laut.de-Kritik

Hier brennen höchstens Teelichter.

Review von

"Okay, ich bin 35, ich bin also kein kleiner Junge mehr, ich mache das hier jetzt schon seit knapp 20 Jahren, und ich liebe es immer noch wie damals." Ganz unmissverständlich stellt Ronan Keating erst mal klar: Er ist der Boyzone endgültig entwachsen und hat noch immer Feuer unterm Hintern! Mal sehen, ob er auch noch so klingt wie damals.

Den Anfang auf "Fires" macht der gleichnamige Song, dessen Lyrics ich erst mal belächeln muss. "I'll Be Lighting Fires, Fires, Fires For You" ist zwar eine sehr eingängige Hookline, man fühlt sich dabei allerdings wie gefangen in einem sehr kitschigen Moment des schnulzigsten Films des vergangenen Jahrzehnts, am besten besetzt mit C-Schauspielern. Ronan jedoch beschreibt den Track als einen Song, "der einfach mal komplett anders klingt, als alles, was man von mir kennt". In meinem Herzen entfacht das jedoch kein Feuer, hier brennt höchstens ein Teelicht.

Leider geht es textlich genauso schnulzig weiter. Fraglich auch, wer sich mit solchen Zeilen noch identifizieren kann. Oft erinnern die Songs auch an Keatings alte Hits wie zum Beispiel in "Nineteen Again". Ich fühle mich allerdings eher wie "Ten again and listening to 'Life Is A Rollercoaster'": Alles schon mal da gewesen.

"NYC-Girl" bringt plötzlich fetzige 70s-Disco-Klänge hervor, die in Kombination mit Ronans Gesang wie eine Mischung aus den Bee Gees und Jamiroquai wirken. "Close Your Eyes" hingegen beginnt mit Gitarrenklängen, die mächtig an Led Zeppelins "Stairway To Heaven" erinnern.

Neben den kleinen Ausbrüchen in andere Musikgenres bleibt sich Ronan jedoch größtenteils sehr treu. Den Höhepunkt erreicht der Schmusesong-Anteil des Albums bei "Lullaby", wo der Ire von Rapper Kiz unterstützt wird. Der kurze Rap-Part in dem sonst sehr ruhigen Schlaflied, das von Akustikgitarren getragen wird, passt absolut nicht ins Konzept. Vielleicht ist das ein Versuch, etwas mehr Moderne in seine Musik zu bringen, die doch sehr in der Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Gegen Ende des Albums wird mir noch einmal bewusst, was Ronan auch besonders gut kann: Die Wörter am Satzende wiederholen. Wenn er singt "Are You Still Mine, Mine, Mine?" soll das ganz gewiss seinem Anliegen noch mehr Ausdruck verleihen. Dabei wäre das gar nicht nötig, er singt die Zeilen doch ohnehin schon voller Pathos.

Natürlich hat der Ire eine gute Stimme. Aber seine Musik gleicht noch immer der von vor zehn Jahren, meist finden sich sogar Referenzen zu den noch älteren Boyzone-Liedern. Ronan baut auf ein musikalisches Konzept, das ihm zu seinen früheren Erfolgen verhalf, aber nicht mehr unbedingt in die heutige Zeit passt. Deshalb werden seine Songs auch überwiegend in den Programmen der nostalgie-orientierten Radiosender und ganz bestimmt auf der neuen Kuschelrock-CD zu finden sein.

Trackliste

  1. 1. Fires
  2. 2. I've Got You
  3. 3. Love You And Leave You
  4. 4. Nineteen Again
  5. 5. Wasted Light
  6. 6. Lullaby feat. Kizmusic
  7. 7. Easy Now My Dear
  8. 8. NYC Girl
  9. 9. Oxygen
  10. 10. Close Your Eyes
  11. 11. Get Back To What Is Real
  12. 12. The One You Love

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2 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    "Okay, ich bin 35, ich bin also kein kleiner Junge mehr,"

    hört sich nach Problemanalyse an :D

  • Vor 5 Jahren

    Ok, ich mag die Musik nicht (allerhöchstens als Hintergrundbedröppelung), aber ich muss hier mal einen Punkt an Ronan vergeben, oder zumindest der Rezension widersprechen.
    "Aber seine Musik gleicht noch immer der von vor zehn Jahren, meist finden sich sogar Referenzen zu den noch älteren Boyzone-Liedern. Ronan baut auf ein musikalisches Konzept, das ihm zu seinen früheren Erfolgen verhalf, aber nicht mehr unbedingt in die heutige Zeit passt."
    Dazu kann ich bloß sagen, ich beglückwünsche jeden einzelnen Künstler, der sich nicht immer jeglichen rektalen Ausflüssen anbiedert, die einem fälschlicherweise als "musikalischer" Trend verkauft werden. Auch, wenn ich weiß, dass Ronan Keating mit die glattgebügelsten Radiohits von sich gibt, die je geschrieben wurden, danke ich ihm dafür, dass er sich nicht komplett lächerlich macht, denn sowas höre ich mir immer noch lieber an, als iwelche Autotune-Dubstep-Next-Level-Shit-Sachen^^