich es dann auch ein wenig vermessen fand, wie der musikalisch nicht gerade als Bowie-Wiedergänger zu bezeichnende Trent Reznor plötzlich seinen schnuckeligen Muckibuden-Korpus aufblähte, um Cornell in den Hades zu twittern.

Am Freitag bringt der alte Soundgarden-Held sein erstes Livealbum raus, das verwirrenderweise "Songbook" heißt, aber, was viel wichtiger ist, Songs aus sämtlichen Phasen seiner Karriere in akustischem Gewand beinhaltet. Der einstige Brad Pitt des Alternative Rock sieht mit seiner neuen Hippie-Mähne den Fotos nach zu urteilen zwar eher aus wie ne Mischung aus John Frusciante und Jonathan Jeremiah, aber wen juckt das schon bei so einer Stimme. Dass der Mann mit Soundgarden nie ein MTV Unplugged bestreiten durfte, lässt einen nicht nur angesichts der Überversionen von "Fell On Black Days" und "Black Hole Sun" ratlos zurück.

Spätestens mit seinem dritten American Recordings-Album "Solitary Man" im Jahr 2000 festigte Johnny Cash seinen späten Ruf als Cover-Papst, der jedes noch so unglaubliche Songjuwel mit seinem Tieftöner an Großartigkeit noch übertraf.
Da konnte eigentlich nur ein anderer Muckibuden-Freund und Egobrocken wie Glenn Danzig daherkommen und den Spieß umdrehen. Vor fast genau zwölf Jahren erschien seine Version von "Thirteen", fünf Jahre nach der Cash-Version.

Allerdings hatte der gute Glenn den Song dank des gemeinsamen Freundes Rick Rubin 1994 extra für den Country-Senior geschrieben, und es darf davon ausgegangen werden, dass Cash schon nach den ersten Zeilen der Nummer sein Okay gab: "Bad luck wind been blowing on my back / I was born to bring trouble to wherever I'm at."
Nach Eigenaussage hatte Danzig sogar eine zweite Nummer für Cash im Kasten, doch dann war Rick Rubin plötzlich kein gemeinsamer Freund mehr und Danzig zerrte den Bärtigen wegen Tantiemenforderungen aus seinem Meditationszentrum heraus in den Gerichtssaal.
Danzig, "Thirteen":
Johnny Cash "Thirteen" (live 1994):

Was war deine letzte gekaufte Platte?
Richard H. Kirk: "The World Ends - Afro Rock And Psychedelia In 1970s Nigeria".
Nenne eine Zeile deines Lieblingssongs.
"You can have Watergate, but gimme some bucks and I'll be straight." (Fred Wesley & The J.B.'s)
Welchen Song hast du zuletzt nicht mehr aus dem Kopf gekriegt?
Die Musik der Duschszene aus Alfred Hitchcocks "Psycho" von Bernard Hermann.
Was war dein größter Spinal Tap-Moment bisher?
Eine Show mit Cabaret Voltaire Mitte der 80er. Wir hatten eine riesige Wand mit Second Hand-Fernsehgeräten installiert, auf denen unsere Visuals liefen und nach und nach gaben fast alle dieser alten Geräte ihren Geist auf.
Welche Berühmtheit, die du persönlich getroffen hast, übte einen nachhaltigen Eindruck auf dich aus?
Ich kenne viele Künstler und Musiker, aber ich habe noch nie eine Berühmtheit getroffen.
Am Freitag erscheint das Boxset "Johnny Yesno Redux". Darauf ist der Originalstreifen aus dem Jahr 1982 enthalten sowie eine neue ins Los Angeles der Jetztzeit transformierte Version. Hinzu kommen 140 Minuten Bonusmaterial sowie zwei CDs mit exklusiven Tracks der nordenglischen Elektronik- und Industrial-Pioniere.

An dieser Stelle schon einmal lobgehudelt: Das medial nach wie vor sträflich vernachlässigte Rock-Quintett aus den Niederlanden. Es wird sich so schnell keine deutsche Kapelle finden, die diese unbändige Groove-Maschine aus Nijmegen ähnlich alt aussehen lässt wie die Löw-Buben jüngst deren kickende Oranje-Brüder.
Von dieser Gruppe (Achtung Floskelalarm!) wird man noch viel hören, meine Herrschaften, und das brülle ich nach ihrem Konzert in Konstanz noch eine Prise vehementer in diesen Internet-Orkus hier. Bis dahin lege ich euch Rockern das tolle "Machinery"-Album ans Herz, das es hoffentlich auch in die Album-Bestenliste dieses Magazins schafft, um die gerade täglich gestritten wird.
Michael Schuh hört Musik, beobachtet Kollegen und schreibt dann drüber. Personen, Orte und Handlung sind definitiv selten erfunden.
Inwiefern hat Reznor denn Cornell in den Hades getwittert? Hab das nicht ganz mitbekommen.
er meinte, er würde sich für scream fremdschämen und das sich cornell total blamiert hätte.

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