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Pendulum haben verstanden. Die Australier zerren Drum'n'Bass aus der nur spärlich beleuchteten Clubecke, in der er seit den Neunzigern verharrt. Sie haben ihn wie besessene Feeder aufgepäppelt, bis er vor lauter Fatness kaum wiederzuerkennen war. Und sorgten dann mit Hits wie "Black Tarantula" oder "Slam" für Aufsehen.
Ihre massentaugliche Interpretation des gebrochenen Beats folgt auch auf "In Silico" noch der kraftmeierischen Maxime: Fett muss es sein, dann kommt der Rest schon von alleine. Doch man muss dem Sextett auch zugestehen, dass sie die feinen Zutaten Poppigkeit und Songwriting hinzugenommen haben. Denn die Tracks auf dem zweiten Album sind zugänglicher als noch die auf dem Debüt "Hold Your Colour".
Und so ist man schon ein wenig erstaunt, wenn der Opener "Showdown" mit Gitarren und einer von Rob Swire im Stile von Dexter Holland gesungenen Line beginnt. Als dann die Bass Drum einsetzt, ist alles klar. Bewegungswut überall, und die unfassbar fette Produktion lässt dabei den Mund offen stehen.
Im Verlauf des Stücks gesellen sich die charakteristischen Synthie-Sounds sowie die ebenfalls schon bekannten Drops hinzu. Der großartig verschleppte Mittelteil fordert fast schon zum Moshen auf, so hart rocken Pendulum. Auch in der Folge überrollt die Band so ziemlich alles, was in Hörweite kommt. Das Songwriting dominiert auch die folgenden Stücke.
Dennoch kommt man nicht umhin, immer wieder ungläubig die Ohren zu reiben. Pendulum ist der absurd muskelbepackte Steroidbulle im Fitnessstudio, den alle anstarren, obwohl man eigentlich gar nicht glotzen will.
"Different" mit seinen Gitarren und "Propane Nightmares" mit seinen mexikanischen Trompeten deuten von der Entwicklung der Gruppe. Im Mittelteil des Albums gibt es dann mehr Pendulum-typische Kost, das heißt, die mittlerweile in London ansässige Crew gibt derbe beineknotenden Tanzsport auf die Zwölf.
"The Other Side" zeichnet sich fast durch so etwas wie Melancholie aus. Die durch die Talkbox verzerrten Lyrics wären so sicher nicht nötig gewesen, die maschinengenerierten Einsprecher werden dafür um so effektvoller eingesetzt. Auch "9,000 Miles" mit seiner Akustikgitarre und seiner Percussion sticht erfreulich aus dem basslastigen Morast heraus, in den man sich mit der Zeit getanzt hat.
Und dann, am Ende eines knapp überdurchschnittlichen, aber sehr organischen Albums, kommt dieses Monster von Track. "The Tempest" beginnt mit einer Gitarre, die man am ehesten Tool zuschreiben würde. Im Hintergrund regnet es. Zu Tablas und Bass beginnt Swire zu singen. Ganz langsam braut sich der Songsturm zusammen. Streicher künden vom Ausbruch.
Dann auf einmal harte Gitarrenriffs. Wieder so ein Moshpart, härter haben Pendulum wohl noch nie gerockt. Swire gibt nun die große Rocksau, und ein absurd eingängiges Gitarrenriff erhebt sich gen Himmel. Nach fünf Minuten Spielzeit geht das Ganze in eine grandiose Stadiontechnonummer über. Unwiderstehliche Synthies sorgen für ein großes Gänsehautgewitter, die Beats schütteln den Hörer ein letztes Mal durch.
Ein letztes Mal bleibt man mit offenem Mund zurück. Nur dauert es diesmal, bis er sich wieder schließt.
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), der gewissermaßen modern und melodisch ist ...
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