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Aus der Dunkelheit schleicht sich ein Bass an. Die leise gezupften Töne verbreiten Beklemmung. Die Stimmung erinnert an Griegs "Peer Gynt Suite". Zwei glockenklare Gitarrentöne schneiden ein Loch in die Atmosphäre, zerteilen, zerhacken sie geradezu martialisch, obwohl sie von der Lautstärke her Leichtgewichte sind. Dann setzt ein Banjo im Shuffle-Feel ein, der Wind hat sich gedreht - jetzt klingt's klingt nach Cocktail und nach lauer Abendluft am Strand.
Aber es ist nicht der Buena Vista Social Club, der hier "Smells Like Teen Spirit" schrubbt, sondern Patti Smith. Ohne Weltschmerz in der Stimme, wirft sie monotone Laute aus - die Nummer ist verschenkt.
Frisch in der Hall of Fame angelangt, bastelt Smith sich mit "Twelve" eine eigene kleine Galerie des Notwendigen. Zwölf Coverversionen großer Songs von den Beatles, The Doors, Jimi Hendrix und den Stones, sprich: von so ziemlich jedem, der in der Rockgeschichte einen unvergänglichen Platz besitzt oder ihn besitzen sollte - auch Nirvana. Ein solches Vorhaben kann scheitern. Bei Patti Smith war ich mir sicher, dass es klappt, Covern gehörte schließlich schon immer zu ihren Shows. Aber Pustekuchen!
Jimi Hendrix war die pure Energie, seine Gitarre schien Funken zu versprühen, wenn er es mit ihr machte. Smith hat sich "Are You Experienced?" von ihm ausgesucht und es gleich an den Anfang von "Twelve" gestellt. Sie hat es jeglicher Energie beraubt und in ihr persönliches Folk-Rock-Schema gepresst, in das der Song einfach nicht hinein passt. Leblos schleppt er sich dahin wie ein Trauerzug auf dem Weg zum Grab. Er klingt leer, karg und abwesend, wie die Gedanken der Trauernden.
"Everybody Wants To Rule The World" intoniert sie dagegen sehr souverän und auch recht nah am Original. Schön fürs Radio. Nervöse Klaviertöne stehen am Beginn des letzten Songs des Albums. Sofort sind Assoziationen da: Pfeifenputzerhaare, irrer Blick, Coolio. Was hat der denn da zu suchen? Klar, er hatte seine Hookline zu "Gangster's Paradise" auch schon gezockt - von Stevie Wonders "Pastime Paradise". Patti Smith macht es zu einer fluffigen Nummer, die weder verärgert, noch vom Hocker reißt.
Smith legt mit "Twelve" eine Platte in der für sie typischen, melancholischen Folk-Klangfarbe vor, allein die Überzeugungskraft fehlt. Es ist wie eine Brühe, der Salz fehlt - ein Lammfilet ohne Rosmarin. Der Kick bleibt aus, die meisten Songs klingen nicht nach lustvollen Sessions, sondern nach mühsamem Erreichen des Zielstriches beim Marathon. Smith scheint es durchzuziehen, weil sie es sich vorgenommen hat. Diesem Album fehlt die orgiastische Chaos-Energie der frühen Patti Smith.
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