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Einer zog aus, um seine Heimat mit Loungemusik zu bereichern Dabei bringt gerade dieses Land die besten Voraussetzungen für stilvolles Seelebaumelnlassen mit: Olivenhaine, felsige Steilküsten und den Atlantik direkt vor der Haustür. Rodrigo Leão kommt aus Portugal und versorgt seine Landsleute schon seit Ende der achtziger Jahre mit musikalischen Erzeugnissen. Damals bekleckerte sich der gefragte Komponist und Produzent vorrangig mit nationalen Ruhm.
Seine Band Madredeus, die erfolgreich modernen Fado, den portugiesischen Musikstil vollgepackt mit Weltschmerz, unter die traditionsbewussten Massen mischte, verließ Leão allerdings und besann sich auf eine Solokarriere. Zwar entsagt er der portugiesischen Melancholie auch auf seinem sechsten Album "Cinema" nicht gänzlich, vermischt sie allerdings gekonnt mit klassischen Elementen, Jazzbauteilen und singenden Fräuleins.
Zu Beginn der eigentümlichen Mischung muss der Hörer allerdings Geduld mitbringen, denn die Streicher im Opener "Cinema" spielen konsequent ein einziges Klassik-Thema in der Endlosschleife. Ein schüchtern wirkendes Tasteninstrument beginnt "Rosa", unterstützend haucht die brasilianische Sängerin Rosa Passos ein paar Takte später ihre ersten Worte ins Mikrophon.
Die besinnliche Melodie streicht wie warmer Sommerwind über die Wangen, wirklich schön. Eine divenhafte Beth Gibbons leiht dem folgenden Stück ihre Stimme. Vor dem geistigen Augen erscheint die Portishead-Sängerin mit ihrem Hintern auf dem Klavierdeckel platziert, gelegentlich an einer langstieligen Zigarette ziehend - diesen rauchigen 20er-Jahre-Charme vermittelt die Dame jedenfalls in "Lonely Carousel".
Schon der Titel verrät, dass "Jeux D'Amour" einen Beitrag mit französischer Färbung liefert. Zum entspannten Gezupfe der Streichermannschaft säuselt eine belgische Vokalistin, die allerdings spätestens bei "La Fête" die perfekte Café-Atmosphäre aus Paris importiert. Auch "A Comédia De Deus" und "A Estrada" lassen das Album insgesamt sehr frankophil erscheinen.
Der Anfang von "Memorias" klingt zwar ebenfalls verdächtig, geht aber nach einigen Augenblicken in eine bunte Mischung aus Kontrabass, Konzertgitarre und Cello über. Leão baut behutsam eine warme Stimmung auf und beweist, wie viel er auf dem Kasten hat. In "Deep Blue" überlässt er das Feld wieder der holden Weiblichkeit, die sich dieses Mal sogar mehrstimmig niederschlägt und dabei klingt wie Sandra Nasic beim Unplugged-Auftritt in einer edlen Hotel-Bar.
Spätestens wenn Sónia Tavares sich langsam durch "Happiness" swingt, baumelt die Seele völlig frei. Über den grünen Olivenzweigen ziehen Schäfchenwolken an einen unbestimmten Ort, das Meer rauscht und die Luft schmeckt nach Salz. Beziehungsweise nach Buttercroissants und französischen Milchkaffee. Die stilvolle Loungemischung von "Cinema" entspannt wahrscheinlich sogar in einer mit Grundschulausflüglern vollgestopften U-Bahn, so geschickt waltet der portugiesische Komponist seines Handwerks. Einen weiter reichenden Zweck als den des Chill Out erfüllt "Cinema" allerdings nicht.
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