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Aufgewachsen im Londoner Problemviertel Forrest Gate, prügelnde Stiefväter, Alkoholismus, Drogenvergangenheit. Das ist der Stoff, aus dem Plattenfirmen ihre Sternchen formen. Plan B ist eines davon. Und doch irgendwie völlig anders.
Als Ben Drew sein Debüt veröffentlicht, geht ein Aufschrei durch den konservativen Teil der britischen Gesellschaft. Plan B erdreistet sich, in "Kidz" über den Mord an Damilola Taylor aus Sicht der Täter zu rappen. Taylor war 2000 im Alter von elf Jahren von kaum älteren Jungs auf offener Straße erstochen worden. Ein ganzes Land verfällt in Trauer und Wut.
Männer wie der spätere Premierminister David Cameron reagieren allzu reaktionär, ohne zu hinterfragen: Ein Verbot muss her. Das Gros der Kritiker und Fans interessiert diese Meinung herzlich wenig, "Who Needs Action When You Got Words" avanciert zum Underground-Hit. Ein weißer Junge aus dem sozialen Wohnungsbau, der mit einer Gitarre auf der Bühne steht und rappt. Parallelen zu Eminem sind schnell gezogen.
"Ich sehe Musik als Musik. Bezüglich der Gitarren-Sache dachte ich: 'Wieso eigentlich nicht?' Je weiter ich damit ging, desto mehr bemerkte ich, dass die Leute davon geschockt sind. Das hat mir diese ganze Presse beschert", erzählt er der BBC. Rage Against The Machine, Kurt Cobain und The Prodigy seien seine Einflüsse. Allesamt Künstler, die für ihren ganz eigenen, persönlichen Stil stehen.
Die Gitarre ist sicher ein Punkt für Drews steigende Bekanntheit, es gibt derer jedoch mehrere: Zum einen ziehen sich Schimpftiraden derart durch die Platte, dass sie wie das Morsealphabet klänge, würde man die Kraftausdrücke auspiepen.
Zum anderen spiegelt der Titel des Albums, ein Zitat aus dem Meat Puppets-Cover und Nirvana-Klassiker "Plateau", nicht gerade Ben Drews Lebensmotto wider: Saufgelage, Drogenbesitz, Schlägereien sind mehr oder weniger an der Tagesordnung. Die Delikte summieren sich, bis die Gerichte durchgreifen. Eine Bewährungsstrafe und die Verpflichtung, ein Anti-Aggressions-Training zu absolvieren, sollen den Londoner zur Räson bringen.
Mit Erfolg, er habe die Wut, die ihn lange Zeit antrieb, im Griff, erzählt er dem Spiegel anlässlich der Veröffentlichung seiner zweiten LP "The Defamation Of Strickland Banks". Es ist ein Soul-Album der alten Schule, wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Und der dritte Aspekt seiner Bekanntheit: Ben Drew ist musikalisch wie textlich wandelbar und ein Geschichtenerzähler wie kaum ein Zweiter.
Das Konzeptalbum über den unschuldig verknackten, fiktiven Soulstar Strickland Banks wird zum Megahit auf der Insel. Monatelang führt die Platte die britischen Charts an, bevor der Erfolg langsam Richtung Resteuropa schwappt. Die Feuilletons sind voll des Lobs. Alle Welt fragt sich, wie aus dem wüsten Rapper in kurzer Zeit ein gefühlvoller Soulsänger werden konnte.
"Ich bin halt mit dem Talent gesegnet, Musikstile zu verstehen und perfekt zu absorbieren. Als Teenager habe ich Soul entdeckt, aber dann kam Hip Hop dazwischen. Vor allem erzähle ich gern Geschichten, und Musik liefert mir dazu den Hintergrund, das muss eben nicht unbedingt Soul sein." Zudem habe er bereits als Jugendlicher massenhaft R'n'B-Liebeslieder geschrieben, diese jedoch nie veröffentlicht.
Nebenbei verschafft ihm die Gabe, sich in unterschiedliche Charaktere glaubhaft hineinversetzen zu können, einige Filmrollen. 2009 stellt er in "Harry Brown" sogar neben Michael Caine einen der Hauptcharaktere dar. Natürlich mimt er den Bösewicht.
Im realen Leben bleibt Plan B allerdings Ben Drew. Im ZDF-Kulturmagazin Aspekte entgegnet er unverhohlen, provokativ, undiplomatisch und authentisch auf die Kritiker, die ihn mittlerweile feiern, wenige Jahre zuvor jedoch noch als zornigen weißen Jungen aus der Unterschicht belächelten: "Danke, dass ihr meine Platte liebt, schön, dass ihr meine Fans seid. Aber fickt euch."
Über Riots, Olympia und "Ill Manors".
Der Soul ist tot, es lebe der Hip Hop. Zwei Jahre nach "Strickland Banks" ist Plan B zurück, und der Schreck der Conservative Party rappt wieder: über die Riots, Englands Abgründe, das Ungleichgewicht der Klassen.
Im Gespräch mit laut.de nimmt der Londoner Stellung zu seinen politischen Ansichten und zum Einfluss der Olympischen Spiele auf den Zustand der britischen Gesellschaft. Er scheint das größte Sportereignis weniger zu mögen als Peter Fox, als dessen Fan und Bewunderer er sich entpuppt. Damit steht der Berliner in einer Reihe mit Pharcyde und dem Wu-Tang Clan. Kein Zufall, dass keiner der Genannten den verhassten Pop-Rap macht.
Ben, lass mich mit einer Standardfrage beginnen: Wie geht es dir?
Mir geht es gut.
Ich frage das nicht ohne Grund: Als ich "Ill Manors" gehört habe, hatte ich zu Beginn das Gefühl, dass du sehr zornig bist. Am Ende war ich mir nicht mehr sicher, ob es Ärger oder Depression ist. Verstehst du, was ich meine?
Ja, aber du musst das als Performance sehen. Wenn Tom Hardy einen Film dreht, porträtiert er einen Charakter, er porträtiert nicht, wie er sich fühlt. Da würdest du auch nicht sagen, er ist deprimiert oder zornig, aber er stellt das dar. Hier ist es nicht anders. Das Album kommt von einem Film, der sich zwar um eine fiktionale Story dreht, aber auf dem wahren Leben basiert. Die Songs handeln von den Charakteren der Story, ich erzähle von diesen Charakteren. Als Erzähler kommen natürlich meine persönlichen Meinungen durch, zudem musst du einen Song über eine bestimmtes Thema passend vorführen. Das heißt aber nicht, dass ich selbst deprimiert oder zornig bin. Es geht darum, dass der Song eine bestimmte Stimmung braucht, um eine Message rüberzubringen.
Es klingt vielleicht ein wenig albern, aber als ich das Album gehört habe, wurde ich in der Tat etwas zornig.
Gut so, du solltest dich darüber ärgern, was da draußen passiert. Was in den Gerichten passiert, ist nicht fair. Ich möchte das ebenso wenig sehen wie junge Leute, die auf den Straßen Londons randalieren, Schaufenster einschlagen und Geschäfte plündern. Ich möchte nicht sehen, was diese Monster schuf. Und ich will nicht sehen, dass die Regierung jeden Tag gar nichts tut, um das Leben dieser Leute besser zu machen und die Probleme zu stoppen. Abgesehen davon, sie ins Gefängnis zu stecken, wo es nur noch schlimmer wird. Ich möchte nicht sehen, wie junge Leute vernachlässigt und ignoriert werden. Genau das passiert auf den Straßen.
Ich habe in den letzten Wochen viel Olympia gesehen. London wirkte sehr sauber, alle waren glücklich, die Briten holten Gold-Medaille nach Gold-Medaille. Dein Album ist irgendwie das Gegenteil dieses Plastik-Londons, das wir im Fernsehen gesehen haben.
Es ist sehr unterschiedlich zu dem, was du im Fernsehen gesehen hast, weil Geld viele Dinge verschleiert. Dieses Land hat viele Schulden gemacht wegen der olympischen Spiele. Wir haben viel Geld ausgegeben, um die Straßen sauber und die Anwohner von den Spielen fern zu halten. Die Anwohner wurden von den Spielen verbannt, die haben den Kids nichts gebracht.
East London hat also gar keine Vorteile aus den Spielen gezogen?
Es ist jetzt zugegebenermaßen ein schönerer Platz zum Leben und zum Spazieren. Aber die Leben der Menschen, über die ich rede, sind immer noch gleich. In London leben die reichen Leute in direkter Nachbarschaft zu armen Menschen. Und du musst bedenken, dass die meisten Randalierer noch immer im Gefängnis sind. Die Riots waren eine tolle Sache für die Olympischen Spiele, weil damit all die Problememacher weggesperrt werden konnten. Die Regierung wusste genau, wo sie sind: im Gefängnis. Und so lange sie im Gefängnis sind, können sie auf den Straßen keine Olympia-Besucher ausrauben. Deswegen sah London so sauber und harmlos aus, wie du sagst.
Und als die BBC eine Dokumentation über die Riots zeigen wollte, hat die Regierung eine Verfügung erlassen. Das ist vorher noch nie passiert. Die BBC wird von den Bürgern finanziert, deswegen sollten sie jede Show zeigen dürfen, die sie wollen. Sie haben die Reportage über genau diesen Zorn gedreht, von dem auch meine Musik handelt. Die Regierung hat die Ausstrahlung verhindert, weil sie nicht wollten, dass die Reportage vor den Spielen ausgestrahlt wird. Soweit ich weiß, zeigen sie die Dokumentation jetzt nach den Spielen. Aber im Fokus der Spiele wollten sie das nicht haben.
Wenn du Geld hast, kannst du dir solche Dinge erlauben. Es erlaubt dir, Leute zu knebeln, so dass sie sich nicht wehren können, obwohl sie es wollen. Es erlaubt dir, Frieden in die Straßen zu bringen. Sie haben East London für zwei Wochen sicher gemacht, weil sie das Geld hatten, das zu tun. Das waren zwei Wochen. Jetzt wird es wieder so, wie es vorher war, mit Kriminalität und Prostitution. Sie drängten das zwei Wochen in den Untergrund, jetzt kommt es zurück.
Hast du das Gefühl noch immer Teil dessen zu sein, obwohl du spätestens seit "Strickland Banks" ein Popstar bist?
Ich werde immer ein Teil davon sein. Wenn ich meinen Mund aufmache, ist es das, was ich repräsentiere, das ist, was einige Leute in diesem Land in mir sehen. Sie haben mich akzeptiert, weil ich Soul gesungen habe. Jetzt wo ich wieder rappe sind sie keine Plan B-Fans mehr. Die Menschen in diesem Land akzeptieren dich, wenn du an Geld kommst. Wenn du dieses Geld verlierst, verstoßen sie dich wieder.
Mit "Strickland Banks" habe ich Geld verdient und wurde berühmt. Aber als ich entschieden habe, die Leute zu unterstützen, die ich repräsentiere, bin ich plötzlich wieder der Punk. Zumindest für die Leute mit dem guten Leben, der guten Bildung und dem Geld. In der einen Minute bin ich der good guy in der anderen wieder der bad guy. Ich kann nicht ändern, wer ich bin und ich werde nie verstecken, wer ich bin. Und ich kämpfe weiter für Gerechtigkeit.
Es hat sich mit Strickland Banks geändert, mit diesem Album hat es sich aber wieder zurück geändert. Erst war ich der weiße Rapper mit dem dreckigen Mundwerk, dann der talentierte Soulsänger. Jetzt bin ich vielleicht nicht mehr der schmutzige Rapper, aber der Rapper, der den Leuten unter die Haut geht. Ich bin der Rapper der aufsteht für die Leute, die keine Stimme haben. Und ja, es gibt viele, die das nicht mögen. Und genau darum geht es.
Die größte Mauer, die wir in diesem Land haben ist nicht Rassismus, es ist Klassismus: Wie viel Geld du hast, auf welche Schule du gehst, welche Klamotten zu trägst. Zu viel Materialismus und Konsumismus. Je schneller wir das ändern, desto besser können wir in unserem Land leben.
Das ist nicht eben ein schönes Bild, das du von der britischen Gesellschaft malst.
Ich rede ja nur über einen Teil, man kann nicht die ganze Zeit nur über die guten Dinge sprechen. Das ist die middle class-Mentalität: Lass uns nur über die guten Dinge reden, lass uns den Leuten nur die guten Dinge zeigen und verstecke die schlechten Dinge. Wenn du die versteckst, spricht keiner darüber, weil die Leute denken, es gibt keine Probleme. Und wenn es keine Probleme gibt, müssen wir nichts ändern, oder? Das ist in Ordnung für die Leute mit dem guten Leben, die genug Geld haben, um ihre Probleme zu verschleiern. Aber wenn du nicht genug Geld hast und niemand glaubt dir, dass du Probleme hast, weil jeder sie versteckt, bist du gefickt. Niemand wird deine Umstände und deine Situation ändern.
Deswegen sage ich: Nein, das ist, was wirklich passiert. Und glaube ruhig, dass das passiert. Denn die Riots sind geschehen. Und du kannst nicht sagen, ein Jahr nach den Riots sind die Probleme gelöst, weil die Kids alle im Gefängnis sind. Sie kommen da irgendwann wieder raus, sie werden nicht ihr ganzes Leben hinter Gittern sitzen. Die Riots sind noch immer am Leben, sie atmen immer noch.
Wenn ich also dieses Bild male, ist das in Ordnung, weil die Regierung das andere Bild malt. Sie sagen: Hey, wir hatten die Spiele hier, wir haben keine Kriminalität und haben alles toll gemacht. Sie malen ihre Bild, aber es ist nur eine Seite der Medaille. Es gibt immer schwarz und weiß und dazwischen grau.
Ist es nicht irgendwie komisch, solche Songs beispielsweise in Deutschland zu spielen, wo die Kids möglicherweise gar nichts davon verstehen und einfach nur dazu tanzen und feiern?
Ich habe keine Verantwortung für die Kids in Deutschland, ich bin dafür zuständig zu sagen, was in meinem Land geschieht. Ich sage, wie das Leben für manche Menschen in London wirklich ist, ich lüge nicht, wieso sollte ich? Soll ich die Wahrheit nicht sagen, damit die Kids in Deutschland, in Frankreich, in Spanien im richtigen Licht auf mein Land gucken? Soll ich es deswegen wie die middle class machen und die Probleme einfach verschweigen?
Wenn sich deine Eltern sexuell an dir vergreifen, werden sie es vor den Nachbarn vertuschen. Wenn du dich dann als Kind zu Wort meldest und deine Eltern an den Pranger stellst, stehen sie natürlich nicht gut da. Aber das liegt daran, dass sie nicht gut sind. Was ist wichtiger, dein Glück oder was die anderen denken? Je länger du wartest, desto schlechter geht es dir. Verstehst du?
Ja, ich bin da völlig auf deiner Seite. Lass uns die Politik mit einer letzten Frage abschließen: Was bedeutet der Ausdruck "Broken Britain" für dich?
Es ist ein Widerspruch, denn wenn Großbritannien jetzt zerrüttet ist, wann zur Hölle war es dann mal heil? Ich glaube nicht, dass man einfach so irgendwann sagen kann, Großbritannien ist jetzt zerrüttet. Es war schon immer so, das ist das Leben.
Wenn die Menschen vom Himmel sprechen, reden sie über einen Platz, an dem nichts schief geht. Jeder ist glücklich, niemand hat Ärger, es ist das Paradies. Wenn du von der Hölle spricht, geht alles schief, alles ist schrecklich, jeder ist unglücklich. Die Erde ist dazwischen, sie kann weder Himmel noch Hölle sein. Schlechte Dinge müssen passieren, damit du die guten wertschätzen kannst. Du brauchst beides, wenn du nur das Gute ohne das Schlechte hättest, würdest du nicht wissen, was gut ist.
Wenn du jetzt also sagst, Großbritannien ist zerrüttet, sagst du auch, dass es irgendwann einmal heil war. Das war es aber nie. Schau in die Geschichte oder guck dir einfach die Thatcher-Jahre an und damals die Situation der Bergarbeiter. War in Großbritannien damals alles gut? Oder schau dir Deutschland an, war in Deutschland alles gut, bevor die Berliner Mauer gefallen ist? Oder war es vorher schlechter und ist jetzt besser?
Man kann nicht von "Broken Britain" reden, denn es wird niemals anders sein, es wird immer Probleme geben. Deswegen sage ich: Es gibt kein "Broken Britain", wir sind nur pleite in Großbritannien ("There is no Broken Britain, we are just broke in Britain.", Anm. d. Red.) Für mich ist das nur Propaganda der Politiker, nicht mehr.
Ich hab das in Deutschland für mich entdeckt und war ein großer Fan des Songs und des Videos. Ich finde, dieses Sample macht süchtig. Und als ich einen Song über die Riots schreiben wollte, dachte ich, dass es das perfekte Sample wäre. In England kennt kaum jemand Peter Fox. Ich habe das nicht einfach geklaut, nur um es zu sampeln. Ich dachte: Da kann nur Gutes rauskommen. Mehr Leute lernen Peter Fox kennen, wenn ich das mache. Das ist der eine Grund.
Der andere Grund ist, dass es ein tolles Stück Musik ist. Für mich galt, dass ich es nur mit einer neuen Idee benutze. Ich wollte Peter Fox nicht einfach ins Englische übersetzen und ein Cover rausbringen. Und ich kann auch nicht einfach nur da sitzen, und meine Lines auf den Beat anpassen. Also habe ich es auf meine Weise gemacht. Ich habe die Drums geändert, eine neue Basslinie eingefügt und noch ein paar Sachen. Einen Teil haben wir auch nachgespielt.
Dadurch bringe ich Peter Fox ein Publikum, das er vorher nicht hatte. Auf YouTube gibt es so viele Leute, die sagen: Oha, das klingt wie Peter Fox. Und das ist großartig, denn ich respektiere und verehre ihn.
Ja, das ist toll, meiner Ansicht nach ist Sampling ohnehin kein Verbrechen. Du hast auch Referenzen zu Wu-Tang in "I Am The Narrator". Was bedeutet der Clan für dich?
Ich hab auch Referenzen zu Pharcyde im Song "Drug Dealer". Ich mag diese Referenzen an die Oldschool, denn wenn wir modernen Rapper das nicht machen, geht es verloren. Die neue Generation würde das nicht kennenlernen und ich finde es sehr wichtig, dass diese Generation weiß, wovon wir modernen Rapper beeinflusst sind. Wenn wir darauf nicht hinweisen, wächst die Generation auf und die Musik wird immer schlechter. Ich kann nicht verstehen, wie Hip Hop-Musik, die von dieser bewussten und starken Ebene kommt, langsam derart niedergemacht wird von Leuten, die einfach nur Platten verkaufen wollen mit diesem Pop-Rap. Das bricht mir das Herz. Ich hoffe, dass ich einer der Rapper sein kann, dem die Kids zuhören. Und dass sie so sein wollen wie ich, intelligenter als ich, ehrlicher als ich. Das will ich in der Zukunft sehen. Und dazu müssen wir auf die Künstler verweisen, die uns beeinflusst haben.
Und wie passt der sogenannte Punk-Poet John Cooper Clarke da hinein?
Ich hab' ihn am Ende einer Folge der "Sopranos" gehört. Ich konnte nicht glauben, dass ich einen britischen Rapper am Ende der "Sopranos" höre. Wie zur Hölle hat er seinen Song da untergebracht? Dann habe ich mich über ihn erkundigt und herausgefunden, wie alt er ist, und dass er mit den Sex Pistols gearbeitet hat. Für mich ist er der erste britische Rapper. Er machte britischen Rap, bevor der überhaupt existierte. Ich weiß, dass er als Dichter gilt, aber für mich ist er ein Lyriker und ein Rapper. Und als ich mich über ihn erkundigt hatte, musste ich ihn unbedingt treffen. Ich tue mein Bestes, um John der jüngeren Generation näherzubringen. Er ist großartig und er darf nicht in Vergessenheit geraten. Das wäre ein Verbrechen, finde ich.
"Ill Manors" ist das zweite Album, das mit einem Film zusammenhängt. Auch "Strickland Banks" ist ja im Prinzip ein Musical, wie du selbst sagt. Hast du keine Lust auf gewöhnliche Alben?
Ich habe noch nie ein gewöhnliches Album gemacht, niemals. Ich erzähle immer Geschichten, ich habe immer ein Konzept. Das erste Album war eine Sammlung von Shoot-Stories, das zweite war eine Geschichte von Anfang bis Ende. "Ill Manors" gehört zu einem Film und ist wiederum eine Sammlung verschiedener Geschichten. Aber der Film verknüpft die Geschichten.
Ich wollte immer ein Künstler sein, der die Welten von Film und Musik vermischt. Ich hab nie so ein typisches Album gemacht, wo ein Song von Liebe handelt, einer von Verlust. Es gibt so viele Künstler, die das machen und es langweilt mich zu Tode. Wieso kann man nichts Herausforderndes machen? Ich finde nicht, dass es so herausfordernd ist, einen Song darüber zu schreiben, aufzunehmen und zu produzieren, wie ich mich an einem bestimmten Tag fühle. Es ist schwierig, klar, aber es ist nicht so herausfordernd wie eine Geschichte zu erzählen und einen Film daraus zu machen. Das war das schwierigste, das ich je gemacht habe.
Ich glaube, es wird lange dauern, bis irgendwer das noch einmal macht. Und falls es jemand täte, hätte ich ihn inspiriert, es zu tun. Was ich mit diesem Film und diesem Soundtrack gemacht habe, wurde so noch nie gemacht. Und als ein Künstler will ich genau solche Dinge tun. Ich will bahnbrechend sein und ein Beispiel setzen.
Das letzte Mal hast du mir von der "Ballad Of Belmarsh" erzählt, der zweite Teil der Strickland Banks-Geschichte. Was ist damit passiert?
Ich habe Teile davon aufgenommen und das Label wollte, dass ich es kurz nach "Strickland Banks" veröffentliche. Aber ich habe schon damit begonnen, "Ill Manors" aufzunehmen und zu drehen. Das Label war vielleicht etwas naiv, und ich womöglich auch. Wir haben es nicht pünktlich fertig bekommen, zudem hat es "Ill Manors" beeinflusst. Anstatt das fertig zu machen, stand ich im Studio, um ein anderes Album aufzunehmen. Es war vollkommen verrückt. Also habe ich mich ans Label gewandt und gesagt, dass ich das so nicht kann.
Das Problem ist, dass das Label nichts mit meinem Film zu schaffen hat. Sie hatten ihn nicht einmal gesehen. Erst im Sommer 2011 schauten sie ihn sich an und hörten Teile des Soundtracks. Seither unterstützen sie mich und halfen mir, das Album fertig zu machen. Deswegen mussten wir "Ballad Of Belmarsh" auf die lange Bank schieben, was aber nicht heißt, dass es nicht rauskommt. Es heißt nur, dass das Projekt existiert und wenn die Zeit gekommen ist, veröffentliche ich es.
Darauf freuen wir uns. Besten Dank für deine Zeit und alles Gute.
Plan B über sich, die öffentliche Meinung, Hip Hop, Soul und Strickland Banks.
Plan B alias Ben Drew ist der neuste Export-Schlager der britischen Musiklandschaft. Mit "The Defamation Of Strickland Banks" hat der als Rüpelrapper verschriene Londoner eine atemberaubende Soulplatte aufgenommen, die ihm so wohl keiner zugetraut hätte.
Kritiker aller Welt zeigen sich begeistert, Kleingeister jeglicher Couleur stoßen an ihre Grenzen: "Wie kann der böse Mann aus dem sozialen Wohnungsbau eine solche Platte aufnehmen?", fragen die einen. "Wieso macht dieser Vogel jetzt keinen Hip Hop mehr, sondern verdammten Soul?", grübeln die anderen.
Im Interview mit laut.de bezieht Plan B Stellung. Kurz vor seinem Auftritt in Leipzig im Rahmen einer "Secret MySpace Show" haben wir ihn an die Strippe gekriegt. Und der selbst ernannte Tarantino des Pops hat viel zu erzählen.
Ben, du erlebst gerade einen atemberaubenden Hype um dich und dein Album. Vor ein paar Jahren warst du noch der böse Rapper, der hässliche Wörter sagt.
Ich war niemals ein böser Rapper, ich war schon immer ein guter Rapper. Ich war eine Person mit guten Absichten, die etwas sagen wollte, was sich sonst noch niemand getraut hatte. Und ich musste das in einer unorthodoxen Art sagen, verstehst du?
Ja, aber beispielsweise für Leute wie David Cameron warst du der Inbegriff des bösen Rappers.
Es gibt viele verschiedene Arten von Menschen auf dieser Welt, David Cameron ist eine und ich bin eine völlig andere. David Cameron würde mein erstes Album tatsächlich als böse, als gewaltverherrlichend bezeichnen. Ich würde es als das komplette Gegenteil beschreiben. Die Musik, die ich machte, war eigentlich ziemlich positiv. Es wurde viel geflucht und drehte sich um sehr negative Dinge, die ans Licht kommen sollten. Aber die ganze Ethik, die hinter der Musik stand und der Grund, wieso ich sie geschrieben habe, war positiv. Es war der Versuch, die Einstellung jener Kids zu verändern, die sich in dieser negativen Art und Weise verhalten. Leute wie David Cameron sehen eben nur das gewaltverherrlichende, weil sie es einfach nicht verstehen.
Alles, was ich gemacht habe, ist, dass ich statt Rap jetzt Soul mache. Ich bin deshalb nicht von einer bösen Person zu einer guten Person geworden. Ich bin noch immer die selbe Person, die ich vorher war.
Ist das Kapitel Hip Hop jetzt für dich geschlossen?
Nein, gar nicht. Danach ist das Kapitel Soul geschlossen. Ich mache jetzt dieses eine Soulalbum und dann gehe ich zurück zu Hip Hop. Dann mache ich meine Filme und danach könnte ich mich entschließen, Dubstep oder Reggae oder Folk oder was weiß ich zu machen. Es kommt drauf an, was mein Gefühl sagt. Ich weiß, dass ich in der Lage bin, jeden Musikstil zu machen, den ich möchte. Es ist nicht relevant, welche Art von Musik ich mache, es ist wichtig für mich als Künstler, dass ich meine Geschichten erzählen kann. Quentin Tarantino ist eine Genre-Filmemacher. So bin ich auch, nur dass ich es mit Musik mache.
Aber wieso war ausgerechnet Soul der richtige Stil, um die Geschichte von Strickland Banks zu erzählen?
Wieso nicht? Ich hab irgendwann mal angefangen, R'n'B-Songs zu schreiben und zu singen, bevor ich anfing, zu rappen. Deswegen habe ich ja auch entschieden, mich selbst Plan B zu nennen, weil ich einen Weg verfolgt habe und irgendwann entschieden habe, diesen zu wechseln. Es war eine Abweichung von ursprünglichen Plan.
Aber als eine kreative Person höre ich niemals auf, kreativ zu sein. Ich bin immer inspiriert von vielen verschiedenen Musikstilen. Und wenn ich irgendetwas Originelles in meinem Kopf höre, nehme ich es auf. Es spielt keine Rolle, welches Genre ich damit bediene. Ich hab das ja schon gezeigt mit dem Zeug, das ich mit Chase & Status gemacht habe, was eigentlich Drum'n'Bass war. Ich bin ein Songwriter. Und ich bin in der Lage, in vielen verschiedenen Stilen zu schreiben. Momentan ist der Soul eben prominenter. Es war einfach so, dass ich sehr viel mehr Soulsachen geschrieben habe als irgendetwas anderes. Es hat sich einfach richtig und passend angefühlt. Wenn ich diese ganzen Songs ignoriert hätte, hätte ich mich selbst verraten. Diese Musik kam von tief in mir, wenn ich so getan hätte, als wäre sie nicht da, wäre ich feige gewesen.
Wie kannst du dann so sicher sein, dass da nicht noch mehr Soul ist? Wieso legst du es so strikt zur Seite?
Wenn ich für den Rest meines Lebens Soulsänger sein wollte, könnte ich das tun und ich bin sicher, dass ich damit auch erfolgreich wäre. Aber ich glaube, dass mich das langweilen würde. Ich fühle mich schnell gelangweilt, ich brauche Abwechslung. Für mich war es ohnehin weniger die Musikrichtung als solche, die mich gereizt hat, sondern vielmehr das Konzept, das dahinter steht. Ich wollte, dass mein zweites Album eine große Geschichte wird, um die du einen Film drehen kannst. Ich hatte den Plot noch nicht, ich hatte das Konzept, wusste aber nicht, was die Handlung dazu sein sollte. Alles, was ich hatte, waren ein paar Soulsongs, unter anderem "Love Goes Down" und "I Know A Song". Ich dachte einfach, es wäre eine Schande, wenn sie niemand hören würde. Denn die öffentliche Meinung von mir war eben, dass ich dieser Rapper mit dem dreckigen Mundwerk sei, der gerne flucht. Das ist aber nur die öffentliche Wahrnehmung, das bin nicht ich. Ich werde zu großen Teilen missverstanden. Also versuche ich, verstanden zu werden und zu zeigen, wozu ich wirklich fähig bin. Ich entschied, eine Geschichte über einen Soulsänger zu erzählen. Das erlaubte mir einerseits, die Soulsongs einzubringen und andererseits dieses Konzeptalbum aufzunehmen, das ich machen wollte.
Für mich war es weniger wichtig, Soul für dieses Album zu machen, wichtig war, dass ich zeigen konnte, dass ich ein Konzeptalbum machen kann, das erfolgreich ist. Viele Leute versuchen, ein Konzeptalbum zu machen und kriegen dann einen Schock. Ich habe nicht das Gefühl, dass irgendjemand das schon einmal endgültig geschafft hat. Bei mir ist es dasselbe. Das ist jetzt ein guter Start, aber da kommt noch ein zweites Strickland Banks-Album, wieder mit Konzept. Es wird ein Hip Hop-Album sein. Ich finde, Hip Hop ist das beste Vehikel, um dieses Filmkonzept umzusetzen, über das ich schon lange nachdenke. Dieses Album schrieb ich zur gleichen Zeit, in der ich Soul machte. Allerdings ist es nicht möglich, zwei Album zur gleichen Zeit zu verkaufen, also entschieden wir, das Soulalbum als erstes zu verkaufen. Das Hip Hop-Album wird "The Ballad Of Belmarsh" heißen und rauskommen, wenn dieses Projekt jetzt vorbei ist. Eigentlich wollte ich es zusammen mit der Soulplatte veröffentlichen. Deshalb hatte ich auch nie das Gefühl, irgendetwas falsch zu machen, als ich Soul schrieb. Ich habe Hip Hop nicht den Rücken gekehrt, immer noch nicht.
Stimmt es denn, dass sich manche Fans beleidigt fühlen, weil du jetzt Soul statt Hip Hop machst?
Ich mag keine Puristen. Puristen langweilen mich, ich mag keine Leute, die die Welt in der Zeit einfrieren wollen. Ich bin ein menschliches Wesen und verändere mich unaufhörlich. Ich wachse und werde in meinem Bewusstsein stärker. Ich war schon als Kind sehr offen für Musik und mochte die unterschiedlichsten Genres. Ich sehe nicht ein, wieso ich in einem Stil gefangen sein soll. Wenn sich irgendjemand davon angegriffen der beleidigt fühlt, wie ich mich als Künstler ausdrücke, soll er sich mal besser selbst ficken.
Das Problem ist, dass dieses Album der Soundtrack zu einem Film ist. Das Hip Hop-Album erzählt die eigentliche Geschichte. Beim Hip Hop-Album erzähle ich, Plan B, die Geschichte von Strickland Banks, indem ich darüber rappe. Die Soulplatte erzählt die Sache durch Strickland Banks' Augen. Es ist eher der Soundtrack zu einem Musical. Und ein Musical musst du in einem Theater oder im Kino oder wo auch immer sehen, damit die Songs auch wirklich Sinn ergeben. Die Lieder als solche werden niemals in der Lage sein, das zu erfüllen. Wie gesagt, dieses Projekt ist noch nicht beendet. Aber es ist unvollständig, bis das Hip Hop-Album und der Film herausgekommen sind. Wenn diese beiden wichtigen Teile des Projektes fertig sind, wird die Geschichte deutlich mehr Sinn ergeben.
Wann dürfen wir die beiden Teile erwarten?
Das Soul-Abum kam ja erst jetzt in Deutschland raus. Je nachdem, wie lange wir rund um die Welt erfolgreich sind, desto länger wird es dauern, bis "The Ballad Of Belmarsh" und der Film kommen. Ich hoffe, ich kann den Film um den Mai nächstes Jahr drehen. Es sollte keine so große Arbeit sein, denn die Videos werden Teile des Films sein. Im Prinzip haben wir also schon angefangen, den Film zu drehen, zumindest die Musicalsequenzen.
Ich habe gehört, dass dein Label das Hip Hop-Album gar nicht rausbringen will.
Man muss da unterscheiden zwischen den Labels in UK und meinetwegen Frankreich, Deutschland oder Amerika. Warner in Deutschland unterstützt mich bei diesem Projekt sehr. Aber als ich in Großbritannien angefangen habe, hat Atlantic gerade 679 Records übernommen und hat 80 Prozent des Rosters fallenlassen. Ich war einer der wenigen Künstler, die sie behalten haben. Als ich also angefangen habe, mit dem Label über dieses Album zu verhandeln, war das noch direkt mit 679. Eine Sache, die bei der Übernahme aufkam war eben, nicht beide Platten gleichzeitig zu veröffentlichen. Zunächst war ich deshalb wirklich beleidigt, weil ich das Gefühl hatte, dass sie sich für mein Hip Hop-Zeug gar nicht interessieren. Aber dann sah ich ein, dass die Art und Weise des Hip Hop, die ich mache, nicht zu einem Majorlabel passt, weil sie damit kein Geld machen können. Du kannst es nicht im Radio spielen, weil es zu explizit ist, zu viele Flüche. Außerdem sind die Songs immer mindestens vier Minuten lang und haben nicht genügend Hooks. Ich kann es also irgendwo nachvollziehen.
Wir kamen zum Kompromiss: Wenn sie das Soulalbum veröffentlichen, bekomme ich die kompletten Rechte für das Hip Hop-Album, um es selbst auf einem Independent Label zu veröffentlichen. Im Laufe der Promo sprang 679 weitgehend ab und ich arbeite jetzt sehr eng mit Atlantic zusammen. Womöglich überlegen sie es sich nach dem derzeitigen Erfolg nochmal, ob sie das Hip Hop-Album nicht doch veröffentlichen wollen. Aber wie auch immer, mir ist das egal. Dieses Album wird veröffentlicht. Mir ist es egal, ob es auf einem Indie-Label oder auf Atlantic kommt.
Tatsächlich habe ich einen solchen Oldschool-Vertrag, der dem Künstler eigentlich nicht viel Geld bringt. Insbesondere, wenn du so teure Videoclips drehst. Der Künstler ist im Prinzip nur dazu da, dem Label das vorgestreckte Geld zurückzuzahlen. Aber so ist es eben. Ich habe meine Liveshows und meinen Merchandise, damit kann ich Geld verdienen.
Worum ich mich wirklich schere und der Grund, wieso ich das überhaupt mache ist, um mich selbst als Künstler ausdrücken zu können und meine Geschichte, meine Kunst zu verbreiten. Geld ist etwas, das vielleicht kommt, während du das tust. Geld und Ruhm interessieren mich eigentlich nur so weit, wie sie meine Kunst zu einem breiteren Publikum bringen. Ich versuche Geld und Ruhm zu nutzen, um meine Arbeit zu pushen. Der ganze andere Bullshit, der damit einhergeht, interessiert mich gar nicht. Klar, ich gehe zu VIP-Parties, amüsiere mich und rede mit irgendwelchen Berühmtheiten. Aber deswegen mache ich das nicht.
Ob irgendwelche Kids deine Platten runterladen ist dir also völlig egal?
Das passiert doch so oder so. Ich glaube, wenn du einen Künstler magst, wenn du ihn wirklich magst, kaufst du dir doch trotzdem die CD. Wenn die Kids meine Album runterladen, was interessiert mich das? Ich verdiene damit doch ohnehin kein Geld. Wenn sie es runterladen und mögen, geben sie Geld für meine Konzerte aus. Und damit verdiene ich Geld. Es ist mir eigentlich scheißegal, ob und wer meine Musik runterlädt.
Heute Abend spielst du in Leipzig die so genannte "Secret MySpace Show" vor 250 Menschen. Was erwartest du von diesem und auch den folgenden Konzerten?
Ich genieße das natürlich, dass viele Leute auf meine Shows kommen und meine Musik mögen. Besonders in einem fremden Land, in dem sie eine andere Sprache sprechen. Ich habe das Gefühl, dass ich so langsam eine Grenze überschreite. Ich darf mich nicht länger selbst als eine "normale" Person verstehen. Die Leute lassen mich nicht, selbst wenn ich das wollte. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Du kannst ein Arschloch sein oder versuchen, so normal wie möglich zu bleiben. Das kommt wohl auf die Umstände an.
Erkennen dich die Leute auf der Straße?
In England ja, in Deutschland nicht. Aber manchmal hilft das. Ich drehe meinen eigenen Film im September, "Illmanic". Wir haben ein ziemlich kleines Budget und müssen aufs Geld achten. Und manchmal helfen dir Leute eben aus oder tun dir Gefallen, weil sie dich kennen. Das ist schon eine gute Sache. Aber manchmal triffst du eben Leute, die richtige Arschlöcher sind. So ist das Leben ohnehin, aber wenn du ein wenig bekannter wirst, steigert sich das noch mal. Ich lerne deutlich mehr Arschlöcher kennen. Aber besser so, als ignoriert zu werden. Oder erkannt zu werden, sich aber nicht darum zu scheren, weil sie meine Musik scheiße finden.
Aber wieso soll man sich beschweren, hin und wieder ein paar Arschlöcher zu treffen? Ich bin sicher, dass dir das auch passiert. Wenn du Abends in irgendwelchen Bars unterwegs bist, lernst du sicherlich ein paar nette Personen und ein paar Arschlöcher kennen. Und wenn du eben berühmter wirst, siehst du so viele neue Gesichter jeden Tag. Du bist quasi gezwungen, ein paar Arschlöcher mehr kennenzulernen. Manche Künstler werden da etwas empfindlich, geben niemandem mehr Autogramme oder lassen sich nicht fotografieren. Ich verstehe das auch. Vielleicht wird es eines Tages zu verrückt, so dass ich mir eine Security anschaffen muss. Noch habe ich keine und so soll es auch so lange wie möglich bleiben.
Ich hoffe für dich, dass das so bleibt. Letzte Frage: Wann wirst du in Deutschland auf Tour sein?
Wir machen eine Europatour im November, da werden wir auch wieder in Deutschland sein. (Ruft seinen Promoter lautstark rüber) Wir geben fünf Konzerte in Berlin, Köln, München, und vielleicht Leipzig. Wir sind gerade nicht sicher, aber die ersten drei Gigs auf jeden Fall und dazu noch zwei weitere.
Alles klar, dann hoffe ich, dass ich es zu einem der Konzerte schaffe. Vielen Dank für das Interview.
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