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Ein Toast auf Monster Magnet - und die Lemonheads! Außerdem: 5 Fragen an Joan As Police Woman und ein Weihnachtsvideo von De Staat.
Inside The Shit (mis) - Man kann nicht sagen, dass das Jahr 2011 ohne musikalische Überraschungen ausklingt. Zunächst die für wohl alle Hobby-Okkultisten verblüffende Album- sowie Tour-Ankündigung des geriatrischen Expertenzirkels ...
Und nun auch noch die Beach Boys. Beide Reunions bedienen vordergründig eine seit Jahren grassierende Sehnsucht (nicht nur bei Nachgewachsenen), einen zumindest minimalen Hauch der einst vorhandenen Magie zu erhaschen, die die jeweilige Band erst zum Kult erwachsen ließ.
Da ist dann völlig egal, dass der Ozzy Osbourne von heute wahrscheinlich allein vom Gewicht seines Kreuz-Anhängers zu Boden gedrückt wird oder dass ein beliebiges Beach Boys-Mitglied heute lieber im Netz als auf dem Ozean surft. Sie alle verkörpern schließlich einen Zeitgeist, der unsterblich ist.
Also her mit den 100 Euro fürs Ticket, denken sich die Ticketveranstalter da nicht ganz zu Unrecht. Die Leute zahlen es ja.
Ich bin in Sachen Reunions äußerst zwiegespalten. Ich gönne jeder Band ihr Comeback und alles Geld der Welt, aber ich muss die Beach Boys oder Black Sabbath nicht live sehen, obwohl Henry Rollins im Zuge des letzten Sabbath-Comebacks von 1997 von einem der besten Konzerte seines Lebens schwadronierte. Aber das war ja auch vor "The Osbournes". Und was bringt es, wenn Butler, Ward und Iommi einen Höllenlärm veranstalten, Ozzy aber nur stammelt?
Ich finde, grundsätzlich muss so eine Reunion einfach glaubwürdig rüberkommen und damit meine ich: Die Beteiligten müssen richtig Bock auf sich und ihr musikalisches Erbe haben. Dies setzt wiederum die Fähigkeiten voraus, sich gerne daran zurück zu erinnern und die Zeit nach der Trennung wenigstens für die Dauer des Konzerts auszublenden.
Denn es ist doch scheißegal, ob die Mitglieder sich privat noch zu Scrabble-Abenden treffen. Die Pixies reden abseits der Bühne kaum miteinander, finden auf der Bühne aber auf beinahe gespenstische Weise zueinander. Trotzdem sind alle Bandmitglieder der Meinung, dass das nur mit dem alten Material funktioniert und verkneifen sich daher seit Jahren ein neues Studioalbum. Rage Against The Machine genauso.
Auch die Kyuss-Reunion Kyuss Lives! hatte live kein Glaubwürdigkeitsproblem, aber warum da jetzt noch ein Album nachkommen muss, zumal ohne das mutmaßlich wichtigste Bandmitglied, leuchtet mir nicht ganz ein. Die Stone Roses haben dagegen brav abgewartet, bis sich Ian Brown und John Squire wieder vertragen, bevor sie ihr Comeback ankündigten, dass sie freundlicherweise nun auch zu den Hurricane- und Southside Festivals 2012 bringen wird.
The Lemonheads waren nie richtig weg, dafür aber der Erfolg. Das Cover-Album "Varshons" von 2009 sollte nach Evan Dandos Worten einem High Profile-Lemonheads-Album den Weg ebnen, aber logischerweise passierte: nichts.
Denn dass die eigenwilligen Coverversionen auf "Varshons" maximal hartgesottene Dando-Fans ansprechen, hätte jeder Nachwuchs-A&R sofort erkannt. Stattdessen folgt im Frühjahr eine überfällige Best Of-Scheibe sowie zum 20. Jubiläum des Klassikers "It's A Shame About Ray" eine Albumtour (1.5. Hamburg, 11.5. Berlin, 12.5. Köln, 14.5. München).
Dando liefert dann auch den authentischsten Grund für eine Album-Klassiker-Tournee mit. Er veröffentlicht parallel zur Greatest Hits-Platte mit "Hotel Sessions" noch 20 Jahre alte, in Australien entstandene Demo-Aufnahmen der Songs jener Zeit. Sie trösten über einen kleinen Schönheitsfehler hinweg: Ex-Bassistin Juliana Hatfield wird bei den Konzerten sehr wahrscheinlich nicht dabei sein.

Zu den wenigen, mir bekannten US-Bands, die ihren Fans in Deutschland den neuen Tonträger als allererstes zugänglich machten, zählen Monster Magnet. Und zwar ausgerechnet mit "Spine Of God".
Wobei man fairerweise anmerken muss, dass Monster Magnet im Dezember 1991 noch gar keine Fans hatten, weder hier noch anderswo. Wahrscheinlich schob das Glitterhouse-Label die Psychedelic-Newcomer damals eher emotionslos in die Regale, um sich wieder wichtigeren Themen zu widmen.
Man sollte diesem drogeninduzierten Stoner-Epos auch erst viel später Beachtung schenken, spätestens als mit "Dopes To Infinity" 1995 so etwas wie der erste kommerzielle Durchbruch erreicht wurde.
Weshalb Dave Wyndorf wohl auch lieber jenes Album vor kurzem ausgiebig live in Erinnerung rief. Aber das sind nur Mutmaßungen, zu einem Kurzinterview für diese Kolumne war der ehemalige Acid-King ja trotz mehrfacher Anfragen leider nicht bereit.
Seit Einführung unserer "Meilenstein"-Rubrik tobt in der Redaktion ja ein Grundsatzstreit darüber, ob solch eine Ehre besagtem Debütalbum oder doch eher "Dopes To Infinity" zukommen sollte. Gegen "Spine Of God" wird stets die vergleichsweise scheppernd-metallische Soundproduktion angeführt, die meiner Ansicht nach aber kaum stört, sofern man eine Schwäche für Bong-Schwaden und Effektpedale hat.
Der zügellose Orkan "Medicine" und nicht zuletzt der vertonte Haschklumpen "Nod Scene" zählen bis heute zu den mitreißendsten Kompositionen aus Wyndorfs Feder. Die Großartigkeit der Platte erkennt man allerdings nicht am "Medicine"-Riff, das die Beastie Boys später zu "Sabotage" inspirierte, sondern schlicht am Albumstart: "Pill Shovel" eröffnet "Spine Of God" mit einem ausufernden Drum-Solo.

Was war deine letzte gekaufte Platte?
Joan Wasser: Mein letzter Download war "Humor Risk" von Cass McCombs. Die letzte Vinylscheibe, die ich gekauft habe, war David Bowies "Young Americans", einfach weil meine Originalscheibe über die Jahre zu viele Sprünge angesammelt hatte.
Welchen Song hast du zuletzt nicht mehr aus dem Kopf gekriegt?
"One Night In Bangkok" von Murray Head.
Deine drei Platten für die einsame Insel.
"Songs In The Key of Life" von Stevie Wonder, "The Hissing Of Summer Lawns" von Joni Mitchell und "Aquemini" von Outkast.
Was war dein größter Spinal Tap-Moment bisher?
Im August spielten wir in Hamburg auf dem Dach eines Bunkers und nebenan war ein Fußballspiel von St. Pauli. Das Dach ist jetzt nicht gerade als optimale Konzertbasis zu bezeichnen, aber es ist eine wunderschöne Sommer-Location.
Es gab da ein unglaublich hohes Podest und ich dachte, es sei vielleicht ganz witzig, da für einen meiner Gitarrenparts hochzuklettern. Zu Beginn unserer Show spielte ich Keyboards und just als ich dann für eine Gitarreneinlage auf dieses riesige Teil stieg, schoss St. Pauli nebenan ein Tor und das Stadion brach in tosenden Jubel aus. Ungeplante Comedy-Einlage, einfach perfekt. Davon mal abgesehen, passiert es tatsächlich häufiger, dass ich die Bühne nicht finde.
Welche Berühmtheit, die du persönlich getroffen hast, übte einen nachhaltigen Eindruck auf dich aus?
Elvis Costello. Als ich letztes Jahr bei der Winter-Olympiade in Vancouver für ein Neil Young-Tribute musikalischer Leiter war, sang ich zusammen mit Costello "Cinnamon Girl".
Ich bin als Bandleader eher der lockere Typ, aber er nahm die Band während des Songs ziemlich ran, was teilweise fast schon zornig-ungehaltene Züge annahm, aber ich fand es großartig. Das Duett sagte er mit den Worten an: "Joan und ich sind die neuen Sonny und Cher des Rock". Schon da wäre ich fast gestorben.
Die Wahl-New Yorkerin Joan Wasser veröffentlichte im Januar dieses Jahres mit "The Deep Field" als Joan As A Police Woman ihr drittes Studioalbum. Die Freundin des 1997 verstorbenen Songwriters Jeff Buckley spielte bereits mit etlichen Größen des Musikbetriebs zusammen, etwa mit Antony & The Johnsons, Rufus Wainwright und Lou Reed.

Ihr Album "Machinery" auf Platz vier, ihr Song "I'll Never Marry You" auf Platz 23 in den jeweiligen laut.de-Jahreshitlisten bringt es auf den Punkt: 2011 war das Jahr der Alternative-Alleskönner De Staat. Mit songwriterischer Spitzenklasse trotz minütlichem Melodie- oder Rhythmuswechsel eroberten die Holländer mit ihrem Zweitwerk aus dem Stand an die Herzen der Redaktionsrocker.
Falls tatsächlich jemand unseren inflationären Lobhudeleien für die Combo bislang nicht Folge leisten konnte, hier zum Jahresabschluss ihre gewohnt wahnwitzige Coverversion des Weihnachtsklassikers "Let It Snow", die einen Schlusspunkt unter unsere De Staat-Promo setzt (zumindest für dieses Jahr). Merry Christmas, everybody!
na dann, Prost Mahlzeit. Ich sehe diese Sache naturgemäss etwas bedenklich, was ja jeder, der mich kennt, verstehen wird. Aber, man sollte nicht außer Acht lassen, dass diese Überlegung auf die Auswirkung der Ereingnisse Auswirkung haben dürfte, was die sich wohl dabei gedacht haben....außerdem sieht Billy Corgan fast ein bisserl wie Flux aus, aber Flux hat die schönere Kopfform, ist mir nebenbei so aufgefallen...
eigentlich hat von den beach boys, die heute noch leben, nie einer im ozean gesurft *klugscheiß*
Bodenseenebel, das passt aber fast nicht zum Thema, nebenbeibemerkt. Ich bin der Meinung, man sollte hier nur was zum Thema schreiben, nicht immer abschweifen (also hie und da ein Nebensatz mal...aber nicht total abschweifen.)
Außerdem, falls du de´maulwurfn mal siehst (er dich umgekerht ja schwer..) richte ihm schöne Weihnachtsgrüße von mir aus ....)
was sagt ihr übrigens zum Supertalentgewinner? war sicher der beste Auftritt an dem Abend. Bei meinem Favoriten dem Punkklavierspieler sind leider die Nerven blank gelegen....da gibs eben schon 6jährige, die besser als er spielen können. aber das beim letzten Mal dieses Stück war echt gut und ist mit ihm total gut rüber gekommen. Er hätte sich für das Finale vielleicht ein leichteres Stück aussuchen sollen, und das ohne allzuviele Fehler aber mit viel Herzblut, wäre für ihn einfacher gewesen. Ein bisserl hat er mir fast leid getan....
"Auch die Kyuss-Reunion Kyuss Lives! hatte live kein Glaubwürdigkeitsproblem, aber warum da jetzt noch ein Album nachkommen muss, zumal ohne das mutmaßlich wichtigste Bandmitglied, leuchtet mir nicht ganz ein."
yiep, soundtechnisch und kompositorisch erwarte ich da nicht viel. viel natürlich gemessen an den kyuss klassikern. zwei mal habe ich kyuss lives! (bzw. garcia) live gesehen, beide male waren geil, aber josh hommes fehlen hört man.

da hat der don zu spine weise, wahre worte gesprochen, die man gleich in stein hauen sollte; besonders die erwähnng v nod sense/medicine.
gratulation zum satz des jahres: "Sie alle verkörpern schließlich einen Zeitgeist, der unsterblich ist"
wäre mir diese zeile zu "loutallica" eingefallen, wäre mir wohl einiges erspart geblieben...ja nun.
@don: 
Was die Frage nach dem Meilenstein angeht, votiere ich ganz klar füs Spine. 1991 war schon ein großes Jahr für gute Musik. Schade nur, dass ich das damals im zarten Alter von sieben Jahren noch nicht zu würdigen wusste :-)
Was die Frage nach dem Meilenstein angeht, votiere ich ganz klar füs Spine. 1991 war schon ein großes Jahr für gute Musik. Schade nur, dass ich das damals im zarten Alter von sieben Jahren noch nicht zu würdigen wusste :-)
klar, ich meine, leute....es ist euch doch klar, dass wir nicht deshalb meist nach dem 'einen' meilenstein in einer diskographie suchen, weil andere platten des jeweiligen künstlers etwa schlechter wären.
das liegt ja einfach nur an der normativität des faktischen - ein stein pro act. da sollte man das ganze nicht immer so total fokussiert sehen, eher als eine hommage an band und platte; ein bisschen oscar fürs lebenswerk. ist es so gesehen nicht völlig latte, ob spine oder dopes den zuschlag erhält?
am ende ist der gewinner in jedem fall monster magnet. das ist ja auch was.
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