laut.de-Kritik
Unterhaltsam dank Michael Jackson.
Review von Michael Edele
Im Zuge der Nachforschungen zur Bandhistory von Raintime stolpert man unwillkürlich über den Begriff Power Metal. Und auch wenn man sich die ersten Gehversuche der Band zu Gemüte führt, neigt man eher dazu, sie als typischen Italo-Metal abzuurteilen. Womit man den Jungs allerdings Unrecht tut, denn "Flies & Lies" geht als ordentliche, melodische Death Metal-Scheibe durch.
Die Power Metal-Wurzeln der Italiener schimmern allerdings des Öfteren durch. Vor allem in den melodischen Refrains ist die klare, für manchen Geschmack vielleicht ein wenig zu hohe Stimme von Sänger Claudio Coassin nur bedingt zu verkraften. Auch bei den Keyboards lässt sich die Vergangenheit kaum verheimlichen, was sich in etwas zu aufdringlichem Gedudel äußert. Wenn die Gitarren aber den Ton angeben, und Claudio auf seine druckvolle, aggressive Stimme zurückgreift, dann geht ordentlich die Post ab.
So manche Schwedenband, man denke an Children Of Bodom oder Soilwork, hat bei den Kompositionen zuweilen Pate gestanden, aber an deren Klasse kommen die Italiener eben noch nicht ran. Auch driften sie noch eine Spur zu häufig in beliebigen Tralala-Metal ab. Mindestens zwei Stufen zu poppig geht es bei einem Track wie "Finally Me" zu, und auch bei "Another Transition" muss man aufgrund des fröhlichen Schunkel-Refrains das ein oder andere Mal schwer schlucken.
Auf der Habenseite stehen dafür aber Tracks wie der Opener und Titeltrack oder recht frisch klingende Nummern wie "Apeiron" (dem Hatespheres Jacob Bredahl seine Stimmbänder leiht) oder "Tear's Of Sorrow" (wo Manticora-Shouter Lars F. Larsen ein Gastspiel gibt). Als ebenfalls sehr gelungen würde ich die coole Coverversion von Michael Jacksons "Beat It" einzustufen. Das macht "Flies & Lies" zwar noch zu keinem essentiellen Album, aber immerhin zu einer unterhaltsamen Sache.