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Am 24. Mai feiert Onkel Bob Geburtstag. Genau weil er nie als Protest-Sänger gelten wollte, widmen wir ihm eine klingende Dagegen-Werkschau.
Stuttgart 21 (laut) - "Ein Protestlied oder auch Protestsong ist ein Lied, das sich gegen eine Autorität richtet und meist soziale oder politische Missstände thematisiert", meint Wikipedia.
Der Musiker als Narr, der der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Das gibt es schon sehr lange. Auch in der modernen Zeit nehmen sich Künstler wichtiger politischer oder allgemein zeitgenössischer Themen an und verpacken diese mehr oder minder geschickt in Töne. Bob Dylan dürfte wohl der erste Superstar sein, den man mit dem Attribut des Protestsängers in Verbindung bringt, auch wenn er selbst keinen Bock auf Bezeichnungen dieser Art hatte.
Aber wie meinte er selbst noch: "The Times They Are A-Changin'". Und so gesellen sich neben dem Jubilaren noch 24 weitere Interpreten in unsere Liste. Wir präsentieren unter Protest:
Ein Protestsong gegen Protestsongs darf natürlich in so einer Liste nicht fehlen. Sind wir mal ehrlich: Das ganze Rumgejammere und –geweine nervt doch gewaltig. "Das Ozonloch geht mir am Arsch vorbei, doch überall verfolgt mich euer Hippie-Geschrei. Meine armen Ohren, sie könn' sich nicht wehren." Aber echt! Lustig allerdings, dass gut und gerne noch zwei, drei echte Protestsongs der Ärzte in diese Liste reinpassen würden.
Spaß - gerne. Inhaltsleere - niemals. Die Beginner verorten ihre Wurzeln nicht umsonst in der Punk-Szene. Vor politischen Statements schreckten die Hamburger Jungs noch nie zurück. Gründe, bestehenden Strukturen ans Bein zu pissen, finden sich im Land der Stammtische, Schnauzbärte und Sicherheitsdienste reichlich. Und doch ist noch nicht aller Tage Abend, denn: "Manche haben Scheinwerfer, und die haben 120 Kilowatt." Also: Weiterstrahlen und das Feuer am Brennen halten!
In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2000 prügelten Faschos in Dessau einen Mann derart zusammen, dass er wenig später seinen Verletzungen erlag. Er hieß Alberto Adriano. Die "Letzte Warnung" der Initiative Brothers Keepers trägt seinen Namen, stellvertretend für die vielen anderen Opfer rechtradikaler Gewalt. Irgendwann sind die Grenzen der Toleranz nämlich erreicht: "Was wir reichen, sind geballte Fäuste, keine Hände."
"Warum sind ich und meine ganze Generation so depressiv?" Angesichts des düsteren Bildes, das Feuermelder Samy Deluxe von der Gegenwart zeichnet: "Wir haben miese Karten, regiert von Psychopathen / Verwaltet von Bürokraten, die keine Gefühle haben / Kontrolliert von korrupten Cops, die oft Sadisten sind / Verdächtige suchen nach rassistischen Statistiken / Gefüttert von Firmen, die uns jahrzehntelang vergifteten / Informiert durch Medien, die's erst zu spät berichteten." Kein Wunder! "Für die Alten: Darum rauchen wir täglich Weed / Und deshalb sind ich und meine ganze Generation so depressiv."
Immer noch rotten sich mehrmals im Jahr die ewig Gestrigen zusammen, schwenken Fahnen und bestärken sich selbst in ihrem Irrglauben. Beschränkt und lernresistent, doch deswegen nicht minder gefährlich. Wehret den Anfängen, findet Nosliw: "Es darf nie mehr passieren, dass Faschos je marschieren. Wir kommen vorbei, um eure Demorouten zu blockieren." Recht so. Und jetzt alle: "Nazis rau-au-au-au-aus, haltets Maul! Keiner will euch Wichser hier! Keinen Meter wird marschiert!"
Ein kurzes und eindingliches Statement von Chumbawamba gegen sexuelle Diskriminierung. "Homophobia, the worst disease. You can't love who you want to love in times like these" ist leider immer noch ein aktuelles Thema.
Briefe seines Bruders Frankie, der im Vietnam-Krieg diente, öffneten Marvin Gaye die Augen. Statt sich weiterhin auf seinen Schmusesänger- und Sexsymbol-Lorbeeren auszuruhen, setzte er seinen Kopf durch und veröffentlichte gegen den erklärten Willen von Motown-Boss Berry Gordy ein explizit politisches Album. "What's Going On" beleuchtet neben dem zweiten Indochinakrieg auch die Verhältnisse in Gayes amerikanischer Heimat - die insbesondere die schwarze Bevölkerung treffende Diskriminierung, Armut und Drogenprobleme, nämlich. Der Titeltrack eröffnet eine Platte, die exakt 40 Jahre nach ihrer Veröffentlichung ungebrochen berührt, aufrüttelt - und stellenweise gruselig prophetisch erscheint. Etwa wenn Marvin Gaye singt: "Father, father. We don't need to escalate. You see war is not the answer for only love can conquer hate."
Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder ist nicht erst seit der Öl-Katastrophe am Golf von Mexiko bekannt dafür, dass er Dinge beim Namen nennt. So geschehen auch 2006, als er von der Visage George W. Bushs mal wieder genug hatte. "It's a shame to awake in a world of pain / What does it mean when a war has taken over", bellt er den Ex-Präsidenten für dessen Ja zum Krieg im Irak an. Stone Gossard sorgt für die nötige Aggressivität an der Gitarre.
"Gotta give us what we want / Gotta give us what we need / Our freedom of speech is freedom or death / We got to fight the powers that be." Eigentlich bedürfen Zeilen wie diese keiner Erläuterung. Bei Public Enemy betont man dennoch: "In 'Fight The Power' geht es nicht darum, Autoritäten zu bekämpfen. Es geht um den Kampf gegen den Missbrauch von Macht." "What we need is awareness": ein zeitloses, von dem mächtigen Loops- und Sample-Orgien des Bomb Squad ebenso zeitlos in Szene gesetztes Anliegen, deswegen: "Let me hear you say: Fight the power!"
"Clampdown" (auf Deutsch: "hartes Durchgreifen") findet sich auf The Clashs berühmtestem Album "London Calling" und ging als einer der berühmtesten Anti-Nazi-Songs in die Musikgeschichte ein. Gleichwohl bestätigte Joe Strummer diese Deutung nie. Man kann die Lyrics genau so gut etwas freier und damit als Beleg für das Versagen der kapitalistischen Gesellschaft lesen. Eine Haltung, die selbstverständlich aus der kompletten Diskographie von Strummers Band leuchtet.
"War. What is it good for? Absolutely nothing!" Eigentlich schrieben Norman Whitfield und Barrett Strong ihr wahrhaft unmissverständliches Anti-Vietnamkriegs-Statement 1969 für die Temptations. Die sangen die Nummer auch das eine oder andere Mal. Als Single wollte man ein solch heißes politisches Eisen dann aber doch nicht veröffentlichen, Man fürchtete, einen Teil seiner Fans zu verprellen. Edwin Starr hatte weniger Bedenken - oder war schlicht von der Richtigkeit und der Notwendigkeit der Aussage überzeugt. Deswegen: "Say it again!"
Die bereits 1979 gegründete Band prägte die deutsche Punk-Szene sehr stark. Alles, das mit dem Staat, der Polizei und ganz besonders Nazis zu tun hat, beschimpfen Slime mit massen- und radiountauglichem Garagen-Punk der frühen Tage. "Wir brauchen keine Wehrmacht, wir brauchen keine Bullen. Politik ist scheiße, wir lassen uns nicht einlullen!" Punk wie er sein muss: dreckig, unbeliebt und rotzig!
"There's an urgent need to feed", keift Sänger Greg Graffin in Richtung stinkreicher, geldgeiler Sesselfurzer die sich am Elend der Gesellschaft bereichern. "Let them eat war", um ihnen das Maul zu stopfen. Bad Religion sind zwar inzwischen im Opa-Alter, haben aber in den 80er Jahren Meilensteine in der Punkszene gesetzt. Der Frontmann ist mittlerweile ein klein wenig vom Pfad abgekommen: Der in Zoologie promovierte Biologe hält Kurse an der Uni. Zudem wurde ein Vogelfossil nach ihm benannt: "Qiliania Graffini". Nun ist er in der Punkszene und in Vogelfossil-Kreisen unsterblich. Eine interessante Mischung ...
Kein Song um ihn auf Demos zu schmettern, aber definitiv ein Protestsong: Mit Jazz-Akkorden, Klavier und Kontrabass singen Radiohead gegen Regierungen und deren korrupte Machtapparate, die die Bevölkerung mit Staats- und Polizeigewalt unterdrücken.
Als George W. Bush 2001 zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde, rollte eine große Protestwelle durch die Musikwelt. Vor allem sein "War On Terror" und die damit verbundenen Militär-Aktionen in Afghanistan und dem Irak brachten die Musiker-Vereinigung "Axis Of Justice", mehrere "Rock Against Bush"-Compilations und jede Menge Anti-Kriegs- und Anti-Bush-Songs zustande. Einer davon ist "Boom!" von System Of A Down, das sich gegen die Bombenangriffe der Amerikaner richtet: "4.000 hungry children leave us per hour from starvation, while billions are spent on bombs, creating death showers."
Refused sind wahre Revoluzzer. Das Über-Album der Schweden "The Shape Of Punk To Come" mixt in noch nie dagewesener Form Hardcore, Punk, Elektro, Klassik und Jazz. Die Platte hat außerdem kein Booklet im eigentlichen Sinne, es ist mehr ein anti-kapitalistisches Manifest ("Capitalism is indeed organized crime"). "Protest Song '68" besitzt nicht nur ein wahnsinnig abgefahrenen Drum-Beat, sondern bezieht sich auf das Revolutions-Jahr schlechthin und den italienischen Anarchisten Malesta. Gehts noch aufrührerischer?
Jello Biafras Dead Kennedys sind so etwas wie die Essenz der Protest-Punkrocker. Ein Blick auf den Bandnamen genügt. "California Uber Alles" wurde von Kaliforniens damaligem Gouverneur Jerry Brown inspiriert, Biafra lässt den verhassten Politiker eine faschistische Diktatur anführen und Andersdenkende mit Biogas töten. Der unsterbliche Punkfeger ist eine allgemeingültige Anklage gegen sämtliche radikalen, Minderheiten gefährdenden Meinungsmacher.
Mit diesem Song schlug die Isländerin der chinesischen Regierung bei ihrem Konzert in Shanghai unerwartet heftig ins Gesicht. Zum Ende ihres Auftritts rief Björk mit "Tibet" den Namen der Himalaya-Region ins Publikum, die seit 60 Jahren von China besetzt wird und ließ ein "Raise your flag!" ("Hisst eure Flagge") folgen. Auch ohne diesen Background ein unzweideutiger Claim für Selbstbestimmung.
1988 erschütterte eine Hand voll niggaz with attitude die US-amerikanische Hip Hop-Landschaft (eine andere existierte zu diesem Zeitpunkt ohnehin noch nicht). Die beispiellos unverblümten Schilderungen der Zustände auf den Straßen von South Central L.A. stießen so manchem sauer auf: In der rotzigen Protest-Kundgebung "Fuck Tha Police" meinte man, Aufrufe zum Mord an Ordnungshütern zu entdecken. Das FBI trat auf den Plan und verlangte, die Nummer umgehend vom Markt zu nehmen. Ruthless veröffentlichte den entsprechenden Brief der Behörde und katapultierte N.W.A. damit in die nationalen Nachrichten: vermutlich die wirksamste Werbemaßnahme in der Rap-Geschichte. Unzählige Kollegen, darunter Bone Thugs-N Harmony, Soulfly oder Rage Against The Machine, coverten die Nummer. Das Original aber stammt straight outta Compton.
"You can fool some of the people all the time and all of the people some of the time. But you cannot fool all of the people all the time." Aus diesem Ausspruch Abraham Lincolns, festen Überzeugungen und mindestens einer musikalischen Eingebung strickten Bob Marley und Peter Tosh Anfang der 70er eine Nummer, die fortan einen fixen Bestandteil nahezu jedes Marley-Konzerts bildete. "If if you know what life is worth you will look for yours on earth and now you see the light: Stand up for your rights!"
Nein. The hardest working man in show business war wahrlich kein Mann der leisen Töne. Deswegen schrieb James Brown 1968 der Black Power-Bewegung eine Hymne, höllisch funky, bei der allein schon der Titel Bände spricht. Unzählige Hip Hop-Musiker, darunter Eric B. & Rakim, LL Cool J, die 2 Live Crew, EPMD, Gang Starr und Cypress Hill, sampleten die Nummer.
Dies ist so etwas wie die Mutter aller Protestsongs. Bereits im Jahre 1903 von einem gewissen Pfarrer Charles Albert Tindley getextet, erregt "We Shall Overcome" reichlich Aufmerksamkeit in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Nach dem zweiten Weltkrieg hilft es schwarzen Frauen bei einem fünfmonatigen Streik in South Carolina gegen die American Tobacco Company. Seitdem trägt sich der Song durch Mundpropaganda fort und avanciert bald zu einer Art Thema der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den US-Südstaaten. Verschiedenste Musiker nahmen "We Shall Overcome" in teils leicht abweichenden Textfassungen auf, darunter Joe Glazer & The Elm City Four, Laura Duncan & The Jewish Young Singers - oder eben Pete Seeger.
DER Song gegen alles, das von rechts kommt, unfair oder menschenverachtend ist. DIE Lead-Single vom selbstbetitelten Debüt-Album mit DER Killer-Line schlechthin: "Some of those that work forces are the same that burn crosses!" Damit sind vor allem Ku Klux Klan-Anhänger in den Reihen der Polizei gemeint. Die Riffs zersägen, der Bass scheppert und die Drums drücken. Wenn dann noch Sänger Zack de la Rocha "Fuck you, I won't do what you tell me! MOTHERFUCKER!!!" schreit, entsteht der perfekte Protest-Song!
"You will not be able to stay home, brother. You will not be able to plug in, turn on and cop out." 1970 rappte Gil Scott-Heron zu Percussion-Begleitung seine Sicht auf die fest in weißer Hand befindliche Medienlandschaft - zu einer Zeit, als Hip Hop noch nicht einmal am Horizont herauf dämmerte. Seine eindringliche Spoken Word-Performance, sein furioses Spiel mit (einst) allgegenwärtigen Werbeslogans wurde von unzähligen Kollegen wieder und wieder verwendet und zitiert. Zeitlos gültig stehen seine Worte auch vier Dekaden später noch da. Ihre Auswirkungen können Kameras und Mikrofone eventuell einfangen. Die eigentliche Revolution muss in den Köpfen stattfinden. "The revolution will be no re-run, brothers. The revolution is live."
In den frühen 60ern schrieb Bob Dylan viele Protestsongs, die heute als Klassiker des Genres gelten. Manche beklagen eher philosophisch den Lauf der Welt wie "The Times They Are A-Changin'" oder "Blowin' In The Wind", andere warnen vor konkreten Gefahren wie dem Fall Out nach einem Atomkrieg ("A Hard Rain's Gonna Fall") oder alltäglichem Rassismus ("Hurricane", "Oxford Town"). In "Masters Of War" prangert Dylan zur Melodie eines irischen Traditionals das Wettrüsten des kalten Krieges an. Doch seine Warnung vor der Macht und Skrupellosigkeit des militärisch-industriellen Komplexes ("And I hope that you die / And your death'll come soon") hat bis heute nichts an Aktualität verloren.
Erfreulich gute Liste, auch wenn vieles drin ist, was ich primär nicht als Protestsong aufgreifen würde.
naja...wenn man an schlimmeres gewohnt ist, kommt diese hier Weltklassenmäßig rüber
es gibt so geile Protestsongs. Say it Loud I'm Black and I'm Proud von James Brown, Strange Fruit von Billie Holiday, Allentown von Billie Joel, Little Boxes von Malvina Reynolds, I ain't marching anymore von Phil Ochs, Another Brick in the Wall von Pink Floyd, I-Feel-Like-I?m-Fixin?-To-Die Rag von Country Joe McDonald und selbst 99 Luftballons von Nena.
Aber davon ist hier nix zu sehen. Stattdessen Brothers Keepers Adriano, Samy Deluxe weck mich auf und der unsägliche Grotesksong der verkapptesten Band der Welt. Ne oder? Da hätte man besser ne pure Dylan ProtestSong Liste machen sollen...
ja genau, drocc! eine sauerei, das "Say it Loud I'm Black and I'm Proud" nicht dabei ist.
so was aber auch. wie gemein.
atter-att-att-atter
Odin tog huvudet och
smorde det med örter
som hindrar det
från att ruttna
han kvad sedan
trollsånger över det
så att Mimer åter
kunde tala till honom
...ich hab da erst gestern wo gesehen, da gibs eine Menge Wissenschafter die Bücher über den schreiben und sogar Kongresse und so abhalten.....
ich glaube, wenn du als Musiker einmal Prüfungensfrage in der Schule bist, hast du es vielleicht geschafft, aber R.u.R. usw. ist das alles nicht mehr........
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