Beatles hier, Beatles dort und nebenbei eine öffentliche Schlammschlacht mit der Noch-Ehefrau. Doch Paul McCartney führte auch ein Musikerleben jenseits der Fab Four. Den Verlauf dieser 37-jährigen Solo-Karriere dokumentiert "The McCartney Years".
Die ersten zwei DVDs enthalten sämtliche Musik- und Promovideos, die McCartney im Laufe seiner Solo- und Wings-Karriere drehte. Diese Clips wecken beim einen oder anderen Fan mit Sicherheit nostalgische Erinnerungen, bieten aber auch Neueinsteigern einen guten Einblick in das Schaffen McCartneys nach den Beatles.
Zwar könnte man sich die Lieder sicher auch auf einer Best Of CD anhören, dann entgingen einem aber die teilweise sehr witzigen Bilder. In diese Kategorie fällt zum Beispiel "Hope Of Deliverence", bei dem die Wings sich auf einer mystischen Waldlichtung voller Tiere versammeln.
"Tug Of War" verbindet dagegen die Lyrics mit Bildern über Kämpfe und Kriege, um die Botschaft des Songs zu unterstreichen. Um die unfreiwillige Komik auf die Spitze zu treiben, muss man nur die Kommentierung einschalten. Schon erläutert McCartney persönlich, was er sich bei den Drehs so dachte.
Interessant, wie man auch noch die seltsamsten Videos als Kunst rechtfertigen kann. Unter den 42 Clips gibt es übrigens nur einen Song aus den letzten sechs Jahren: "Fine Line".
Die Extras bieten dafür einen guten Blick hinter die Kulissen. Eine sehr wackelige Handkamera dokumentiert ein Fotoshooting der Wings bei "Band On The Run", was allerdings zu den weniger interessanten Parts gehört.
Dafür erzählt und demonstriert McCartney in der Talkshow "Parkinson" ziemlich eindrücklich, wie er John Lennon einst dazu bewegte, ihn in die Band aufzunehmen. Leider geht die Einstiegsfrage des Moderators in dem Mitschnitt verloren.
Auf "Creating Chaos At Abbey Road" erklärt der Sänger dafür, wieso die Beatles überhaupt anfingen, eigene Songs zu schreiben und stellt selbst einige seiner Lieblingslieder aus der Zeit vor, als die Band noch mit Cover-Versionenn auftrat. Interessant vor allem für Leute die sich zuvor nicht sonderlich intensiv mit den Beatles beschäftigt haben, aber auch für echte Fans informativ.
Richtig spannend wird "The McCartney Years" aber erst mit der dritten DVD. Dort bekommt man Live-Auftritte aus verschiedenen Epochen zu sehen. "Rockshow" entstand 1976 während der Welttournee der Wings und beeindruckt vor allem mit seiner hervorragenden Qualität. Beinahe so, als hätte man die Bilder in einem Studio aufgenommen.
Der längste Live-Mitschnitt der DVD stammt von dem englischen Kult-Festival in Glastonbury. Charmant vor allem, wie McCartney erklärt, dass er ziemlich Angst vor dem Auftritt hatte.
Seine Erleichterung über die Begeisterung des Publikums sieht man ihm ebenfalls an, wenn dieses lautstark "Hey Jude", "Yesterday" oder "Helter Skelter" mitsingt. Überhaupt fühlt er sich offenbar wohler, wenn er bei jedem seiner Auftritte mindestens einen Beatles-Song zum Besten geben kann.
Dass die auch beim Publikum gut ankommen, ist offensichtlich. Insgesamt merkt man den drei DVDs an, wie viel Mühe und Arbeit darin steckt. McCartney sprach sämtliche Kommentare selbst und suchte für die Extras Archivmaterial aus den letzten 37 Jahren zusammen.
Mühe gaben sich die Verantwortlichen auch beim Booklet, das eine Kurz-Biographie über McCartney mit abschließender Zeittafel enthält, allerdings leider nur in englisch.
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