laut.de-Kritik

Gut auch ohne Led Zeppelin.

Review von

Durch die Led Zeppelin-Familie scheint sich in letzter Zeit ein Kreativitätsschub zu drängen: Erst veröffentlicht Ex-Bassspieler John Paul Jones das überraschende "The Thunderthief", nun legt Sänger Robert Plant mit "Dreamland" seine erste Soloplatte nach neun Jahren vor.

Der Blick auf die Titelliste legt dabei Skepsis nahe: Von zehn Stücken sind gerade mal vier von Plant und seinen Bandmitgliedern, die anderen sechs dagegen "nur" Coverversionen. Darunter "One More Cup Of Coffee" von Bob Dylan, "Hey Joe", bekannt durch Jimi Hendrix, und "Song To The Siren" von Tim Buckley, das auch den einzigen abgedruckten Text im Booklet stellt. Wer Plants vorherige Solowerke kennt, wird durch den niedrigen Anteil eigener Songs allerdings nicht allzu unglücklich sein.

Schon das erste Anhören stimmt die ZuhörerIn wesentlich milder. Plant hat seine musikalische Weltreise noch nicht beendet und bringt selbst in abgelutschte Lieder immer wieder neue Arrangements und Facetten ein. Das Album knüpft also an Page & Plants "No Quarter" aus dem Jahr 1994 an, eine Liveaufnahme mit Neuinterpretationen einiger Zeppelin-Klassiker und einer Vielzahl an exotischen Instrumenten.

Das Eröffnungslied beginnt mit einer munteren Ziehharmonika, zu der sich ein wuchtiges Schlagzeug, die wummernden tiefen Saiten einer E-Gitarre und ein melancholisches Riff gesellen. Die heisere Stimme Plants hält die dadurch erzeugte rhythmische Spannung zusammen, die Melodie könnte zum Teil von Johnny Cashs "Orange Blossom Special" stammen.

Das stimmungsvolle "Morning Dew" mit leicht angeschlagenen Bongos, hallender Stahlseitengitarre und panflötigen Keyboards könnte Akzente setzen, wenn die kitschigen Streichereinlagen nicht wären, "One More Cup Of Coffee" dagegen versetzt die Originalversion von Mexiko in einen wüstig-bekifften Zustand. Die Eigenkomposition "Last Time I Saw Her" fällt nicht weiter auf, dafür ist "Win My Train Fare Home" eine Hommage an verstorbene Blues-Größen. Sehr einfühlig präsentiert sich "Song To The Siren", in dem selbst die wieder unnötig auftretenden Streicher die Sehnsucht nach Liebe und Tod nicht in den Hintergrund drängen. Mit dem bluesig-rockigen "Red Dress" kommen auch Led Zeppelin-Fans auf ihre Kosten, während "Hey Joe" durch ein psychedelisches Arrangement, in dem die Hendrix-Version kaum zu erkennen ist, überrascht.

Berühmte Musiker mit über 30 Jahren Karriere auf dem Buckel und der Fähigkeit, nach wie vor Interessantes zu bieten, sind eine rare Spezies. Die Wenigsten hätten "Dreamland" vermisst, wenn es nicht veröffentlicht worden wäre. Dafür ist das Album sehr gut gelungen. Vielleicht finden die drei noch lebenden Led Zeppelin-Mitglieder unter diesen Umständen wieder zusammen. Auf jeden Fall besser, als dass Jimmy Page noch mal mit Puff Daddy macht.

Trackliste

  1. 1. Funny In My Mind (I Believe I'm Fixin' To Die)
  2. 2. Morning Dew
  3. 3. One More Cup Of Coffee
  4. 4. Last Time I Saw Her
  5. 5. Song To The Siren
  6. 6. Win My Train Fare Home
  7. 7. Darkness, Darkness
  8. 8. Red Dress
  9. 9. Hey Joe
  10. 10. Skip's Song

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