laut.de-Kritik
Teilt mit Thom Yorke die Vorliebe für melancholische Stimmungslagen.
Review von Joachim Gauger
Welche Wohltat, ein neues Album von PJ Harvey in den Händen zu halten, nach so langer Wartezeit. Ja gut, seit "Is This Desire" sind erst zwei Jahre vergangen, aber zwei Jahre können bekanntlich ganz schön lang sein.
Die neue Scheibe der scheuen Polly hat allerdings mit der letzten, eher düsteren Veröffentlichung nicht viel gemein, auch wenn Mick Harvey von den Bad Seeds wieder die Gitarre schlägt und an der Produktion mit gewirkt hat. Vor allem mit den ersten drei Tracks kehrt PJ Harvey zurück zu den Wurzeln ihrer ersten Veröffentlichungen. Rockiges bis staubtrockenes Songwriting mit nachdenklichen bis poetischen Texten in der Tradition von Patti Smith ist anfangs zu hören, bevor "One Line" ruhigere Töne anschlägt.
Dabei trägt das Album mit der sparsamen Instrumentierung, einer gewissen Neigung zur Disharmonie und den ausgefeilten Kompositionstechniken (Spiegelung, Krebs) die typischen PJ Harvey-Merkmale. "Beautiful Feeling" ist eine ganz verhalten schwebende Nummer, eine Art Auszeit. Die krachigen Gitarrenriffs von "The Whores Hustle And The Hustlers Whore" rütteln den Hörer dann gerade rechtzeitig wieder wach, auf dass er ja den Höhepunkt des Albums nicht verpasse. Den nun hat endlich Radioheads Thom Yorke seinen Auftritt.
Komisch eigentlich, dass es zu dieser Kooperation nicht schon früher gekommen ist. Schließlich haben doch Polly und Thom nicht nur die großartigsten Stimmen Englands, sondern auch eine gemeinsame Vorliebe für zerbrechlich-melancholische Stimmungslagen. Da darf man auch mal einen Kompromiss eingehen: Das dahin perlende E-Piano von "This Mess We're In", das Yorke offensichtlich so sehr schätzt, wirkt auf einer ansonsten sehr gitarrenlastige Scheibe ein wenig deplatziert. Trotzdem ein toller Song.
Wie der ganze Rest. Bei einer PJ Harvey-Scheibe gibt es einfach keine Ausfälle. Nicht einen!