laut.de-Kritik

Zwischen Geniestreich und plumper Hausmannskost.

Review von

Im vergangenen Jahr meldete sich Prince überraschend mit einem Album-Doppelschlag ("Art Official Age", "PlectrumElectrum") zurück. Das Multi-Genie mit dem Über-Ego hatte es allen Zweiflern gezeigt. Da ging noch was. Prince hatte noch lange nicht fertig.

Ein Jahr später stolpern wir nun schon wieder über ein Klangpaket des Soundvirtuosen aus Übersee. Bekommt der Gute jetzt Oberwasser? Will er im Herbst seiner Karriere noch einmal allen beweisen, dass der Kleinste im Biz immer noch zu den Größten gehört? Oder übernimmt sich Prince mit seinem dritten Longplayer in zwölf Monaten?

Recht schnell wird klar: Bei "HITnRUN Phase One" handelt es sich keineswegs um einen musikalischen Schnellschuss. Das Teil groovt wie Hölle – zumindest phasenweise. Vor allem im ersten Drittel flitzt der Funk-Derwisch wie in guten alten Zeiten über den Dancefloor.

Mit Judith Hill, Rita Ora und Curly Fryz im Schlepptau nimmt er die Gegenwart in den Schwitzkasten ("Million $ Show", "Shut This Down", "Ain't About 2 Stop", "Like A Mack"). Und die ringt ganz schön nach Luft, wenn der Maestro zudrückt. Da helfen auch keine zahllos eingestreuten Effekte, pumpende Industrial-Beats und Synthieflächen aus dem Düster-Discounter. Wenn Prince auf seinem mittlerweile über dreißig Jahre alten Funk- und R'n'B-Fundament auf und ab hüpft, steht der Rest am Rand und guckt zu. Vor allem das alles niederwalzende "Shut This Down" drängt sich mit ausgefahrenen Ellenbogen in den Vordergrund. Geprägt wird der Song von des Sängers nasal röchelnder Stimme.

Im Anschluss gerät der Motor allerdings ins Stottern. Eine schmuseweiche Allerweltsballade namens "This Could B Us" und ein zielloser Ausflug in Radio-Pop-Welten ("Fallinlove2nite") wirken im Vergleich zu den bissigen Soundterriern der Anfangsminuten wie kleine noch nicht ganz stubenreine Welpen. Mit knarzigem Background und Falsetteinlagen aus dem Archiv bringt Prince aber pünktlich zur zweiten Albumhälfte wieder alles zum Laufen ("X's Face").

Knappe drei Minuten stiftet ein wirr gezündetes, instrumentales Feuerwerk jedoch abermals Verwirrung ("Hardrocklover"). Es geht jetzt hin und her. Gut gegen böse, Licht gegen Schatten, Tyson gegen Schulz: Im Minutentakt hüpft das Albumfinale von einem Extrem zum anderen.

Während sich Prince ein weiteres Mal als Stimmwunder präsentiert ("1000 X's & O's"), tapst Englands Soul-Blümchen Lianne La Havas, umgeben von lieblos Aneinandergereihtem, weitestgehend im Dunkeln ("Mr. Nelson"). Für die drei Sprechzeilen hätte man auch den Studiopförtner vors Mikrofon zerren können.

"June" macht dann den Deckel drauf. Zum Abschied serviert er plumpe Hausmannskost ohne Nachtisch. Wie ein Kaugummi zieht der Hauptverantwortliche leblosen Sphären-Pop in die Länge. In Hall getränkte Fingerschnipser, wabernde Orgelklänge und ein hörbar gelangweilter Sänger machen das Licht aus. Schade eigentlich. "HITnRUN Phase One" hätte eine richtig geile EP werden können.

Trackliste

  1. 1. Million $ Show
  2. 2. Shut This Down
  3. 3. Ain't About 2 Stop
  4. 4. Like A Mack
  5. 5. This Could B Us
  6. 6. Fallinlove2nite
  7. 7. X's Face
  8. 8. Hardrocklover
  9. 9. Mr. Nelson
  10. 10. 1000 X's & O's
  11. 11. June

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LAUT.DE-PORTRÄT Prince

Wenn jemand nach dem Unterschied zwischen Soul und Funk fragt, genügen als Demonstration zwei Songs: "Let's Stay Together" von Al Green - und "Sexy Motherfucker".

3 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Prince ist wohl der einzige Mensch auf diesem Planeten, der weiterhin "2" statt "to" benutzt. Wenn er jetzt noch die formale Logik für sich entdeckt, kommen große Werke auf uns zu, "2B v ¬2B" zum Beispiel.

  • Vor 2 Jahren

    Ach, so ziellos finde ich den Radio-Pop-Ausflug gar nicht. "Fallinlove2nite" toppt problemlos 40% der üblichen Radio-Mucke... groovt schön. :D
    Und auch vom Track "Mr. Nelson" bin ich eher beeindruckt - kurz und experimentell.
    Da kann auch gern eine Phase Two nachgereicht werden :)

  • Vor 2 Jahren

    Sicherlich kann man von Prince nichts Neues mehr erwarten, dennoch aber ist auf seinen Funk Verlass. Er ist und bleibt aussergewöhnlich. Schon jetzt eine Legende. Meine Highlights sind This could be us ( besser als das Original ) 1000Xs und die knochentrockenen Funkteile zu Anfangs. Mr. Nelson hätte er sich sparen können und Don't fall in Love tonite ist schnell platt gehört. Alles in allem bin ich zufrieden.