laut.de-Kritik

Dr. Sommer, bitte erklären Sie das.

Review von

Manchmal muss man seine jüngeren Geschwister an die Hand nehmen. Gerade in Dingen, die die Musik betreffen. Da haut man ihnen eben mal auf die Finger, wenn sie sich an eine Monrose-Maxi klammern. Die Tränen sollen dann Musiker trocknen, die etwas zu sagen haben oder mit virtuosen Fähigkeiten glänzen. Also nicht Revolverheld. Jedenfalls nicht mit ihrem zweiten Album "Chaostheorie".

Die Revolverhelden glauben nämlich allen Ernstes, "1000 mal totgesagt" zu sein ("Gegen Die Zeit"), vielleicht auch nur, weil sie sich vor einigen Jugendlichen als deren Sprecher geben. Sie wollen die Zukunft sein, eine vor der es mir graut. Wie kann man dem Fünfer anders als gleichgültig begegnen? Dr. Sommer, bitte erklären Sie das. Da Totgesagte bekanntlich länger leben, folgen dem Opener zwölf weitere Lieder.

"Ich Werd' Die Welt Verändern" strotzt nur so vor durchschnittlicher Teenage-Wut. Das lyrische Ich möchte alles besser machen und sich "selber kopieren". Hallo Sackgasse. Mit der eigenen Musik fängt die Generation Rock daher schon mal an: laut und leise hier, rhythmische Spielereien dort. Zum Glück kann man in Sackgassen auch einfach stehen bleiben und in der nächstbesten Tonne einfach altbekannte Themen aufwärmen, respektive verfeuern. Zum Beispiel ein paar Seitenhiebe gegen Casting-Sternchen ("Superstars").

Gekonnt erfolgt auch das solide Spiel auf der Klaviatur der Belanglosigkeit: Mal pathetisch mit Streichern in "Unzertrennlich", ohne Streicher bei "Unsterblich" oder dynamisch wie "Nichts Bereuen". Wer auch immer dieses Album als Offenbarung betrachtet, hat mein Mitleid.

Allenfalls die Stimme Johannes Strates ragt positiv aus der Durchschnittsmusik und den durchschnittlichen Texten hervor. Nach etwas mehr als 42 Minuten verpufft die "Chaostheorie" in beruhigender Stille. Stille wird unterschätzt.

Trackliste

  1. 1. Gegen Die Zeit
  2. 2. Ich Werd' Die Welt Verändern
  3. 3. Superstars
  4. 4. Unzertrennlich
  5. 5. Hologramm
  6. 6. Nichts Bereuen
  7. 7. Längst Verloren
  8. 8. Du Explodierst
  9. 9. Unsterblich
  10. 10. Wir Könnten Die Grössten Sein
  11. 11. Patient In Meiner Psychiatrie (Chaostheorie)
  12. 12. Hallo Welt
  13. 13. Bis In Die Ewigkeit

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LAUT.DE-PORTRÄT Revolverheld

Manchmal zählt ein Moment für Jahre. An einem Tag im Sommer 2003 gab es für fünf Jungs einen solchen - in einem Proberaum im Hamburger Hafenviertel.

20 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Also ich weiß nich was ihr habt!! Ich finde die Alben "Revolverheld" und "Chaostheorie" richtig gut! Und es ist auch kein "Kinder-Viva-Rock" oder so... das sind Killerpilze,Peilomat, Lafee und TOkio Hotel!! Vielleicht rocken sie auf den Longplayern nicht so, aber Live allemanl!!
    Die sind einfach genial!!

  • Vor 10 Jahren

    Also ich beklage mich nicht wegen den Alben! Ich höre sie mir gerne an!;)) Wer die Cd nicht hören mag, sollte "Revolverheld" mal live erleben um weiter zu beurteilen! Und Revolverheld sind nun mal schon über die 19 Jahre längst hinaus um sie mit Kiddirock zu beurteilen!

  • Vor 3 Jahren

    Ich will euch ja nicht zu nahe treten, aber wenn man zu dumm ist um gewisse Texte zu verstehen, sollte man sie nicht als bescheuert abtun, sondern lieber mal nichts sagen. Ist nur ein nett gemeinter Tipp. Ich denke man kann froh sein, dass es in der zeit der schlechten Musik, noch Bands gibt, die ein gewisses Niveau haben.