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Rush live. Wieder einmal. Drei Jahre nach dem grandiosen Tour-Dokument "Snakes & Arrows Live" steht schon wieder eine DVD in den Regalen. So langsam fragt man sich ja schon, was der Fan noch alles braucht. Bei "Time Machine" dürfte der Kaufanreiz vor allem darin liegen, dass die Kanadier auf ihrer vergangenen Welt-Tournee den Album-Klassiker "Moving Pictures" chronologisch und in voller Länge aufführten.
Bis auf "Vital Signs" und "The Camera Eye" sind alle Songs des Albums mehr oder minder Stammgäste im Live-Set des Trios. Dass sie aber das Album komplett am Stück zum Besten geben, hat dennoch etwas für sich und führt eindrücklich vor, welch zeitloses Juwel Rush mit dem 1980er-Knaller erschufen.
Bevor der lange Konzertreigen losgeht, dürfen Lee, Lifeson und Peart dem Publikum einmal mehr ihr komödiantisches Talent vorführen. In der "Real History Of Rush" veralbern sie sich ausgiebig selbst. Wie schon bei "Snakes & Arrows Live" glänzt vor allem Alex Lifeson. Hier tritt er als schmieriger Musikmanager im XXXXL-Format auf, der am liebsten in Bratwürste beißt und Mädels mit freigiebigen Dekolleteés hinterher schaut, die Bierkrüge hin und her tragen. Zitat des Tages in diesem Filmchen: "Stop moving pitchers!". Huarr!
Und überhaupt Bratwurst! Bei all den Albernheiten, die sich durch die eingeblendeten Filmchen und das komplette Konzert ziehen, haben Polka-Rhythmen ihren festen Platz. Auch als Intro zu "La Villa Strangiato" findet das Duffzack Verwendung. Wer immer noch denkt, die Herren würden zum Lachen in den Keller gehen, darf "Time Machine" gerne als Nachhilfestunde in Selbstverarsche betrachten.
Spielfreudig wie eh und je präsentieren sich Rush live ihrem Publikum. So wie sie bei dem hier gezeigten Auftritt in Cleveland rüberkommen, dürfte sie wohl jeder bei der abgelaufenen Tour erlebt haben. Qualitativ liefern die Kanadier hier wie gewohnt Value for Money. An einige Eigenheiten muss man sich aber immer noch gewöhnen, wie zum Beispiel den stets in den Vordergrund gemischten Jubel, der - meist nach Geddys Ansagen - aufbrandet wie weiland bei Hans-Dietrich Genscher in der Prager Botschaft, als er den Anwesenden Flüchtlingen verkündete, dass nach seiner Ansprache hinterm Botschaftsgebäude noch Schnittchen serviert werden.
Während des Gitarrensolos bei "Presto" mussten Rush den in Cleveland gespielten Teil mit einigen Sequenzen einer anderen Show ersetzen, weil Geddy einen kurzen Blackout hatte. Warum die Jungs diesen "Brain Fart" nicht einfach drin belassen haben? Weiß der Kuckuck.
Was die Setlist anbelangt, spielen sie ihren Best Of-Stiefel herunter. Ein klein wenig mehr Abwechslung in dieser Hinsicht würde dem Trio sicher gut tun. Sie befinden sich schließlich mittlerweile in einem Alter, in dem man nicht mehr erwarten darf, dass sie dieses Programm noch weitere 20 Jahre abspulen. Also kramt doch bitte mal in eurem Wahnsinns-Backkatalog und ersetzt zum Beispiel "Closer To The Heart" oder eine andere Nummer, die live mittlerweile wirklich jedes Mal zu hören ist.
Doch das gehört in die Kategorie "jammern auf hohem Niveau" und dürfte damit der einzig nennenswerte Kritikpunkt der Disc sein.
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