Porträt

laut.de-Biographie

Pink Turns Blue

Es gibt eine Hand voll Namen, an denen man im Gothic Rock nicht vorbeikommt. Das fängt bei Joy Division an, geht mit Bauhaus, Sisters, Fields und Mission weiter und endet längst nicht bei The Cure. Zu nennen ist nämlich noch die in Köln gegründete deutsche Formation Pink Turns Blue.

Bereits 1985 gründen die Darkwave-Fans Mic Jogwer und Thomas Elbern die Band. Obwohl ein gleichnamiger Hüsker Dü-Song Pate steht, geht es nicht im Mindesten um Hardcore. Treibender gothischer Rock mit Jogwers charismatischer Stimme bestimmen das Klangbild. Schon der Erstling "If Two Worlds Kiss" schlägt 1987/88 in der Wave Landschaft ein wie eine Bombe.

In dieser Zeit befindet die dunkle Kapelle sich fast ununterbrochen auf Tour. Einen Teil der Gigs bestreiten PTB gemeinsam mit dem - seinerzeit noch vielfach missverstandenen und umstrittenen - slowenischen Künstlerkollektiv Laibach. Dieses Zusammentreffen erweist sich für die Deutschen als Glücksfall. Mit deren Soundmixer Janez Križaj freundet sich Jogwer an. Križaj läd Pink Turns Blue ein, ihr zweites und drittes Album "Meta" und "Eremite" im jugoslawischen Ljubljana aufzunehmen. Als Bezahlung schmuggeln die Waverocker westliches Musikequipment über die damals noch jugoslawische Grenze.

Beide Platten gelten in Wavekreisen bis heute als Diamanten des Gothic. Die gänzlich eigenständige Mischung aus Eingängigkeit und Sperrigkeit lässt sogar England und Spanien verwundert aufhorchen. Tracks wie "Your Master Is Calling" oder der veritable Szenehit "Michelle" gelten seitdem als Kultsongs auf den Floors der dunklen Tanztempel. Elbern steigt dennoch aus, um seine eigenen Projekte Escape With Romeo und Elbern zu gründen. PTB sind seit diesem Zeitpunkt künstlerisch quasi die alleinige Spielwiese Jogwers.

Und der Kölner nutzt seine Alleinherrschaft hernach für diverse Stilwechsel. Der Sound gerät phasenweise minimalistisch. Zwischenzeitlich zieht er nach London und lässt sich dort ausgiebig vom Madchester Ur-Rave inspirieren, später treten noch Punk Einflüsse hinzu. In künstlerischer Hinsicht bleiben die Pink Turns Blue Alben weiterhin hochwertig. Doch das Publikum mag Jogwer auf den neuen Wegen nicht recht folgen. Zu sehr vermisst es den perfekten Wavesound früherer Tage.

Nach der tollen, rein akustischen Bestandsaufnahme "Muzak" löst Mic die Band 1995 kurzerhand auf und legt die Künstlerlaufbahn vorerst auf Eis. Das ändert sich erst 2003. Nach umjubelter Ehrung auf dem damaligen WGT erwacht PTB aus der Totenstarre. Die alte Pracht und Power kehrt in die lilablauen Knochen zurück, als habe es die lange Intermission nie gegeben. Mit den Alben "Phoenix" und "Ghost" zementieren sie erneut ihren Status als kreative Wave Ausnahmeband. Internationale Auftritte (zB Barcelona, Madrid) auf angesehenen Festivals folgen 2008. Auf dem renommierten 2010er Wave Gothic Treffen geben PTB sogar den Headliner.

Was also liegt näher, als noch mal einen drauf zu setzen? Im Herbst desselben Jahres erscheint der zehnte Longplayer "Storm". Lyrisch wie musikalisch ist das Werk ein qualitativer Höhepunkt in der Karriere der Düsterhelden. Es folgt eine ausgedehnte Deutschlandtour.

Alben

Pink Turns Blue - Storm: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2010 Storm

Kritik von Ulf Kubanke

Ochsenblut-farbene Melancholie prägt dieses Gothrock-Highlight. (0 Kommentare)

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