laut.de-Kritik

Jazzige Titelmelodien für populäre Sitcoms.

Review von

Pat Metheny beugte sich nie gern dem Offensichtlichen. Er vernachlässigte in seinen Projekten bewusst das für Jazz-Ensembles so unentbehrliche Blasinstrument. Methenys Augenmerk galt selbst im Pakt mit den Besten seit jeher der Gitarre, die Luftklinger schienen nicht einmal im Schatten ihr Dasein fristen zu dürfen. Erst einmal, auf der LP "80/81", zogen mit Dewey Redman und Michael Brecker zwei Tenorsaxophonisten in Metheneys bald vierzigjähriges Tonträgervermächtnis ein.

Er wuselte, daddelte und sträubte sich gegen die Vorstellung, wie doch eine Combo zu besetzen sei. Mit Steve Reich machte er einen Ausflug in die Kraftfelder des Minimalismus. "Electric Counterpoint" war der Umschlagplatz, an dem neben einer vervielfachten Gitarre kein weiterer instrumentaler Nenner stand. Der Jazz wurde in die Minimal Music umgeladen. Auf dem letzten Album verlor dann selbst das oberste musikalische Schiedsgericht den Überblick. Die Jury des Grammy-Awards erkannte Metheny seine immerhin schon neunzehnte Auszeichnung zu, jedoch wurde "What's It All About" als Weltmusik eingeordnet. Man nahm es nicht allzu genau.

Methenys musikalischer Charakter gibt aber auch viel Auskunft. Seine "Unity Band", bestehend aus Chris Potter an Tenor-/Sopransaxophon und Bassklarinette, Ben Williams am Bass und Antonio Sanchez am Schlagzeug hangelt sich eben nicht durch einen dichten Skalendschungel. Bassist Williams, Gewinner der letztjährigen Thelonius Monk Competition, bringt sich in "New Year" mit einer gewieften Melodieführung ein, die er bei Jaco Pastorious abgeschaut haben könnte.

Metheny greift in seine Nylon-Saiten, lässt den Romancier aber außen vor. Anfangs noch getragen von süßer Schwere, stellt er sein saumseliges Zupfen um, reißt später die Saiten an. Doch erst als sich Chris Potter mit einer kantablen Hookline auftürmt, beginnt diese Band zu irrlichtern. Das Tempo prescht vor, Snareschläge knattern, Becken bimmeln, das Saxophon knatscht.

Die Dynamik des Eröffnungsstücks wird noch pulsierender und raumgreifender, auch die Melodie wird auf dem nachfolgenden "Roofdogs" noch eindringlicher. Potters Sopransax und Methenys Roland Guitar Synthesizer scheinen gleichzeitig Gegensätze zu bilden und sich komplementär zueinander zu verhalten, ehe sie sich unisono, in gleicher Stimmlage, wieder treffen.

Metheny, bei dem eine äußerliche Verwandtschaft zum Simpsons-Charakter Tingeltangel-Bob nicht zu übersehen ist, entfacht auch deshalb einen so hohen Verzückungsgrad bei seinem Publikum, weil er jeder populären Sitcom mühelos eine Titelmelodie auf den Leib schreiben kann. "Leaving Town" erzeugt all das, was man von Doug Heffernan, dem King Of Queens, kennt und erwartet: Die große Wohlfühlstube und den Feierabend-Jazz. Wenn dann noch das Duff-Bier greifbereit wäre, die Künstlichkeit kennte keine Scham. Man darf nicht vergessen, dass das nur kleiner Kitsch ist, der diese Musik einen Schritt weit zugänglicher macht.

Vorbei ist die Zeit des Saxophon-Adabei. Vielleicht gibt es den nächsten Grammy wieder für ein Jazz-Album. Das wäre dann offensichtlich, denn die Grenzen sind wieder enger gezogen.

Trackliste

  1. 1. New Year
  2. 2. Roofdogs
  3. 3. Come And See
  4. 4. This Belongs To You
  5. 5. Leaving Town
  6. 6. Interval Waltz
  7. 7. Signals (Orchestrion Sketch)
  8. 8. Then And Now
  9. 9. Breakdealer

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