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Clapton verkauft Kunst, die Stones mal wieder ihre Hits. Außerdem: Trent Reznor, RATM, Björk, Jon Spencer, Morrissey vs. Colbert, etc.
Inside The Shit (mis) - Lange keinen besseren Albumtitel gehört, als den der kommenden Rolling Stones-Best Of: "Grrr". Abgesehen von "Lecko Grande" vielleicht. Soll wahrscheinlich irgendeine Form von Bissigkeit demonstrieren: Wir sind wieder wer, oder im Stones-Kontext wohl eher: Hee, wir sind auch noch da! Oder:
Hochgradig alberne Interpretation natürlich, zumal wir es bei "Doom & Gloom" sicher mit einer der besseren Stones-Nummern der letzten, hmm, 20 Jahre zu tun haben, sofern das ein Kompliment ist. Allerdings zählt Charlie Watts nach Meinung unseres Inhouse-Drummers Dobler bei "Doom & Gloom" maximal ein, der Rest sei programmiert. Ja wie, und wenn die Stones-Fans das alle merken? Grrr! So kamen sie also auf den Titel.
50 Jahre Bandgeschichte wollen natürlich zelebriert werden, erst recht wenn man sich den Titel "bekannteste Rock'n'Roll-Band der Welt" erspielt hat. Was natürlich ein Problem ist, wenn sich zwei Mitglieder nicht ausstehen können.
Doch irgendwie haben es Jagger und Richards, wenn nicht zu einem neuen Album, so doch wenigstens zu diesem Song geschafft, der nicht nur aufs Best Of-Album kommen, sondern sicher auch das Liveset der soeben angekündigten vier Konzerte in London und New York schmücken wird. Eine altbackenere Trailer-Idee als der Stakkato-Zusammenschnitt der vier Mitglieder ist zwar kaum denkbar, aber hey, wir reden hier von einer Band, deren Lead- und Rhythmusgitarrist neuerdings einen Wischmop aufträgt. Von daher: Beware, the chimps are back. Grrr!
Apropos Affen ...
Ob die Beatles wohl auch die moderne Technik gegen fortschreitende Geriatrie einsetzen würden, wären sie heute noch aktiv? Wirft man nur einen arg flüchtigen Blick auf den zu einem steinernen Peace-Zeichen gemorphten Ringo Starr, dürfte die Antwort klar sein.
Die Beatles-Musik war natürlich dufte, vom Anfang bis zum "Let It Be". Das sieht übrigens auch die Neigungsgruppe, Sex, Gewalt und gute Laune so. Dieses hierzulande leider nicht ganz so bekannte, österreichische Kollektiv um vier FM4-Moderatoren verkündete jetzt seinen Abschied von der hierzulande dementsprechend kleinen Bühne. Titel des Abschiedswerks: "Loss Mas Bleibm".
Statt das komplette "Let It Be" in ein erhabenes Wienerlied umzumünzen, wagte sich die Neigungsgruppe zum Abschied an den kompletten Rockmusikgarten. Mit befreundeten Gastmusikern, darunter Soap&Skin, austropopisieren sie Songs von Neutral Milk Hotel, Velvet Underground und Nirvana. Wie großartig das klingen könnte, kann sich anhand ihres Lana Del Rey-Covers "Video Spü" jeder selbst ausmalen:
"Loss Mas Bleibm" erscheint Anfang November und wird mit zwei Konzerten in Wien (1.11., Rabenhof) und München (16.11., Volkstheater) gefeiert. Auch unerhört groovy die Babyshambles-Coverversion namens "G'Fickt Für Immer".
Nein, ich kann offensichtlich keine Woche ohne ihn auskommen. Aber wann gibt Morrissey schon mal TV-Interviews? Und wann bekommt er schon einmal solche Megafragen gestellt wie von Colbert ("Du bist ziemlich militant, was vegetarische Ernährung angeht. Gilt das denn auch für Schweine, die sich nach mehreren Songs von dir umgebracht haben?) und wann bekomme ich schon Leser-Mails, die mich fürsorglich auf diesen TV-Auftritt aufmerksam machen? Eben. Eat salad & enjoy.

Übrigens, Mick: Wenn man als Rock-Rentner seine Bandmitglieder nicht mehr sehen will, lässt sich auch anderweitig dick Kasse zu machen. Man geht einfach in eines der 14 Gästezimmer, hängt ein Bild ab und trägt es zu Sotheby's. So hat es Eric Clapton gemacht und für seinen "Gerhard Richter Abstraktes Bild 809-4" unglaubliche 26 Millionen Euro eingesackt. Der Bieter blieb anonym (Mick?)
Claptons Rendite ist enorm, da er das Bild 2001 in New York mit zwei anderen für zusammen 2,6 Millionen Euro erstanden hat. Er scheint auch die richtigen Berater zu bezahlen, denn schon damals löhnte er einen Rekordpreis, obwohl Richters abstrakte Bilder noch vergleichsweise wenig Aufsehen in der Kunstwelt erregten.
Die Isländerin ist selbstverständlich eine sichere Kandidatin für unsere Meilenstein-Kategorie, nachdem uns mehrere Leser im letztwöchigen Leftfield-Artikel darauf hingewiesen haben, dass nach all den tollen Klassiker-Alben noch kein einziger einer Solokünstlerin ausgewählt wurde. Wir erröteten, diskutierten und bilanzierten: Fürwahr, so kann das nicht bleiben. Frauen an die Macht. Da wird also was kommen.
Aber zurück zu Björk: Am 19. November erscheint das "Biophilia"-Remix-Album "Bastards" mit der erwartbar gestandenen Gästeliste. Gleich drei Mal am Start: Matthew Herbert.
Die Tracklist von "Bastards":
Crystalline (Omar Souleyman Remix)
Virus (Hudson Mohawke "Peaches and Guacamol" Rework)
Sacrifice (Death Grips Remix)
Sacrifice ((Matthew Herbert's Pins And Needles Mix Edit)
Mutual Core (These New Puritans Remix featuring Soloman Is. Song)
Hollow (16-bit Remix)
Mutual Core (Matthew Herbert's "Teutonic Plates" Mix)
Thunderbolt (Death Grips Remix)
Dark Matter (Alva Noto Remodel)
Thunderbolt (Omar Souleyman Remix)
Solstice (Current Value Remix)
Moon (The Slips Remix)
Crystalline (Matthew Herbert Remix)
Letzte Woche sprach ich es bereits an, zwei Tage später trudelten die kompletten Infos zum Re-Release des 90er Jahre-Klassikers rein, das am 23. November erscheint. Here we go:
XX – 20th Anniversary Edition:
CD 1 enthält das komplette, digital geremasterte Album sowie drei Songs, die ursprünglich als B-Seiten von RATM-Singles veröffentlicht wurden.
CD 2 enthält das Original RATM-Demo, aus dem das Debütalbum hervorging. Es wurde 1991 aufgenommen und bei Konzerten der Band für fünf Dollar am Merch-Stand angeboten. Dank Mund-zu-Mund-Propaganda landete das Demotape bei Epic und führte schließlich zur Vertragsunterzeichnung.
DVD 1 (nur im Deluxe Box Set erhältlich) zeigt einen Mitschnitt des Finsbury Park-Konzerts im Juni 2010. Mit diesem kostenlosen Gig bedankte sich die Band bei ihren UK-Fans dafür, dass "Killing In The Name" in der Weihnachtswoche 2009 auf Platz Eins der Charts geklettert war. Ebenfalls auf der DVD enthalten: Videos und Ausschnitte weiterer Auftritte.
DVD 2 zeigt Live-Material aus den Jahren 1991-1994. Hier sind neben dem ersten öffentlichen RATM-Auftritt noch weitere, seltene Konzertmitschnitte zu finden.
Die Liner Notes besorgte Chuck D.

Nicht wenige trauten ihrem Bildschirm nicht, als es neulich hieß: Trent Reznor veröffentlicht seine neue How To Destroy Angels-EP samt Album beim Major Sony Music. Terrible Lie? Nix da. Gestern saß Reznor mit David Byrne in L.A. beisammen und erklärte in Ansätzen, wie es zu diesem Sinneswandel kam:
"Wir spielten 2009 mit Nine Inch Nails in Prag und die Stadt hing voller Konzertankündigungen für Radiohead am selben Ort, allerdings sechs Monate später. Als nächstes bin ich in einen Plattenladen gegangen und stellte fest, dass es kein Nine Inch Nails-Fach gab."

Damals sei ihm aufgegangen, dass seine Twitter-Aktivitäten eben doch nur eine verschworene Gemeinde erreichten, so Reznor weiter. Ihm dämmerte, dass dies vielleicht doch nicht die Patentlösung in einer zunehmend zerfaserteren Medienumgebung sein könne. Die Entscheidung für Sony sei daher nach einer ausdauernden Kosten-Nutzen-Abwägung gefallen.
Um in einem "coolen Plattenladen" und einem "coolen Blog" stattzufinden, sei es unumgänglich, die Hilfe von Marketingprofis anzunehmen, findet Reznor im Jahr 2012. Vor fünf Jahren bezichtigte er sein altes Label Universal, die Fans mit überteuerten CD-Preisen zu schröpfen.

Was war deine letzte gekaufte Platte?
Oh, da erwischst du mich auf dem völlig falschen Fuß. Ich hatte gestern zwei neue Alben im Postfach. Wer war das doch gleich? Keine Ahnung mehr. Tut mir echt leid (lacht).
Welchen Song hast du zuletzt nicht mehr aus dem Kopf gekriegt?
Wir waren gestern mit dem Taxi in Österreich unterwegs. Im Radio lief diese Coverversion von Lykke Li. Irgendwas mit "Rivers", glaube ich. Der Sänger hat dauernd gepfiffen. Die Melodie habe ich jetzt noch im Kopf.
Deine drei Platten für die einsame Insel.
"Velvet Underground And Nico" von Velvet Underground
"Computer World" von Kraftwerk
Eine Sun-Compilation, ich würde "Rockabilly Meltdown" nehmen.
Was war dein größter Spinal Tap-Moment bisher?
Ich glaube, ich habe schon ziemlich alles erlebt, was in diesem Film gezeigt wird. Eigentlich müsste das jeder sagen, der schon einmal in einer Band gespielt hat (lacht). Rob Reiner (Regisseur von "This Is Spinal Tap") hat damals wirklich einen tollen Job gemacht.
Welcher Star, den du persönlich getroffen hast, hat dich richtig beeindruckt und warum?
Michael Gira von Swans. Ich kenne die Jungs schon lange. Und vor allem Michael war immer eine große Inspiration für mich. Wir haben uns erst kürzlich wieder auf einem Festival getroffen.
Die Jon Spencer Blues Explosion veröffentlichte mit "Meat And Bone" gerade ihr erstes Album nach acht Jahren Pause.
Heute lese ich, dass sich die Garage Rock-Institution The Sonics gerade nach Europa zu ausgewählten Shows aufmacht. Auch wenn sie lange nicht so bekannt wurden wie die Stones, beeinflussten ihre hard riffing Soulpunk-Nummern doch unzählige Nachahmer, darunter die Eagles Of Death Metal.
An die musste ich wiederum denken, als der knochentrockene Cowbell-Beat zu "Tallulah" einsetzte. Große Nummer vom Debütalbum "Beat Stampede" des Londoner Duos mit dem noch größeren Bandnamen. Album seit Freitag bei iTunes oder in gut sortierten Plattenläden, wenn auch ohne Bandfach.
Michael Schuh hört die ganze Woche lang Musik, beobachtet Kollegen, die Musik hören und plaudert an dieser Stelle aus dem Redaktions-Nähkästchen. Personen, Orte und Handlung sind definitiv nicht erfunden.
Gerhard Richter ist ein toller Künstler, aber 26 Mio für ein Bild sind zuviel, das ist alles so absurd, selbst 1,5 Mio sind viel zu viel. Zumal man oft auch weniger die besondere Kunstfertigkeit bezahlt, sonder nur den berühmten Namen, irre. RATM braucht niemand der es nicht seit Std eins eh schon hat. Überalbum.
Ich verstehs auch nicht. Zumal das letzte Mal, als ich ein NIN-Fach überhaupt in IRGENDEINEM deutschen Geschäft mit Tonträgerabteilung bewusst wahrgenommen habe, etwa 1999 zu Zeiten der 'Fragile' gewesen sein muss.
Nicht repräsentativ, klar, aber seine Erklärung zum Sinneswandel wirkt insgesamt eher bemüht.
Speedy: ich würde in Tagessätzen eines Top-Managers rechnen, das wäre immernoch sehr viel, aber hätte noch eine gewisse Bodenhaftung.
Und NIN, Allah, die habe ich irgendwann Mitte der 90er mal auf irgendeinem Festival gesehen und dann kaum mehr was von denen gehört..
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