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"Blood Sugar Sex Magik". Der Titel allein versprach Außergewöhnliches. Dann ließ Rick Rubin die Scheibe 1991 auch noch in seinem Anwesen einspielen (das einst Errol Flynn gehörte), in dem es angeblich spukte. Man ahnt: Hier fand einer der Momente der Rockhistorie statt, in dem alle Beteiligten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort alles richtig machten.
Mit ihrem fünften (!) Studioalbum entfalteten sich die Red Hot Chili Peppers einem Atompilz gleich. Wenngleich man schon zwei Jahre zuvor der durchgeknallt funkrockenden Scheibe "Mother's Milk" anhörte: Die vier bunten Vögel aus L.A. könnten eines Tages über sich hinaus wachsen.
Das lag mit Sicherheit am Einstieg des jungen Gitarristen John Frusciante. Seine Kreativität, seine Begabung, den Funk auf ein knackiges Minimum zu reduzieren, wurde zum Eckpfeiler, zum Alleinstellungsmerkmal von "BSSM". Nur so viel: Wer den Groove des Intro-Licks von "If You Have To Ask" nicht spürt, weiß nicht, was ich meine (und wer Fleas Bass-Intro zu "Funky Monks" nicht fühlt, wird es niemals verstehen).
Um 1988/1989 hatten Frontmann Anthony Kiedis und Flea zudem einen neuen, mächtig schlagenden Drummer rekrutiert: Chad Smith. Denn bei aller Ausgewogenheit im Endmix: Die Power im Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass, all diese Funkrock infizierten Rhythmusgerüste geben dem Album das Brandzeichen.
Wie Produzent Rubin beispielsweise Chads Kit im Raum verteilt, wie dessen Snare über die Songs hinweg kracht, wie er die rasselnd akzentuierten Hi-Hats spielt - good old Chadwick hatte nie mehr einen besseren Drumsound. So heavy, so klar, so auf den Punkt, so dynamisch wie ein geschmeidiges Raubtier: Nie mehr spielte er so funky.
Von derlei Produktionsmerkmalen abgesehen, bleibt das Entspannte an "BSSM": Die Platte wirkte nicht durch eine politische Message oder stellte den Soundtrack einer Jugendbewegung. Nein. Die Peppers waren einfach eine heiße Band aus L.A., vier Nerds, die es wissen wollten, und es kurze Zeit später tatsächlich schafften, mit einer einzigen Platte wenigstens eine Generation Musiker zu prägen.
Neben dem Potential brachte der Vierer dafür den nötigen Style mit: In einer Zeit, als lange Bandnamen out waren, kamen sie mit einem extralangen daher. Machten den Ziegenbart hoffähig und präsentierten Tattoos auf nackten, durchtrainierten Oberkörpern leger zu Bundfaltenhosen. Crossover hatte definitv einen seiner wenigen Höhepunkte erreicht.
Die Faszination dieser 17 Stücke komplett einzufangen, bleibt schwierig. Heavy-Brecher ("Suck My Kiss", "The Greeting Song") gehen in unpeinliche, energische Balladen ("Under The Bridge", "Breaking The Girl") über oder stehen neben acht Minuten lang mäandernden Midtempotracks ("Sir Psycho Sexy"). Und wie konnte eigentlich ein so rüder, vor Melodie nicht gerade strotzender Track wie "Give It Away" Mainstream werden?
Lag es vielleicht an der Authentizität der Musiker? Wenn Kiedis etwa über den Drogensumpf singt, hat er am eigenen Leibe erfahren, was dies bedeutet. Und um das noch klarzustellen: Ohne den gut aussehenden Anthony und seine Leistung in der Gesangskabine, wären der Ruhm und spätere Erfolge ausgeblieben.
"BSSM" gehörte zu Beginn der 90er zu den Platten, die musikalische Erweckungserlebnisse initiierten: Sie half dabei, den eigenen, verkrusteten Musikgeschmack aufzubrechen und bescherte den Peppers eine Karriere, die sie heute auf den Spuren der Stones wandeln lässt - was Bekanntheitsgrad und Durchhaltevermögen angeht.
Vor 20 Jahren explodierte die Platte so heftig, dass der drogensüchtige Frusciante noch während der laufenden Welttour in Japan kurzerhand ausstieg. Die Maschine war unkontrollierbar geworden. Warum eine einzige Platte so viel Energie freisetzt? Der Film zur Platte namens "Funky Monks" gewährt zumindest einen Einblick.
Am Anfang könnte aber auch ein so einfacher wie schwierig greifbarer Grund stehen, wenn man etwa dem Autor und Drummer Rich Lackowksi zuhört: "Ich erinnere mich, dass ich "BSSM" mit 16 bekam. Ich spielte seit sechs Jahren Schlagzeug und machte mit Neil Peart die ersten Schritte im Progressive Rock, mit Lars Ulrich im Metal und mit John Bonham im Classic Rock. Das Chili Peppers-Album hatte jedoch etwas Neues, von dem ich nicht genug bekam."
In der Rubrik "Meilenstein" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.
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Freu mich auf kommende Woche dann.
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