laut.de-Kritik

Honigsüß. Mit erhöhtem Plastikanteil.

Review von

Auf das düstere "Master Of My Make-Believe" folgt mit "99 Cents" Santigolds Mars-Album. Der honigsüße Longplayer mit erhöhtem Plastikanteil. Aber Obacht: Zu viel Zucker schadet den Zähnen.

Mit jedem ihrer drei Alben justierte sich Santi White neu. Diesmal hilft ihr eine gehörige Portion Bubblegum-Pop, Rostam Batmanglij (Vampire Weekend), Patrik Berger (Robyn, Lana Del Rey), Zed's Dead und IloveMakonnen. Den dem Sonnenschein zugewandten Sound begleiten bissige Kommentare über unser Konsumverhalten und unsere Einstellung zur Kunst. "Heutzutage ist alles ein Produkt, sogar Menschen und Beziehungen", erklärt die Sängerin den Titel. "Folgerichtig bin ich auch ein Produkt. Daher dachte ich, dass '99 Cents' ein guter Preis für mein Leben und all die harte Arbeit wäre."

Bereits im Opener "Can't Get Enough Of Myself" springt einem die Fröhlichkeit mitten ins Gesicht. Der von World Music geküsste Instagram-Hit, der den Selbstverliebten dieser Welt den Spiegel vorhält, in dem sie sich die Haare richten können. "I don't know about you / But i can't get enough of myself." Ein von Patrick Berger mit federnden Beats, neckenden Flöten und schamlos kitschigen Synthesizern produziertes Jingle, das nervös mit den Finger tippelnd auf seinen Einsatz in einer Zitronen-Limonaden-Werbung wartet.

Der glitzernde Lipgloss-Pop von "Rendezvous Girl" geht noch einen Schritt weiter und führt auf den direkten Weg zurück in die Achtziger. Santigold missinterpretiert Grimes "Art Angels" und landet im Niemandsland zwischen Mylène Farmer und Stéphanie von Monacos "Irresistible". Pop-Trash at its best.

Diesen Standard kann Santigold nicht lange halten und verfällt zudem immer wieder in ihr altes Schema. Zudem schwankt die Qualität der Tracks gewaltig. Zu vieles bleibt Skizze, zu vieles mag nicht zünden. Das mit Rostam Batmanglij geschriebene "Chasing Shadows" stellt nicht mehr als ein ohne den "Annie"-Refrain auskommendes "Hard Knock Life (Ghetto Anthem)" von Jay-Z dar. Den Vogel schießt jedoch IloveMakonnen in "Who Be Lovin Me" ab. In dieser Song-Rohfassung, in der er über eine weite Strecke die Hauptrolle übernimmt, mimt er mit seinem Schnarchnasenflow den nuschelnden Nick Tschiller.

Ausgerechnet mit dem voran kriechenden "Outside The War", das sich mit seinen Siouxsie & The Banshees-Jaulen an die Gothic-Ästhetik anlehnt und auf dem Longplayer wie ein Fremdkörper wirkt, macht "99 Cents" wieder etwas Boden gut. Für den finalen Cheerleader-Stampfer "Who I Thought You Were" schmeißt Santigold noch einmal David Bowies "Heroes", The Cars und LCD Soundsystem in einen Topf, rührt kräftig um, ohne selbst einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Es klingt bitter, aber wenn man Pop hören möchte, sollte man besser zu Miley Cyrus oder Katy Perry greifen. Die wissen wenigstens, was sie tun. Santigold fehlt es hingegen an Geschick, auf ihrem dritten Album die Grenzen zwischen ihren alten Stilelementen und ihrer neuen sonnigen Seite zu verschmelzen.

Die meiste Zeit bleibt sie gestelzt, gewollt und kraftlos. Von der Frische ihres Debüts spürt man trotz der Hinwendung zum Pop nichts mehr. Egal in welche Richtung sie sich auf "99 Cents" auch bewegt, ihren vom Zucker angegriffenen Beißerchen fehlt es an Biss.

Trackliste

  1. 1. Can't Get Enough Of Myself feat. B.C
  2. 2. Big Boss Big Time Business
  3. 3. Banshee
  4. 4. Chasing Shadows
  5. 5. Walking In A Circle
  6. 6. Who Be Lovin Me feat. Ilovemakonnen
  7. 7. Rendezvous Girl
  8. 8. Before The Fire
  9. 9. All I Got
  10. 10. Outside The War
  11. 11. Run The Races
  12. 12. Who I Thought You Were

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