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Mit 50 hat man noch Träume: 22, um genau zu sein. Glück für uns, dass Jubilar Paul Weller gerade in Stimmung war, 21 davon in Musik umzusetzen. Den fehlenden 22. Traum zu bebildern, überließ er im Begleit-Booklet auf fünf Seiten dem nur unwesentlich jüngeren, britischen Autoren Simon Armitage.
In vielerlei Hinsicht konnte man auf Wellers neue Platte gespannt sein. Dass es ein Doppelalbum werden würde, hat sich nun ebenso bewahrheitet wie seine Ankündigung der Mitwirkung von Noel Gallagher und Graham Coxon, was in der britischen Presse zu naheliegenden Überschriften wie "Modfather unites Oasis and Blur" führte.
Gleich ein ganzes Jahr ließ sich der optisch inzwischen nah an Chris Norman herangerückte Musiker für sein neues Projekt Zeit, und selten hat man dies einer Weller-Platte so angehört wie "22 Dreams". Rock, Folk, Soul, Jazz, Spoken Word, Mucker-Muzak - kaum ein Genre lässt er unangetastet.
Begleitet von Violinen- und Cello-Klängen empfängt er uns vertraut grantelig und akustisch in "Light Nights", die Verabschiedung im bemühten Moog-Instrumental mit dem bemühtem Titel "Night Lights" ist eine Art buddhistischer Ausschnaufer, synthetisches Donnergrollen inklusive. Om!
Dies wiederum passt zum paradiesischen Garten Eden-Cover, bei dem erstmal alles auf Ausgewogenheit, Gleichmut und innere Harmonie hindeutet. Stattdessen schlüpft Weller in die Gestalt der musikalisch vielköpfigen Schlange. Nach dem so wunderbaren wie stringenten Vorgänger "As Is Now" vielleicht die nötige künstlerische Antipode.
So hätte das schnurgerade "22 Dreams" durchaus auch auf besagtem Hauruck-Album Platz finden können, bevor die souligen Midtempo-Stücke "All I Wanna Do (Is Be With You)" und "Have You Made Up Your Mind" nochmal eindrücklich die Verdienste des langjährigen Weller-Gitarristen Steve Cradock anschaulich machen.
Die Beiträge der berühmten Gäste fallen nicht weiter auf. Noel Gallagher, der sich wie schon auf "Illumination" nicht ohne Kumpel Gem Archer in die Nähe seines Idols wagte, drehte diesem für "Echoes Round The Sun" ein bislang (nicht ganz zu Unrecht) unveröffentlichtes Demo an. Graham Coxon klampft und trommelt (!) im gediegenen "Black River" brav den Altherren-Rhythmus.
Schlecht ist das alles nicht, sein ganzes Können spielt Weller aber in der ergreifenden Pianoballade "Invisible" aus, danach beeindruckt noch das von dynamischen Temposchwankungen durchzogene "Why Walk When You Can Run". Sie bleiben Ausnahmen eines insgesamt soliden, wiewohl überraschungsarmen Songkatalogs, der mit "Push It Along", "One Bright Star" oder allzu konstruierten Klang-Experimenten nicht immer für helle Begeisterung sorgt.
Vielleicht muss man sich auch einfach daran gewöhnen, dass Weller neuerdings Songs aufs Album packt, die einer B-Seite gut zu Gesicht stünden. Etwa das Free Jazz-Instrumental "Song For Alice", das Alice Coltrane huldigt und Robert Wyatt featuret. Allein, mir fehlt die Zeit.
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