laut.de-Kritik

Zusammen sind sie schon 104. Spooky? Yes.

Review von

Im Vorfeld der Brit Awards-Ehrung für ihre "Outstanding Contribution To Music" rief das britische Label PSB-Sänger Neil Tennant an, um erstens zu eruieren, ob die Gruppe den Preis annehmen, und zweitens, ob sie überhaupt erscheinen würde. Tennant, dieser feinsinnige Spaßvogel, dürfte "Yes" geantwortet haben, zumal der Ehrenpreis zeitlich hervorragend mit dem gleichnamigen zehnten Studioalbum der Boys zusammen fällt.

Nicht, dass sie in ihrem Heimatland auf derlei Gratis-Promo angewiesen wären. Im Gegensatz zu Frankreich, wo EMI die neue Platte aus Krisengründen erst gar nicht bewirbt, siehts da immer noch recht rosig aus.

Die Ironie der Geschichte besteht vielmehr darin, dass ausgerechnet "Yes" nun das kommerziellste Album seit Jahren geworden ist und dass es dem von Madonna bis Robbie vergötterten Duo die absurderweise bisher nur einmal erlebte Ehre bescheren könnte: eine Nummer Eins-Platzierung in England ("Very", 1993).

Wenn man dieser Platte eines nicht anhört, dann jedenfalls, dass der Sänger 54 Jahre alt ist und der Keyboarder im Herbst seinen 50er feiert. Was mit ein Grund sein dürfte, warum die beiden in England sogar bei jungen UK-Acts wie Girls Aloud (von denen es aufgrund mangelnder Chartsrelevanz hierzulande nicht mal eine laut.de-Biographie gibt) hoch im Kurs stehen.

Das federleichte "Love etc." ist eine von drei Nummern, die in Zusammenarbeit mit Brian Higgins, Vorsteher der Hitfabrik Xenomania, entstanden sind, über den übrigens auch der Kontakt zu Girls Aloud zustande kam. Daraus zu schließen, dass Higgins allein für die Euphorie auf "Yes" verantwortlich ist, führte zu kurz.

"Wir wollten einfach wieder eine positive Platte machen", so Tennant, der im wahrscheinlich vom britischen Autor Julian Barnes entlehnten Eröffnungstitel gewohnt spielerisch einen flammenden Appell für die von Konsumgütern abgekoppelte, reine Liebe abgibt. Dass er auch noch Gerhard Richter im Text unterbringt (und nirgends "etc." übrigens), ist nur eines dieser Details, weshalb man Pet Shop Boys-Texte stets gleichberechtigt zur Musik behandeln sollte.

Was schwer fällt, denn der Sound ist uplifting wie lange nicht mehr. Souverän wird etwa in die Frage-Antwort-Stilistik des "Love etc."-Refrains ein Chorgesang eingeflochten, der einen Hauch von Stadion-Atmosphäre verströmt. Was wiederum leicht an "Go West" erinnert, wenngleich beide Songs unterschiedlicher nicht sein könnten.

Was "Yes" selbst für seine Schöpfer in eine ideologische Linie mit dem schillernden "Very"-Album stellt, sind nicht nur offensichtliche Disco-Songs wie "Did You See Me Coming?" oder "More Than A Dream", sondern auch ein deutlich glamouröserer Ansatz als auf den letzten beiden Alben.

Die besonders auf "Fundamental" zur Schau getragene Balladenperfektion bleibt dafür etwas im Hintergrund. Das macht jedoch allein "All Over The World" wieder wett, die beste Pet Shop Boys-Hymne seit "Se A Vida É". Andererseits: Als Ballade gehen ohnehin nur der Abschlusstrack und mit Abstrichen "King Of Rome" durch. Das könnte wiederum die Fortsetzung von "Liberation" (auf "Very") darstellen.

An "Building A Wall" oder "Beautiful People" lässt sich vielleicht am besten nachvollziehen, wie wichtig Johnny Marr als letztes verbliebenes Bindeglied zu den vergangenen zwei Alben für den PSB-Sound noch immer ist: Sein Spiel ist oft erst der Schmelztiegel aus Melancholie und Sentiment.

Warum man dieses Pet Shop Boys-Album besitzen muss, wenn man schon neun andere hat, ist allerdings eine Frage, die ausnahmsweise auch ein Nicht-Fanatiker folgendermaßen beantworten dürfte: Weil nur wenige Platten so vorzüglich unterhalten. Oder weil man jeden Song (bis auf "Legacy") mitpfeifen kann. Oder was weiß ich schon, ich bin Fan, ich bin alt. Und die Jugend wird mit Girls Aloud unterwandert.

Trackliste

  1. 1. Love etc.
  2. 2. All Over The World
  3. 3. Beautiful People
  4. 4. Did You See Me Coming?
  5. 5. Vulnerable
  6. 6. More Than A Dream
  7. 7. Building A Wall
  8. 8. King Of Rome
  9. 9. Pandemonium
  10. 10. The Way It Used To Be
  11. 11. Legacy

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74 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    und von did you see me coming kann man nicht anderes sagen

    dagegen hört sich die bald neue single "beautiful people" mal nach gar nichts an

  • Vor 5 Jahren

    Stimmt ist einer der schwächeren Songs des Albums. Kommt auch nur in Deutschland auf den Markt. Ende des Jahres soll es aber noch eine 4te Single geben. Man kann nur hoffen denn das Album hat genügend Knaller. Ich denke da an "All over the world" "More than a dream" "Pandemonium" und vor allem an "The way it used to be" der wohl stärkste Song vom Album. Mal sehen was wird...

  • Vor 5 Jahren

    Es plätschert...es plätschert mächtig...aber das war es dann auch schon...schade...

    Positiv...PSB bleiben sich ihrer Linie treu.
    Negativ...keinerlei Entwicklung seit...20 Jahren?

    Und das sage ich als jemand, der synthetische Musik wirklich liebt, aber für mich sind PSB die überschätzteste Band der Welt.

    @ Runner70

    Geh doch bitte deinen Frust woanders abladen. Du wirst die Welt mit deinem Gekrächze auch nicht verändern können und da ist nunmal synthesizergestützte Musik gottseidank nach wie vor dominierend in allen Belangen. Ohne Synthesizer funzt es auch mittlerweile bei vielen Rockgruppen nicht mehr, weil es kein Musikinstrument der Welt gibt, dass eine schier unendliche Klangbreite und -varianz anbietet! Einfach die geilste musikalische Erfindung aller Zeiten...neben Johann Sebastian Bach... ;)