laut.de-Kritik

Die Crossover-Supergroup debütiert mit Schaum vorm Mund.

Review von

Spätestens seit dem bahnbrechenden "Judgment Night"-Spektakel aus dem Jahr 1994 weiß man, dass sich die Herren von Cypress Hill auch in metallischeren Gefilden durchaus wohl fühlen. Dieser Tage steht diesbezüglich vor allem B-Real im Rampenlicht, der gemeinsam mit seinem Rhymes-Kollegen Chuck D und dem instrumentalen RATM-Fundament (Tom Morello, Tim Commerford, Brad Wilk) unter dem Prophets Of Rage-Banner für reichlich Aufsehen sorgt.

Aber auch der zweite Cypress Hill-MC Sen Dog träumt seit Jahrzehnten von einer musikalischen Nebenbaustelle, auf der satte Gitarren und scheppernde Drums den Ton angeben. Zusammen mit den Crossover-Weggefährten Billy Graziadei (Biohazard), Rogelio Lozano (Downset), Christian Olde Wolbers (Ex-Fear Factory) und Worst-Drummer Fernando Schaefer kommt Sen Dog nun mit einer Genre-Supergroup um die Ecke, die ihrem Bandnamen alle Ehre macht.

Mit einer satten Power meets Flow-Mixtur im Gepäck schießen die fünf Branchen-Veteranen von Beginn an aus allen Rohren. Der Sound hämmert metallisch und wuchtig aus den Boxen. Leute, die ein Projekt im Windschatten des zweiten Body Count-Frühlings erwarten, schlackern bereits nach wenigen Sekunden des Openers "My M.O." mit den Ohren. Hier geht's definitiv noch eine Spur heftiger zur Sache.

Zwischen den Klang-Trademarks von Biohazard und Agnostic Front pendelnd, zimmern die vier Background-Krachmacher ihrem rappenden Frontmann ein metallisch funkelndes Hartholz-Brett, auf dem sich der bitterbös rappende Chef im Ring nach Lust und Laune austoben kann.

Sen Dog hat hörbar Spaß an seiner neuen Rolle als Gift und Galle spuckender Crossover-MC. Nicht ganz so markant wie sein CH-Buddy B-Real, aber dafür wesentlich kantiger im Groove schnatternd, mimt der Mann an vorderster Front das breitbrüstige Gang-Oberhaupt.

Erwartungsgemäß klebt all das "Böse" dieser Welt auf Sen Dogs Zielscheibe. Polizeigewalt, korrupte Politiker, das alltägliche Elend auf den Straßen von South L.A.: Sen Dog nimmt kein Blatt vor den Mund. Und während sich das kubanische Energiebündel all den Rotz von der Seele rappt, legt die Crew im Hintergrund ein Dezibel-Feuer nach dem anderen.

Das vertrackt polternde "Resistance", die punkig angehauchte Moshpit-Hymne "Crushing That", der mit wütenden Shouts befeuerte Hüpfer "The Grind", der finale Rap-Metal-Headbanger "Start A War": Jeder Track zielt voll auf die Zwölf. 35 Minuten lang treten die Verantwortlich aufs Gaspedal und gönnen sich dabei nur ganz selten eine kurze Verschnaufpause: Ein wahres Sound-Fest für Freunde von Limp Bizkit, Linkin Park und Papa Roach.

Trackliste

  1. 1. My M.O.
  2. 2. Resistance
  3. 3. Where I Stay
  4. 4. Crushing That
  5. 5. Less Than A Human
  6. 6. The Grind
  7. 7. Victim Of Circumstance
  8. 8. Made It This Way
  9. 9. Finish The Game
  10. 10. Up And Out Of Me
  11. 11. Start A War

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2 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    standen ja selbst die laten biohazardalben noch besser im futter als das halbgare gedöhns hier, 2/5.

    • Vor 2 Monaten

      Findste? Muss ja sagen, dass mich die Review beinahe neugierig gemacht hat... Live gingen Biohazard mir 2015 nochmal gut rein und Lozanos Schaffen bei downset find ich (insbesondere auf "Check your people") bis heute tadellos.

      Gerade diese beiden Bands hatten für mich immer eine "Sonderstellung" aufgrund ihres Sounds und Stils im Vergleich zu ihren peers des damaligen (NY)-Hardcore...

      Allein: Der Rahmen ist im Crossover so eng gesteckt und darin auch seit 20 Jahren jedes Fleckchen bereits bunt ausgemalt, daher schreckt's mich trotz lbender Worte des Rezessionenten auch noch bissl ab...

    • Vor 2 Monaten

      Jetzt hätte ich es auch fast mal ausgecheckt nach der Rezi, danke für die Warnung Effa.

    • Vor 2 Monaten

      Biohazard gehen immer. Ich hätte hier tatsächlich auch Minimum 3/5 gegeben.
      Ich habe den Leak gehört. Fands gut. Also verglichen mit dem, was die sonstige rapcore Prominenz dieses Jahr bisher abgeliefert hat. Klar sind große Namen, die hinter Erwartungen zurückbleiben. Aber so nüchtern betrachtet ohne zu wissen wer dahinter steckt... gehen 3/5 schon klar

    • Vor 2 Monaten

      Seh ich ähnlich wie torque, allein der keifende Billy, der alte "Straight Edge Anchor", hat sich das Reinhören meinerseits über die Jahre redlich verdient.

    • Vor 2 Monaten

      bei biohazard und downset geh ich mit euch definitiv d'accord.
      letztens erst noch wieder die "urban discipline" gehört, welche erstaunlich gut gealtert ist wie ich finde. könnte man auch eigentlich mal nen meilenstein fürs genre hüpfcore springen lassen.
      powerflo aber gibt mir nix. ist halt 1000 mal gehörtes und verfügt für mich ausser den bandmitgliedern über keinerlei herausstechende eigenschaften.

  • Vor 2 Monaten

    Meh. Ich finde, Cypress Hill hat eh nie in die Nu Metal-Szene gepasst, nur weil sie weiß sind... da bin ich lieber Insane In The Brain...