laut.de-Kritik

Gut gemeint, mau geworden.

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Die Idee ist interessant: Ein Album mit den Fans zusammen, für Fans gemacht. Dafür nahm Prinz Pi auf seiner "Kompass Ohne Norden"-Tour in jeder Stadt einen Song mit breiten Publikumseinlagen auf.

Und der Unterschied zu gelungenen Live-Alben liegt leider genau in dieser Grundidee. Während andere Interpreten - zumindest scheinbar - völlig ungezwungen aufnehmen, weist Pi während der Aufnahme immer wieder auf das Projekt hin. Das ist schade, denn "Nee nee nee, noch gehts nicht los. Ihr habt noch 'n bisschen Zeit" oder "Ich mach' das ganz professionell, ich zähl' euch rein, wie im Studio" in "Kompass Ohne Norden", lassen das Konzert noch inszenierter wirken als es sowieso schon ist.

Ob 2.500 in Leipzig, 3.300 in Berlin oder 450 in Konstanz, die Größe des Publikums macht keinen großen Unterschied: Man versteht größtenteils sowohl das Publikum aber stellenweise auch Pi selbst nicht wirklich gut. Das dürfte weniger an der Stimmung als vielmehr an der Aufnahmequalität liegen, wie etwa "Säulen Der Gesellschaft" zeigt.

Ende "Blut Alles Blut" in Nürnberg zeigt, dass es gar nicht so einfach ist diese Live-Idee auch durchzuziehen. Wer fragt "Wollt ihr mal 'n bisschen rappen?", und nach nicht mal zwei Sätzen wieder einsteigt, gesteht sich genau das selbst ein. Auf der anderen Seite war das an dieser Stelle auch nötig, da das Publikum eh kaum zu verstehen ist, und der Part ansonsten nur aus undefiniertem Chorgesang besteht.

'Pi gut, Publikum nicht zu verstehen' hat man unter anderem auch bei "Schwarze Wolke", "Asoziale Kontakte" oder "Unser Platz". Alle Songs haben dagegen eine Sache gemeinsam: gute Instrumentals, egal ob von Schlagzeug, E-Gitarre oder Synthies. Besonders in "Schiefe Pyramide" reißt die Band da einiges raus.

Mit auf "Kurs Nach Hause" liefert Prinz Pi dazu einen Bonustrack, der als einziges Stück auf der Platte keine Konzert-, sondern eine Studioaufnahme darstellt. Der Beat erinnert stellenweise an eine 90er-Popballade, während Pi selbst solides und vom Text her ruhiges, nachdenkliches Storytelling betreibt. Instrumentell ein wenig knackiger gehts in der Hook zu, wobei man schon fast Refrain sagen müsste.

Der Track ist auf der Platte geschickt positioniert und wirkt allein schon mit dem Titel als ruhige Insel zwischen all den Live-Wellen. Dazu passt auch "Liebe doppelt so stark, für die Hälfte der Leute, der Herbst von gestern ist warm gegen die Kälte von heute" - eine schöne Stelle. Die beste Aufnahme bleibt der am Schluss gesetzte Klassiker "Keine Liebe" - was bei 18 Tracks dann doch zu wenig ist.

Insgesamt gut gemeint, aber nicht gut geworden. Die Stimmung auf den Konzerten war sicher super: Die Aufnahmen sind aber zum größten Teil, sowohl auf Kopfhörern als auch auf großen Lautsprechern, kaum anzuhören. Das wäre auch besser gegangen. Der CD liegt noch eine DVD sowie ein Booklet im Kopierstil mit Stageselfies von jeder Bühne der Tour bei.

Trackliste

  1. 1. Fähnchen Im Wind
  2. 2. Moderne Zeiten
  3. 3. Kompass Ohne Norden
  4. 4. Frühstücksclub Der Toten Dichter
  5. 5. 100X
  6. 6. Glück
  7. 7. Säulen der Gesellschaft
  8. 8. Rost
  9. 9. Ende Blut Alles Blut
  10. 10. Schwarze Wolke
  11. 11. Asoziale Kontakte
  12. 12. Die letzte Ex
  13. 13. Unser Platz
  14. 14. Schiefe Pyramide
  15. 15. Dumm
  16. 16. Auf Kurs Nach Hause
  17. 17. Laura
  18. 18. Keine Liebe

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