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Nein, man kann Paul Potts persönlich nichts ernsthaft Böses nachsagen. Warum auch? Denn immerhin für ihn erfüllte sich unser aller insgeheimer Traum vom unverhofften Aschenputtel-Glück. Doch wie und auf welche Weise diese Erfolgsstory nun sülzfleischmäßig zerlegt, eingekocht und eingemacht in die Pop-Supermärkte geschüttet wird, hat schon etwas Anrüchiges. Handelt es sich gar um schnöden Kommerz statt hehrer Kunst?
Mit "Passione" ist Potts Zweitling betitelt, also dem italienischen Begriff für Leidenschaft. Es handelt sich bei den elf Songs allerdings eher um die Suche danach. Kurz gefasst: Man wird nicht fündig. Kein Wunder bei all diesen abgehalfterten Songs aus wurmzerfressenen Truhen der Musik-Historie. Nach erfolgter Verwesung hilft auch keine Einbalsamierung mehr. Und warum eigentlich bekommen all diese Leichen einen italienischen Namen verpasst? Na gut, schnöder Muckefuck verkauft sich als Macciato getarnt schließlich ebenfalls besser.
Die Gitarre zupft, die Harfe perlt, eine Heerschar Streicher döst in der Abendsonne, bevor mächtige Paukenschläge sie plötzlich wecken: Nach diesem schlichten Muster ist der Großteil der Songs auf Pauls neuem Album gestrickt. Das beginnt mit dem Opener "La Prima Volta" und setzt sich mit "Sei Con Me", der Adaption einer Sarah Brightman-Schnulze, weiter fort. Hier noch mit einem Schuss mehr Pauken-Heftigkeit am Ende, die das ebenfalls einsetzende, godzillaträge Schlagzeug rasch in die Flucht treibt. Als Duettpartnerin fungiert eine gewisse Hayley Westenra, deren Nachnamen Assoziationen an die bedauernswerte Lucy Westenra aus Bram Stokers "Dracula" weckt. Blutleer ists allemal.
Die Kunstvortäuscherin Sarah Brightman fungierte einst als Gattin des Musical-Produzenten Andrew Lloyd Webber. Kein Wunder also, dass das seit Jahrzehnten totgenudelte "Memory" aus "Cats" hier als "Piano" einen erneuten Wiedergänger-Auftritt hat. Staub von scheinbar Jahrhunderten des Vergessens wirbelt auf, als sich Potts über den Schmachtfetzen "A Whiter Shade Of Pale" von Procol Harum hermacht. Einst ein Vorzeigestück psychedelischer Lebenskultur der sechziger Jahre, hat die Nummer in seinen Händen nicht nur alle echten Zähne, sondern auch das Zweitgebiss verloren. Das Schlagzeug steht unter Morphium, und was die trägen Streicher bekommen haben, möchte ich lieber nicht wissen.
Ganz zum Schluss lockt eine Reise ins Zauberreich der Operette - tatsächlich, Franz Lehárs "Dein Ist Mein Ganzes Herz" aus dem Werk "Das Land Des Lächelns" verspricht ein wenig Stil und Klasse. Doch diese Fassung dümpelt irgendwo zwischen Liberace und Mantovani, keine Spur von etwa einem knackigen James Last-Arrangement. Das wäre aber wohl auch zuviel des Tempos und dem Anspruch, aus schnödem Pop Klassik zu schneidern. Oder handelt es sich bei den elf Songs um die Transformation von Klassik in Pop? Keine Ahnung, eine Antwort wüsste vielleicht Crossover-Altmeister Luciano Pavarotti, aber der ist seit einiger Zeit auch nicht mehr so recht greifbar.
Auf dem Alben-Cover schaut Paul Potts nachdenklich ins unter ihm schlafende Venedig herab, es scheint eine bleierne Zeit. Ebenso wie die Lagunenstadt kämpfen seine Interpretationen gegen das Versinken ins große Nichts. Doch der einzige Rettungsring, den die Produzenten für ihren Star in "Passione" vorrätig haben, trägt unglücklicherweise die Aufschrift "Titanic".
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Da fällt mir ein: "Der Mann mit der Mundharmonika" hat auch ein neues Album draußen!
Respekt für diese gut geschriebene Kritik. Im Wesentlichen bringt der Rezensent alles auf den Punkt. Nur: was hat er sich dabei gedacht, Sarah Brightman als "Kunstvortäuscherin" zu bezeichnen?
Sie gehört wohl zu den wenigen Sängerinnen, die völlig zurecht das Prädikat "Weltstar" tragen.
Hmpf und wieder n vielversprechenden Jungstar verheizt, Danke Popbranche! Dieser Paul Potts hatte, auch wenn er meinen Musikgeschmack nicht traf, wesentlich mehr Talent und Gefüge ein etablierter Musiker zu werden als diese ganzen Dumm-Blondchen-Poptussis oder 0-8-15-Dämlich-Softie-Grins-Bübchen wie sie uns Jahr um Jahr bei DSDS verkauft werden
Ich find das soooo zum kotzen
Ehrlich, ich könnt heulen vor Wut 
mensch artur,
der letzte absatz ist so dermaßen weltklasse 
ganz grosses review-kino mit literarischer degenfechter-würde!
bin sehr beindruckt 


"Keine Ahnung, eine Antwort wüsste vielleicht Crossover-Altmeister Luciano Pavarotti, aber der ist seit einiger Zeit auch nicht mehr so recht greifbar."
Die Grenze des Sarkasmus ist hier weit überschritten. Das ist einfach nur stumpf ehrverletzend und hat mit einer bissig geschriebenen Kritik nichts mehr zu tun. Konzentriert euch mal mehr auf den Inhalt des Reviews und nicht auf zahllose mehr oder weniger rhetorisch gewandte Rundumschläge.
was ist denn bitte daran "ehrverletztend"?
die feststellung des unausweichlichen gangs alles irdischen?
der eher als kompliment gemeinte begriff "Crossover-Altmeister"?
Die Ehrverletzung entsteht dadurch, dass jemand über einen anderen eine Tatsache behauptet und verbreitet, die geeignet ist, diesen verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Verleumderisch wird dabei gewertet, wenn die Behauptung bewusst wahrheitswidrig aufgestellt wird. Als üble Nachrede wird die Verbreitung einer nicht nachweislich wahren Tatsache bewertet
fazit: geh doch nach hause mit solchem quark
da würde mich ja wirklich mal deine meinung interessieren zu leuten, die in siolcher hinsicht auch kompositorisch arbeiten bzw als arrangeure interessante sachen abliefern.
man denke nur an "haggard"
... oder Béla Bartók. "Contrasts" (1940) war das Ergebnis seiner Zusammenarbeit mit Benny Goodman. Bei der ursprünglichen Einspielung sitzt der Komponist am Klavier und Goodman höchstpersönlich spielt Klarinette. Das würde ich als Grenzgängertum bezeichnen, und es ist für mich aller Ehren wert. Die aktuellen Varianten von Pop-Klassik sehe ich eher als billige Mitnahme-Effekte. Man bedient sich der Aufführungsformen und Verbeitungsmechanismen von Pop, um verseichtete Klassik unter die Leute zu bringen. Das kann man ruhig durch den Kakao ziehen.
"was ist denn bitte daran "ehrverletztend"?
die feststellung des unausweichlichen gangs alles irdischen?"
Die Beschreibung des solchen, du Pappnase. Da hilft auch blindes Wikipedia-Zitieren nichts.
ironieresistenter sabbelbüddel! alles dumm tüch!
wiki hin oder her; was erwartest du? dass ich für dich die pandekten aus meiner bibliothek hole?
d a s ist die offizielle definition. und zwar zu recht!
lesen!
verstehen!
.....die bloße beschreibung des realen ist mithin weder negativ wertend noch herabwürdigend etc.
ist nie gut, wenn man texte rein durch die narzistische brille definiert.
@ku': jepp! schönes beispiel 
Leider nützt die Definition nichts, da es hier nicht um juristische Terminologie geht (böse Anwälte mag das kränken). Der Spruch im Review verletzt m.E. die Ehre des Verstorbenen, da er für einen recht stumpfen Randbemerk herhalten muss. Mit "Beschreibung" hat das Ganze darüber hinaus auch nichts zu tun. Was eine Beschreibung von Pavarottis "Zustand" in einem Paul Potts Review soll -> geschenkt. Aber "nicht mehr so recht greifbar" ist schlichtweg keine Beschreibung.
Und das Totschlagargument mit der Ironie lassen wir lieber mal schön im Schrank. 
ok, das sollte ja auch kein formaler jurakurs sein.
die definition ist m.E. einfach in jeder hinsicht passend.
wenn du das geäusserte persönlich als eine art respektlosigkeit empfindest, ist das ja auch dein gutes recht.
ich denke nur, es macht einen unterschied ob man sagt:
"ich finde das respektlos und geschmacklos!"
oder sich richtig weit beschuldigend aus dem fenster lehnt und sagt:
"der autor schreibt stumpf ehrverletzende sachen"
das kannste nicht so pauschal bestreiten, oder?
Ok, einigen wir uns darauf. Ich meinte das eher im übertragenen Sinne. Eine witzige (?) Pointe wird auf Lasten des Verstorbenen gemacht. Ehrverletzend würde da unterstellend klingen. Respektlos klingt besser.
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