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Das wurde aber auch Zeit: Nach vier Jahren melden sich vier Freunde mit ihrem nunmehr zehnten Album zurück, das schon seit mindestens einem Jahr überfällig war. Anthony, Flea und Chad haben wieder mit John Frusciante zusammengefunden, der zuletzt "Blood Sugar Sex Magic" mit seinem Saitenspiel verzierte. Auch Hitmaker Rick Rubin ist wieder mit am Start, welcher auf letzgenannter Platte und zuletzt bei "One Hot Minute" an den Reglern saß.
Nun sind natürlich die Erwartungen extrem hoch gesteckt bei einem derartigen Treffen der Crossover-Giganten. Viele Fans hoffen auf einen Neuaufguß der guten alten Zeiten. Jedoch findet man beim ersten Durchlauf noch keinen Chartbreaker wie "Give It Away". Die Platte ist ruhiger und balladenlastiger. Der Funk machte Platz für mehr Melodie, ganz nach dem Motto: Heartbreaker statt Chartbreaker.
Leider hört man den Flea-Baß dementsprechend selten slappen. Die melodiöse Schiene haben die Chilis ja schon unauffällig mit ihrer ersten Single "Scar Tissue" befahren - ein Mitsingohrwurm, der daß Potential eines Sommerhits aufweist. Und nicht der einzige auf der Platte. 15 Songs beschert uns die 4-jährige Kreativpause und wohl die Hälfte könnte getrost als Single ausgekoppelt werden. Die ruhige Tour steht Anthony Kiedis' Stimme nicht schlecht zu Gesicht, was uns ja schon seit "Under The Bridge" oder "Soul To Squeeze" bekannt ist. Aber die Texte wirken jetzt anspruchsvoller, das Titelstück "Californication" (Fornication = Unzucht) ist die traurige Kritik an der zunehmenden Kalifornisierung der Medien durch die Hollywood-Studios, die Erschaffung eines neuen künstlichen und unnatürlichen Über-Menschenbilds im Stile von Pamela Anderson und Co. Die Kampfansage gegen Plastiktitten und Enthaarungscremes.
Beim zweiten Hinhören fällt auf, daß "Californication" trotz gefühlvoller Passagen auch druckvolle Up-Tempo-Hymnen wie "Easily" oder das kantige "Parallel Universe" enthält, die zum Stagediven einladen und somit auch hartgesottenere Fans zufrieden stellen dürften. Und natürlich sind alle froh, daß John Frusciante uns wieder mit seinen minimalistischen Gitarrenkunstwerken beglücken darf. Unangenehm fällt mir persönlich dabei auf, daß meine Kopie total übersteuert ist und dies zu störenden Schepper-Geräuschen im Hochtonbereich führt. Trotz allem eine Platte, die bei so manchem einen gebührlichen Soundtrack zu diesem Sommer abgeben wird.
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