laut.de-Kritik

Der Softrock-Beau drückt auf Blues-Button.

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Es gibt Menschen, denen scheint der natürliche Alterungsprozess nichts anhaben zu können. Bei Rick Springfield hat man den Eindruck, der einstige Softrock-Beau ("Jessie's Girl", "Celebrate Youth") wäre irgendwann mal in einen Jungbrunnen gefallen. Gut 35 Jahre nach dem musikalischen Peak präsentiert sich der mittlerweile 69-jährige Down Under-Ami auf aktuellen Pressefotos wie ein Zwilling von Heidi Klum-Buddy Thomas Hayo.

Mit dem neuen Studioalbum "The Snake King" will Rick Springfield dieser Tage beweisen, dass er auch musikalisch mit den jungen Wilden mithalten kann. Ganz oben auf der Denen-kann-ich-ohne-Probleme-das-Wasser-reichen-Liste stehen Kenny Wayne Shepherd und Joe Bonamassa, zwei neuzeitliche Bluesrock-Ikonen, die in puncto Songwriting und spielerischem Know How unbestritten zur Champions League des Genres zählen.

Und Rick Springfield würde den Blues nun auch gerne in unkonventionelle Bahnen lenken. Nach einer knappen Stunde Spielzeit zeigt sich aber, dass "The Snake King" mit der jüngeren Bonamassa-Vergangenheit nicht mithalten kann. Sicher, der gute Rick haut ordentlich in die Saiten. Hier und da blitzt gar ein überdurchschnittliches Solo auf.

Aber abgesehen vom eher in die Richtung Springsteens gleitenden Opener ("Land Of The Blind") und dem feurigen Gary-Moore-goes-Desert-Rock "Little Demon" schälen sich wenig Oha-Momente aus den Boxen.

Natürlich ist das hier allemal besser, als ein in (Album-)Länge gezogenes "Celebrate Youth"-Revival. Mehr aber auch nicht. Der Teufel, den wir alle kennen, trägt Smoking und Sonnenbrille. Mit den Blues Brothers im Big Band-Modus tritt Rick Springfield genauso ins Fettnäpfchen wie mit weihnachtlichen "Johnny B. Goode"-Vibes ("Santa Is An Anagram").

Die melancholische Schlagseite reißt "Blues Of Desperation"- und "Black Coffee"-Fans ebenfalls nicht von den Sitzen. Auch Bon Jovi oder Bob Seger ("Orpheus In The Underworld") kommen in den Sinn. Gefangen in Standard-Korsetts kommt Rick am Ende einfach nicht so richtig von der Stelle ("Blues For The Disillusioned").

Trackliste

  1. 1. In The Land Of The Blind
  2. 2. The Devil That You Know
  3. 3. Little Demon
  4. 4. Judas Tree
  5. 5. Jesus Was An Atheist
  6. 6. The Snake King
  7. 7. God Don't Care
  8. 8. The Voodoo House
  9. 9. Suicide Manifesto
  10. 10. Blues For The Disillusioned
  11. 11. Santa Is An Anagram
  12. 12. Orpheus In The Underworld

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2 Kommentare

  • Vor 11 Tagen

    Nun, da kommt der gute Rick bei mir ein wenig besser weg. Sehe das Album nicht als "pures" Bluesalbum ,.. es rockt dorch ab und an mit Rock & Roll und Countryrock Elemente. Von mir gerne 3-4 Sterne

  • Vor 6 Tagen

    finde die platte auch gelungen.
    schicker, mitunter leicht angerauhter aor/classic rock mit gelegentlichem blues-einschlag. mit bona hat das nichts zu tun. aber den bezug braucht es auch nicht. springfield war ja schon immer eine eigene marke.

    textlich auch weit besser als springfields ruf. besonders das treffend artikulierte "suicide manifesto" des bekennend unter depressionen leidenden musikers ist doch so kurz nach den tragödien mit cornell und bennington recht erhellend für nichtbetroffene und tröstend für betroffene.