laut.de-Kritik

Knisternde Heavy Rock-Erotik: Auferstanden von den Toten.

Review von

Wie das Leben so spielt. Mal hat man Glück, mal Pech. Daniel Gildenlöw, Mastermind der schwedischen Prog-Institution Pain Of Salvation, verbrachte die erste Hälfte des Jahres 2014 im Krankenhaus. Eine lebensbedrohliche Streptokokkeninfektion brachte ihn an den Rande des Todes. Das körperliche Leiden, die Medikamente, das innere Ringen und die Rekonvaleszenz möchte man keinem Menschen zumuten. Trotzdem steht nun als Resultat dieses Leidensweges das beste Album der Progger seit dem ähnlich persönlich gelagerten und gerade deswegen so eindringlichen Meisterwerks "Remedy Lane".

"In The Passing Light Of Day" ist keine Fortführung von "Remedy Lane" oder "The Perfect Element Pt. I", auch wenn das Etikett Progressive Metal dies vermuten lässt und sich dies viele Fans der ersten Stunde seit Jahren wünschen.

Pain Of Salvation sind 15 Jahre später vielmehr eine andere Band, die zahlreiche Veränderungen bezüglich der musikalischen Ausrichtung und des Line-Ups durchlaufen hat. Genau diese Erfahrung und die Öffnung hin zu einem demokratischeren Songwriting sind neben Gildenlöws textlichem Seelenstrip der Grund für die Größe der Platte.

Die Band beziht sich nicht auf eine erstarrte Vergangenheit - und spielt somit keinen Progressive Metal aus der Schublade. Der Sound ist Vintage pur, sehr roh und könnte auch einer Grunge- oder Alternative-Band gut zu Gesicht stehen. Ein Überbleibsel der "Road Salt"-Sessions, die vor allem aufgrund des authentischen Klangbildes überzeugen konnten. Die harten Passagen sind kein Destillat aus den besten Riffs von Dream Theater oder Fates Warning, sondern gewinnen ihren Reiz aus dem Sound und der stringenten Rhythmus-Orientierung. Etwas was die Band schon auf "Be" und "Scarsick" unter Beweis stellte.

Pain Of Salvation beherrschen kompakte Smash-Hits, eindringliche Balladen und ausuferndes Storytelling. Meisterhaft gelingt dies auf dem unfassbaren Titeltrack, nebst geschmackvollem "Ending Theme"-Zitat. Wo andere Konzeptbands eher formelhaft die gesamte Musik kulminieren lassen, spendiert Gildenlöw zum Abschluss eine Ballade mit eindringlichem Refrain, der aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen angesteuert wird und so die Emotion perfekt zur Geltung bringt. Hier wünscht der Hörer tatsächlich, das Stück möge kein Ende nehmen, was bei einer Laufzeit von 15 Minuten auch gefühlt so ist. Der unverstellte Blick auf das Unvermeidliche gerät zur emotionalen Achterbahnfahrt und endet schließlich mit einer liebevollen Widmung an seine Frau als "Lover and best friend".

Die Band harmoniert in beeindruckender Manier. Technisch hochversiert, ohne sich in unnötige Kabinettstückchen zu verzetteln, kitzelt das Quintett aus jedem Stück die emotionale Grundierung hervor und greift dabei auch auf Rock-untypische Instrumente wie Zither, Laute oder Akkordeon zurück.

Wer nun an leichte Kost denkt, liegt falsch. Vertrackte und gegenläufige Rhythmen, gegen den Strich gebürstete Riffs, die bekannten Gildenlöw'schen Rap-Passagen und heilloses dissonantes Durcheinander sind das 'Road Salt' in der Suppe. Natürlich atmen die zahlreichen tollen Melodien Pathos, verkommen dabei aber nie zum Kitsch. Gerade auf den beiden weiteren Longtracks "On A Tuesday" und "Full Throttle Tribe" loten die Schweden das Spektrum zwischen Chaos und Kosmos aus.

Der Hörer verfällt der knisternden Heavy Rock-Erotik in "Meaningless", ein Song von Gitarrist Ragnar Zolberg, der mit seinen androgynen Backings hervorsticht. Die brachialen Riffs in "Tongue Of God" zertrümmern das anmutende Piano aus dem Intro. Das in seinem reduzierten Folk-Ton an "Falling Home" und "Road Salt" anknüpfende "Silent Gold" zerreißt Herzen und spendet Hoffnung. "Promises" geht voll auf die Zwölf mit dem Volumeregler auf Elf. Folk und Crossover können in dieser Konstellation nur im Hirn der fünf Schweden schlüssig kombiniert werden, nachzuhören auf "If This Is The End".

Das Label InsideOut tat das einzig richtige, diesen komplexen Koloss schon zwei Monate vor dem Release der Presseschar zur Verfügung zu stellen. Dieser Kniff bewirkte eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Material, die auch bitter nötig scheint, um einen richtigen Eindruck zu gewinnen.

Gildenlöws Spiritualität paart sich mit einem Naturalismus, der kein Frömmeln zulässt. Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber beten? Zum Teufel damit. "I close my hands, not in prayer, into fists". Zudem offenbarte der Mittvierziger einen humorvollen Umgang mit seiner Krankheit, indem er via Instagram zahlreiche Fotos seiner Gitarre aus dem Krankenhaus postete. Diese saß beispielsweise im Rollstuhl oder war an ein EKG-Gerät angeschlossen.

Satte sechs Jahre nach dem letzten regulären Studiorelease und nach zahlreichen Besetzungswechseln bündeln Pain Of Salvation ihre Stärken und stehen mit einem großen Knall von den Toten auf.

Trackliste

  1. 1. On A Tuesday
  2. 2. Tongue Of God
  3. 3. Meaningless
  4. 4. Silent Gold
  5. 5. Full Throttle Tribe
  6. 6. Reasons
  7. 7. Angels Of Broken Things
  8. 8. The Taming Of A Beast
  9. 9. If This Is The End
  10. 10. The Passing Light Of Day

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