laut.de-Kritik

Schwanzgesteuerter Befreiungsschlag des Tool-Fronters.

Review von

Maynard James Keenan scheint des Apologetentums überdrüssig geworden. Sein neuestes Projekt mit einem Namen zwischen Diabolismus und Geschlechtsteil entstand mutmaßlich in einem Trailerpark in Hillbilly-Land.

"V Is For Vagina" ist White Trash in Reinform. Und offensichtlich das dringend benötigte Ventil namens Ironie, das an die Stelle bedachtsam arrangierten Progrocks vorzugsweise Industrial-TripHop mit Tribaldance-Charakter rückt. War man vom Tool-Vorstand und A Perfect Circle-Vordenker bislang reine Kopfgeburten gewohnt, geriert sich Puscifer als schwanzgesteuerter Befreiungsschlag.

"This is purely body candy", sagt der Künstler. "Nothing wrong with math, but sometimes it can be exhausting to be that forced, that focused." Tatsächlich wirken große Strecken dieses Comicrocks wie Kalauer-Handwerk. Im Artwork werden Flugsicherheitsanweisungen ins Überzynische pervertiert, das CGI-Video verlächerlicht sich vom ersten Augenblick an selbst, die Puscifer-Website verkauft Frauenhygieneprodukte.

Musikalisch bilden gutturale Äußerungen Keenans den Fixpunkt. Der gute Mann rrrollt und rrraunt in Jamben-Form wie das Tatü-Tata bei der Freiwilligen Feuerwehr. Solch massives Overdubbing hat durchaus sexy Charme, zumal der Bass das Groovy Baby gibt und mit der Stimme so etwas wie eine brummende Einheit bildet. Auch das perkussive hinkende Drumming unterstützt den vokalen Taubenschlag bei seinem Anliegen, möglichst tiefenlastiges, trippiges und geisterbeschwörerisches Schamanentum zu betreiben.

Wie auch diverse Hundegebelle und Gun-Clickings finden die meisten Gitarren nur via Samples statt. Lyrisch hingegen geht's, keine Überraschung, halb- bis volldadaistisch ans Eingemachte: "This lady's got the sickness / Can I get a Hell Yeah" und " Left, right, left. Hooah!" gehören bereits zu den intellektuell verklärbaren Momenten. "Sour Grapes" baut dann noch für alljene, die bezüglich des Ironielevels bis zu diesem Moment unsicher waren, Gospelchor und pathetischen Prediger ein. "Put it on and move your butt and get completely out of your head music", bestätigt Keenan noch mal. Puscifer sind die neuen Deichkind.

Trackliste

  1. 1. Queen B
  2. 2. DoZo
  3. 3. Vagina Mine
  4. 4. Momma Sed
  5. 5. Drunk With Power
  6. 6. The Undertaker
  7. 7. Trekka
  8. 8. Indigo Children
  9. 9. Sour Grapes
  10. 10. Rev 22:20 (Dry Martini Mix)

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15 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Das Album ist ja voll der ****** das passt gar nicht zu Tool vor allem da alle ihre Alben Perfekt waren wie kann man nur so sinken Maynard sollte sein Soloprojekt schnellstens abbrechen paar jährchen mit Tool zusammen mixen und dann wieder ein gutes Album rausbringen,naja war nur ein Soloprojekt

  • Vor 6 Jahren

    Wer bis heute noch nicht begriffen hat, dass Adam Jones der kreative Kopf hinter dem TOOLschen Sound ist, der ist leider ein MJK-Verrückter.

    MJK allein funktioniert nicht! Erst in Verbindung mit Adam Jones Musik, hat das ganze Sinn ... eine musikalische Symbiose. Daher interessiert mich Pucifer mal gar nicht! A perfect Circle ist auch eher "mau"!

    Gruß ...
    ... VV6

  • Vor 6 Jahren

    @vv6 (« Wer bis heute noch nicht begriffen hat, dass Adam Jones der kreative Kopf hinter dem TOOLschen Sound ist, der ist leider ein MJK-Verrückter.

    MJK allein funktioniert nicht! Erst in Verbindung mit Adam Jones Musik, hat das ganze Sinn ... eine musikalische Symbiose. Daher interessiert mich Pucifer mal gar nicht! A perfect Circle ist auch eher "mau"!

    Gruß ...
    ... VV6 »):

    ich würde jetzt einfach mal unterstellen, dass danny carey mindestens genauso wichtig ist bei tool.