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"Ignorance is your new best friend", singen Paramore in ihrer ersten Singleauskopplung auf "Brand New Eyes". Das kann man der Band rund um Frontfrau Hayley Williams nicht vorwerfen. Sie haben mitbekommen, dass Pop doch angesagter ist als Emo-Punkrock und Balladen häufig besser ankommen als Riot-Musik.
Wie staunte man damals über dieses kleine Mädchen, das so große Töne von sich gab. Hayley Williams ist gerade einmal 16 Jahre alt, als Paramore das erste Album "All We Know Is Falling" auf den Markt bringen. Die Platte – damals noch ein Geheimtipp in der Emo-Rock-Szene.
Bekannter wird die Gruppe mit ihrem Zweitling "Riot!", der genauso rotzig, aber weniger emolastig daher kommt. Paramore laufen inzwischen auf MTV, geben Tracks für Teeniefilm-Soundtracks her.
Eigentlich ist die weitere Entwicklung vorhersehbar. Hayley ist inzwischen 20 und ihre Stimme haut immer noch um. Das Album "Brand New Eyes" zeige ihre Entwicklung, sie seien erwachsener geworden, sagt die Band. Komisch, denn Paramore klingt darauf jugendlich-poppiger als jemals zuvor.
"Brand New Eyes" ist also wörtlich zu nehmen. Besonders, wenn man weiß, dass Rob Cavallo als Produzent mitarbeitete. Der ist bekannt für radiotauglichen Sound à la Green Day.
Es ist nicht der Beginn der Platte, der stutzig macht. "Careful" gibt einen wirklich gelungenen Einstieg mit lauten Gitarren und eingängigem Schlagzeug. Hayleys Stimme lässt sich sowieso nicht kritisieren – sie meistert sowohl tiefe Strophen als auch hohe Refrains mit einem stets kratzigen Beigeschmack, der Paramore ausmacht.
Auch "Ignorance", die Singleauskopplung von "Brand New Eyes" gefällt und erinnert an ältere Paramore-Kracher wie "Misery Business" oder "That’s What You Get". Schwieriger wird es schon bei "Playing God" und "Brick By Boring Brick". Gute Songs, keine Frage, der Einfluss vom Star-Produzenten aber sehr hörbar. Die Radiosender und Musiksender werden es Paramore mit dem Spielen ihrer Musik danken – durch die mehr als eingängigen Refrains mit Mitgrölcharakter lassen sich sicherlich auch noch mehr Teens als Fans gewinnen.
Richtig langsam kommen "The Only Exception" oder "All I Wanted" daher. Sie wirken ein bisschen fehlplatziert in der Trackanordnung, wobei zweiterer angenehmer ins Ohr geht. "The Only Exception" hingegen weist Singer/ Songwriter-Charakter auf. Dagegen ist generell nichts zu sagen, im Gegenteil lockern solche Tracks zu schwere Platten häufig auf. Leider könnte der Song auch von jedem x-beliebigen Popsternchen gesungen werden.
Schade, denn 'langweilig' hätte man früher mit Paramore wohl nicht in Verbindung gebracht. Warum diese Tracks nicht funktionieren, die Akustik-Ballade "Misguided Ghosts" hingegen wunderbar? Man muss wohl wieder einmal die außergewöhnliche Stimme der Williams loben.
Der Rest des Albums plätschert so vor sich hin. Schöne Popmusik, aber eben auch ein bisschen eintönig. Paramore könnten mehr – nur ob sie damit den gleichen Erfolg hätten wie mit "Brand New Eyes"? Sehr fraglich. Zur Verteidigung bleibt wohl nur zu sagen: Das Durchschnittsalter der Bandmitglieder ist süße 20 Jahre. Bleibt zu hoffen, dass Paramore sich nicht verbiegen lassen. Hayley Williams singt ganz passend: "I'm in the business of misery."
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