laut.de-Kritik
Lang erwartet und gefürchtet.
Review von Stefan Richter
Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt. Das wusste schon Forrest Gump. Auf Samael-Veröffentlichungen trifft dies allerdings ebenso zu. Denn nach bereits neun Studioalben hat der Fan gelernt, mit diversen Überraschungen und Verschiebungen der Stilschwerpunkte zu leben.
Bekannt sind Samael für die Kombination von Black Metal, Gothic und Industrial. "Lux Mundi" ist nun nach fast drei Jahren Entstehungsphase der Nachfolger von "Above", das von vielen Anhängern als kuriosestes Samael-Album gewerteten wurde. Ob da nach nicht weniger als vierundzwanzig Jahren Bandgeschichte noch so etwas wie Erfolgsdruck bei Produktionen Einfluss auf die Scheibe nimmt?
Wer sich von der Blastwand des Vorgängers noch nicht erholt hat, findet sich jetzt in der Couch-Ecke wieder. Der aktuelle Longplayer strotzt vor Selbstbewusstsein und Souveränität. Und - um die Überraschung vorweg zu nehmen - diesmal gibt es wieder Melodien, Raum zum Atmen und vor allem Dynamik.
Allerdings ist dieser Umstand auch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Verglichen mit "Above" ist "Lux Mundi" auf den ersten Blick die ersehnte Rückkehr zum gewohnten Sound. Im Vergleich mit anderen Alben der Band leidet die Euphorie ein allerdings wenig. Im Gesamtkontext fällt deutlich auf, dass hier ein wenig der Biss fehlt.
Die Produktion ist dafür ziemlich fett geraten, was nicht zuletzt an Produzent und Metal-Guru Russ Russel liegt. Das Songwriting kommt abwechslungsreich daher und alle Elemente sind dicht verwoben in einem sehr atmosphärischem Klangbild. Aber so schön sich das anhört, der große Aha-Effekt bleibt leider aus.