laut.de-Kritik

Auf der dünnen Linie zwischen Underground und Sellout.

Review von

Jetzt kommt "Butter bei die Fische", wie es im hohen Norden so schön heißt. Auf Hochdeutsch und für Samy Deluxe bedeutet das: Die Stunde der Wahrheit ist da, jetzt kommt es drauf an. Nach dem ganzen Trubel um seine Person (Laut berichtete) legt Samy nun die lyrisch-musikalische Antwort vor, um alle Kritiker in die Schranken zu weisen. Doch auch nach intensiver albumtechnischer Vertiefung bleibt der Autor mit einem Fragezeichen vor dem Rechner sitzen.

Einerseits ist Samy der mit Abstand beste deutschsprachige Flower, aber andererseits liefern die Beats und Texte ab und an Grund zur Kritik. Kritik, die Samy ja nur sehr ungern hört. Und um wenigstens einmal ein gerechtes Review zu schreiben, wird die Platte jetzt Stück für Stück zerlegt und untersucht.

Der Opener "Wickeda MC" ist eine Samy typische Selbstbeweihräucherungs/Battle-Hymne, die aber dank des groovigen Tropf-Beats und des catchy Refrains vom Meister himself in Ordnung geht. War dieser Beat noch fett genug, kommt der von DJ Dynamite bei "Die Meisten" zu lasch rüber. Einzig die Idee mit dem vollen Mund-Rap hebt das Stück ins Mittelmaß. Bei "S.O.S." wagt Samy einen Schritt weg von Battlelines hin zu anderen Themen, was ihm hier auch ganz gut gelingt. Der Tropf-Beat plus Refrain ist zwar sehr poppig geraten, aber gut. Bei "Eppendorf" beweist Eimsbush-Kollege Illo 77 über einen hektisch-modernen Beat sein hohes Skillslevel. Textlich geht es wie so oft gegen alle Poser und Möchtegernplayer.

"Posivites" berichtet Samy nicht von der Presse. Kommt im coolem Samy-Flow, trotzdem bleibt der Eindruck seiner Kritikunfähigkeit. Ein Totalausfall ist das in allen Bereichen langweilige "Is nich wahr". Ob er "der Beste" ist, entscheidet ihr. Der Song deutet dies zumindest an. Der nächste "Beat" kommt im Gegensatz zu den "Raps" irgendwie drucklos daher. Die "sensationelle" Idee des schnellen Stakkato-Raps ist gelungen, doch der Beat gefällt mir schon wieder nicht. Man hat zuweilen das Gefühl, dass die Musik hier nur als Untermalung dient. Das ist leider gar nicht mein Fall.

Der freshste Track ist die Single "Hab gehört", die mit viel Energie aus den Boxen dröhnt. Bei "Samy Deluxe 2001" darf Sleepwalker an die Regler, und der serviert Samy einen primomäßigen Beat, den dieser mit einem Juice-Diss garniert. "Ich hab nen Juice-Abo, nur falls mir mal das Klopapier ausgeht/ Du hast es schon kapiert, ich scheiß drauf, was da drin oder drauf steht." Auch "Dreist" steht wegen der Power eindeutig auf der Habenseite. Was sich jedoch Afrob mit dem lahmen Refrain von "So soll's sein" gedacht hat, bleibt wohl im Verborgenen.

Danach begeht Samy zusammen mit Dynamite und Rasta Jahmeek im Pete Rock-Gewand "Hausfriedensbruch". Die "Session" kommt einem sehr gelegen, sorgen doch Dendemann, Illo 77 und Nico Suave für Abwechselung im Deluxe-Einheitsbrei. Mit dem pathetischen "Weck mich auf" gibt es dann auch endlich Samys Gesellschaftskritik. Geht in Ordnung, und wer Killarmys "Wake up" hinzu cuttet, hat sowieso schon gewonnen. Es folgt das flache "Internetional Love", doch man muss Samy trotz genannter Schwächen bitten, "Mach kein Schluss".

Trackliste

  1. 1. Wickeda MC
  2. 2. Die Meisten
  3. 3. S.O.S
  4. 4. Eppendorf feat. Illo 77
  5. 5. Positiv
  6. 6. Is nich' wahr
  7. 7. Der Beste
  8. 8. Beat und Pop
  9. 9. Sensationell
  10. 10. Hab gehört...
  11. 11. Samy Deluxe 2001
  12. 12. Dreist
  13. 13. So soll's sein feat. Afrob
  14. 14. Hausfriedensbruch
  15. 15. Session feat. Dendemann, Illo 77, Nico Suave
  16. 16. WEck mich auf
  17. 17. Internetional Love
  18. 18. Mach Schluss

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27 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Ich finde es echt traurig, dass ein (wahrscheinlich selbsternannter) Musikkritiker, solch ein Kommentar zu diesem ausgesprochen abwechslungsreichen und technisch hochklassigen Album in dieser Form publizieren darf..
    Illo's "hohe(r) Skillslevel" wird über- und das Gesamtwerk "Samy Deluxe LP" vollkommen unterbewertet.
    "S.O.S" und "Weck mich auf" sind Songs, die von so ziemlich jedem verstanden werden und endlich mal auf moralische und ethische Misstände hinweisen..
    Die meisten Protagonisten im HipHop-Biz verzichten auf jegliche Sozial- und Gesellschaftskritik, wobei dieses Musikgenre wohl das größte 'POTTential' besitzt, die Menschen zu erreichen und ihnen etwas mitzuteilen.

    Peace out..One Love

  • Vor 6 Jahren

    nanu, nur ein kommentar zu diesem album-review?

    ich finde, das review behandelt die texte deutlich zu oberflächlich, grade die, die mal ein wenig vom battle-rap abweichen. und samys rap-flow hat hier einen deutlich zu geringen stellenwert!
    allerdings finde ich, dass die beats tatsächlich ein wenig schwach sind.

  • Vor 6 Jahren

    Ich fand die Review schon immer 100% zutreffend. Der Johannesberg war halt ein Guter. Trotz seiner etwas übertrieben überschwänglichen Wu-Tang- und Curse-Kritiken. :p

  • Vor 5 Jahren

    "dreist", "die meisten", ach eigentlich geht das ganze Ding ganz gut runter.

  • Vor 3 Jahren

    Sozialkritische Texte (S.o.S Weck mich auf) Kritik an Hip Hop Deutschland (positiv) Story über einen Computerjunkie und über die Ablenkung durchs Internet (International Love) über Beziehung (Mach Schluss) Wiederlegung von Gerüchten über ihm (hab gehört) Er erzählt wieso er wenige Gefühle zeigt als andere (Die Meisten) Disst möchtegern Player (Eppendorf) Storytellingähnliche Dreist. Also ich weiss nicht wieso das Album inhaltlich schwächelt. Genial gerappt und mit vielen Wortspielen gespickt. Einziger Minuspunkt sind die Beats. Wiederum fällt so Samys Flow mehr ins Gewicht der somit mehr aus den Beats machen muss, da sie mehr als musikalische Untermahlung bieten. 4/5

  • Vor 2 Jahren

    Ich habe das Album jetzt seit fünf Jahren und finde man kann es sich immer wieder anhören, vor allem die "session" mit dende u.s.w. ist mein persönlicher Favorit 4/5 Sterne