laut.de-Kritik

Popstar mit Zuckertechno und Snarepeitsche.

Review von

Das neue Album des Filmstars, Rekordbrechers und Hallenfüllers Paul Kalkbrenner wurde mit Spannung erwartet. Nach dem Filmerfolg von "Berlin Calling" und der damit verbundenen "neverending" Welttournee, Weggang von Bpitch Control und Gründung des eigenen Imprints "Paul Kalkbrenner Musik", fragt man sich sowieso: Wie fand er überhaupt Zeit für eine Albumproduktion?

Und: Kann man überhaupt noch kreativ sein und sich 'locker' machen, wenn es solch massive Erfolge zu toppen oder mindestens zu halten gilt?

Die Antwort: Paule ist seinem Stil treu geblieben. Unverkennbar die lustigen Titel ("Des Stabes Reuse") und die melancholische Euphorie von Stücken wie "Böxig Leise" oder "Schmökelung". Corporate Identity. Trockene, sperrig anmutende und letztendlich gebändigte Sounds vermählt mit orgeligen, gefilterten Gitarrenklängen.

Dit Janze im Ableton-Jam-Style arrangiert. Die clever gesetzte Bassdrum, die dem Track immer wieder zu noch mehr Schub verhilft, wenn sie denn endlich einsetzt. Selbst elektroide, gebrochene Beats haben ihren Platz ("Schnakeln") - diese erinnern an frühe Electric Kingdom-Touren, als Kalkbrenner noch die 'Vorgruppe' von Lexy machen durfte.

"Berlin Calling" schillert manchmal kurz durch das 'Jestrüpp' von Klängen hindurch - oder meint man das nur, weil man derartige Selbstreferenzen unbedingt heraushören will? Angesichts der vertraut klingenden Stücke könnte man dem Fußballfanatiker sicherlich mangelnde Experimentierfreude oder Wagemut vorwerfen.

Trotzdem ist "Icke Wieder" kein Eigenplagiat. Kalkbrenner bleibt seinem Klang- und Groovekosmos treu, was man ihm wirklich nicht vorwerfen kann. Denn gerade bei einer so großen Fanschar (jüngst bespielte P.K. mal so nebenbei die Berliner Wuhlheide) ist der Künstler den Erwartungen seines Publikums schon ein wenig verpflichtet.

Die Anhängerschaft nicht zu enttäuschen und sich als Künstler trotzdem nicht aufzugeben, sich weiter zu entwickeln: Diesen Spagat müssen 'Global Player' wie die Rolling Stones seit Jahrzehnten bewältigen.

Kalkbrenner ist noch neu in dieser Liga, setzt aber sowohl Zuckertechno als auch die Snarepeitsche wohldosiert ein. Die Festivalsaison wird zeigen, ob die neuen Tracks live bestehen können, aber angesichts von brachialen Striezeltracks à la "Der Breuzen" muss man sich diesbezüglich wohl keine Sorgen machen.

Trackliste

  1. 1. Böxig Leise
  2. 2. Gutes Nitzwerk
  3. 3. Jestrüpp
  4. 4. Schnakeln
  5. 5. Kleines Bubu
  6. 6. Des Stabes Reuse
  7. 7. Sagte Der Bär
  8. 8. Kruppzeug
  9. 9. Schmökelung
  10. 10. Der Breuzen

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