laut.de-Kritik

Ruhe ist das höchste Glück auf Erden.

Review von

"Gewisse Moden kommen und gehen. Du musst, wenn du für die breite Masse was machst, zwangsläufig oberflächlich werden. Je spezieller du wirst, jenseits des größten gemeinsamen Nenners, desto mehr bleibst du Außenseiter", stellt Schillers Kumpel und Vorbild, Klaus Schulze treffend fest. Ein Außenseiter wie der große Elektro-Pionier ist der extrem erfolgreiche Christopher von Deylen wahrlich nicht geblieben. Mit "Symphonia" bietet er zur nahenden Adventszeit ein Best Of-Live-Konzert im orchestralen Mantel.

Als reine Audio-CD bietet die Werkschau Auszüge vom opulenten Open-Air-Konzert auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. 18 essentielle Schillerlocken wählt von Deylen für die Live-Konserve aus. Alles edel serviert mit großem Symphonie-Orchester. Dazu geben sich hochkarätige Gäste wie Midge Ure oder Sopranistin Eva Mali ebenso die Klinke in die Hand, wie Schillers Kollegen Unheilig.

Die Grundidee bleibt gut. Warum nicht die eigenen Stücke neu arrangiert und neu interpretiert ins Rennen schicken? Es gibt nur zwei Probleme: Erstens benötigt man taugliches Ausgangsmaterial. Dazu macht es einen Unterschied, ob man spannende Variationen bietet oder einfach den eigenen Krempel runterdudelt und klebrigen Klassiksirup drüber gießt. Leider ist weitgehend Letzteres der Fall.

Bereits die Urversionen der meisten Tracks waren so flach und originell wie Butterkuchen zur Beerdigung. "Mir ist auch klar, dass Schiller Tapetenmusik ist"", konstatierte Lakaien-Sänger und ehemaliger Kollabo-Partner Veljanov vor einiger Zeit mit entwaffnender Offenheit. So wirken große Teile des Konzerts leider nicht erhofft majestätisch, sondern teigig aufgedunsen. Am Ende gibt es viel Lärm und Getöse um nichts.

"Ein Schöner Tag" mit einer stimmlich großartigen Mali bleibt auch im Orchestergraben nur prätentiöser 90er-Club von der Hoteldisco-Stange. "Hochland" leiert als kitschiger Schwulst durch die Highlands und übertreibt es mit der orchestralen Braveheart-Keule dermaßen, dass man von Deylen gern mal echte Könner des gehobenen Melodrams, wie James Horner, vorbei schicken möchte.

Das ohnehin nach Jean Michel Jarre für Arme klingende "Lichtermeer" bleibt auch mit den paar klassischen Alibis ein steifer Hüftschuss, der maximal als Werbejingle taugt. Ohnehin agiert das zur Staffage degradierte Orchester viel zu handzahm und kommt in den meisten Tracks wie "Desert Empire", "Schiller" oder "Ruhe" kaum über die Rolle des Statisten hinaus.

Das Stichwort Mogelpackung ist fast schon eine Untertreibung in dieser konstant konsenspoppigen Trance/Ambient-Verwässerung. Spätestens bei der Textzeile, wonach Ruhe das höchste Glück auf Erden sei, möchte man ihm enthusiastisch zustimmen.

Sicher, es gibt Momente, die ein wenig von der gehoben inszenierten Langeweile und dem kompositorischen Vakuum Schillers ablenken. Midge Ure zeigt in seinem kurzen Gastauftritt ("Let It Rise") mehr Charisma und Emotion als alle Gefühlsimitate in Schillers Diskografie zusammen. Und "Solveig's Song" bleibt in den Händen Eva Malis und des hier glänzend agierenden Orchesters natürlich eine Wucht. Das ist jedoch nicht Schillers Verdienst, sondern vor allem die Leistung Edvard Griegs.

Nach diesem echten und einzigen Highlight kommt dann - dramaturgisch unpassend - der Graf als schlageresker Grüßonkel auf die Bühne und versenkt den letzten Rest musikalischer Würde. Mit dem furchtbar überambitioniert dargebotenen "Sonne" landet der als Tiger gesprungene Adelsspross dann vollends als pseudogruftiger Bettvorleger von Helene Fischer und Andrea Berg.

Kurz darauf ist das Album endlich zu Ende, und Schiller haben einmal mehr bewiesen: Von Deylen ist ein meisterhafter Zampano der Inszenierung, der den eigenen Vorbildern kompositorisch nicht das Wasser reichen kann. Erst Recht nicht den Dirigentenstab.

Trackliste

  1. 1. Tune In
  2. 2. Ein schöner Tag (feat. Eva Mali)
  3. 3. Hochland
  4. 4. Lichtermeer
  5. 5. Desert Empire
  6. 6. Schiller
  7. 7. Ruhe
  8. 8. Sehnsucht (Instrumental/Live)
  9. 9. Sehnsucht: Reprise
  10. 10. Sommernacht
  11. 11. Berlin Moskau
  12. 12. Tired (feat. Jael)
  13. 13. Let It Rise (feat. Midge Ure))
  14. 14. Leben...I Feel You (Instrumental/Live)
  15. 15. Das Glockenspiel
  16. 16. Solveig's Song (feat. Eva Mali)
  17. 17. Sonne (feat. Unheilig)
  18. 18. Berlin Berlin

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LAUT.DE-PORTRÄT Schiller

Nein, hier geht es nicht um den guten alten Friedrich, sondern um das Trance-Projekt der Herren Mirko von Schlieffen und Christopher von Deylen aus Hamburg.

6 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Ein sehr treffsicher formulierter Kommentar, der trotz seiner Härte zeigt, dass sich der Verfasser mit Schiller auseinandergesetzt hat. Ich 2001 mal als Schiller-Fan gestartet, aber er hat mich genau aus oben beschriebenen Gründen schon vor Jahren abgehängt. Wäre er doch bloß in Richtung Klaus Schulze gegangen und nicht in Richtung Unheilig. Ich frage mich längst das gleibe wie bei Hansi Hinterseher: Mag er eigentlich selbst, was er da von sich gibt oder denkt er nur an die Kohle und könnte hinter der Grinsefassade über sich selbst kotzen?

  • Vor 2 Jahren

    Na ja, die Cover sind aber ganz nett. Vor allem bei Opus.

  • Vor 2 Jahren

    Ich selber bin auch kein bedingungsloser Schiller Fan mehr. Aber Symphonia ist ein über weite Strecken sehr gutes Live Album (sh. auch Bewertungen bei Amazon.de). Die Rezessionen von laut.de sind wie ein Artikel bei BILD. Unterhaltsam aber ohne neutrale Bewertung. Wenn sich die Kritiker auf jemanden eingeschossen haben dann gibt es kein Pardon. Wenn dieses Album nur einen Stern Wert ist und damit auf Pedro (DSDS) Niveau dann hat der Kritiker echt keine Ahnung und sollte mit seinen Kritiken bitte für ein Satiremagazin schreiben.

    • Vor 2 Jahren

      Es stimmt, dass so manche Kritik hier bei laut.de sehr voreingenommen ist, das habe ich an anderer Stelle auch schon so kommentiert. Trotzdem lese ich sie gerne, weil sie oft einen hohen Unterhaltungswert haben und weil sie bei aller Überzeichnung meistens einen wahren Kern besitzen. Ich sehe sie mehr als Kontrast zu den Kommentaren auf Amazon und Facebook, wo meistens die nicht kritikfähigen Fans in der großen Mehrheit sind. Die Wahrheit, falls es so etwas bei Musik überhaupt geben kann, liegt dann irgendwo in der Mitte.

    • Vor 2 Jahren

      Die Frage ist, geht es um Unterhaltungswert oder Sinnvolle, unvoreingenommene Bewertung?

  • Vor 2 Jahren

    So eine böse und unqualifizierte Kritik an einer Kunst habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Dieser Artikel voller Häme lässt vermuten, dass der Kritiker erstmal vor Neid auf den Erfolg anderer Menschen auf ein solch niedriges Niveau gerutscht ist. Es ist erkennbar, dass er mit der Musik von Schiller generell nichts anfangen kann und daher mit seinem vollen Hass vom Leder zieht. Was qualifiziert den Autor eigentlich zu einem solch geistig dünnen Macher?
    Die Aussage, dass das Orchester nur eine Statistenrolle einnimmt, ist an Absurdität nicht zu überbieten. Möglicherweise haben wir unterschiedliche Versionen des Konzertes gesehen oder gehört. Ist es vielleicht uncool, ruhigere Musik zu loben? Wie in einem Kommentar schon geschrieben, ist vieles Geschmackssache. Der Geschmack des Kritikers wird eben nicht getroffen. Dann aber seine Meinung als DIE alleinige Wahrheit zu formulieren, ist schon sehr anmaßend!
    Leider ist es in der heutigen Zeit wohl notwendig, mit plattesten, verletzenden Attitüden auf sich aufmerksam zu machen. Das Internet macht es möglich! Die Alternative wäre, eine ruhig und sachlich vorgetragene Botschaft, vielleicht einen anregenden und konstruktiven Wunsch zu formulieren.

    Und im Übrigen ist es auch eine Missachtung, ein "sich über Andere stellen" gegenüber den vielen Menschen, denen Schillers Musik viel Freude bringt. Außerdem kenne ich neben mir auch noch mehr Menschen, die SOWOHL Schiller ALS AUCH Klaus Schulze und Jean Michelle Jarre genießen. Schade eigentlich um die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Meine Wertschätzung der Musik von Schiller hat mich dennoch dazu veranlasst.

  • Vor 2 Jahren

    Ist das hier eine Site wo Künstler bis auf das Übelste heruntergemacht werden???
    Unter einem seriösen Bericht bzw. seriöse konstruktive Kritik verstehe ich da etwas anderes, als dieses Kindergarten Geplärre des Verfassers, er sollte erstmal überhaupt etwas musikalisches zustande bringe was dementsprechend Erfolg hat. Erst dann hat er meiner Meinung nach auf solch eine Kritik recht, jedoch nicht so in der Öffentlichkeit, dann wendet man sich an den Künstler direkt und tut seine Meinung kund.
    Oder hat der Verfasser nicht das Promo-Paket von Universal bekommen und musste sich das Album stattdessen kaufen???
    Wer weiss???, woher kommt denn sonst dieses barsche Gebahren des Verfassers.
    Das lässt viel Raum für Spekulationen !!!

  • Vor 2 Jahren

    Ulf Kubanke ist eine arme Wurst, ohne jegliches Selbstwertgefühl und holt sich die fehlende Selbstachtung anscheinend nur auf diese Art und Weise der CD Kritik zurück. Gruppen bzw. Bands die er liebt werden in den Himmel gelobt, Gruppen die er nicht ausstehen kann, werden hier gnadenlos niedergemetzelt. Außerdem hat er sich "Symphonia" anscheinend gar nicht angesehen, denn sonst wüsste er, dass einige ältere Stücke wie "Sommernacht" "Ruhe" und "Schiller" in einem völlig neu arrangierten Gewand herkommen und mit "Berlin Berlin" auch ein völlig neues Stück zu sehen und zu hören ist, welches in Berlin Weltpremiere gefeiert hat. Schiller bestreitet auf seiner Reise immer völlig neue Terrains und mit "Opus" und "Symphonia" hat er nun die klassische Seite bereist. Das nächste Album welches 2016 erscheint, soll wieder ein rein elektronisches Ambient Album werden.

    Bezüglich des Herrn, der hier diese dämliche Müllkritik verfasst hat, sage ich es jetzt mal aus der Sicht eines deutschen Comedian: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten". Herr Kubanke, schreiben Sie doch für die Bildzeitung Ihre dümmlichen Berichte. Auf dessen Niveau sind Sie nämlich schon längst angekommen.......