Details

Mit:
Datum: 21. Februar 2011
Location: Admiralspalast
Friedrichstraße 101
10117 Berlin
Website: Offizielle Homepage

Review

laut.de-Kritik

Diese Frau ist ein Mysterium.

Review von Janosch Müller

Wenn das Publikum im Berliner Admiralspalast sofort loskreischt, sobald nur ein Roadie über die Bühne sprintet um ein Kabel festzuzurren, dann weiß man: Hier erwartet einen kein gewöhnliches Konzert.

Polly Jeans Erscheinung verfestigt diesen Eindruck im Handumdrehen. Zu einem vampiresquen Kleid mit schmucker Corsage gesellt sich dort ein Kopfschmuck aus zwei kompletten, hocherhobenen Vogelschwingen.

Ein gutes Stück abseits der Band baut sie sich am Bühnenrand auf und liefert mit "Let England Shake" ohne viel Aufhebens den Opener ab. Doch schon bei "The Words that Maketh Murder" kommt sie mehr und mehr in Fahrt. Zwar erstarrt sie dabei immer wieder kurz und geht für einen Moment ganz im Singen auf. Aber sobald sie mit den Armen und um so mehr mit der Hüfte mitgeht, merkt man, dass diese Frau jede einzelne Faser ihres Körpers der Musik widmet.

All die düsteren Geschichten wie "All and Everyone" oder "Written on the Forehead" trägt sie mit so einer Inbrunst vor, dass den Zuhörern die Augen leuchten. Die Lebendigkeit, die ihre Stimme dabei versprüht, ist einfach umwerfend, und dass der Tod auf ihrem neuen Album das erste und das letzte Wort hat, das scheint einem inmitten von so einer Beschwingtheit kaum noch vorstellbar.

Irgendwie macht sie selbst ihre lebhaften Stücke wie "The Devil" noch ein bisschen wuchtiger und ausdrucksstärker. Man wartet nur darauf, dass der Teufel mit einem Knall und einer Rauchwolke auf der Bühne erscheint, so wie Harvey mit offenen Handflächen vor und zurück wippt, um ihn leibhaftig zu beschwören.

Nach dem sie ihre neuen Stücke mit der apokalyptisch dreinscheppernden Autoharp sachgerecht untermalt hat, lässt sie eine Passage rotzrockiger Gitarrentracks wie etwa "The Sky Lit Up" folgen. Das Highlight des Abends bildet aber womöglich "Down by the Water", wo sie mit jedem neuen Vers noch durchdringender wehklagt als mit dem letzten. Klanghölzer sind ihr gefeaturetes Instrument bei diesem Stück.

Am Ende fragt man sich, was erstaunlicher ist: Ein Publikum, dass frenetisch glücklich ist, obwohl es gerade knapp zwei Stunden von Tod und Konsorten gehört hat? Oder dass PJ am nächsten Tag das nächste Konzert gibt, obwohl sie so singt, als wolle sie noch am selben Abend ihre Seele aushauchen?

Setlist:

Let England Shake,
The Words that Maketh Murder,
All and Everyone,
The Big Guns Called Me Back, Again,
Written On the Forehead,
The Devil,
The River,
The Sky Lit Up,
The Glorious Land,
The Last Living Rose,
England,
Bitter Branches,
Down by the Water,
C'mon Billy,
Hanging in the Wire,
On Battleship Hill,
Big Exit,
The Colour of the Earth,
Meet Ze Monsta,
Angelene,
Silence

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Artistinfo

LAUT.DE-PORTRÄT PJ Harvey

Wenn PJ Harvey mit roten Pumps, dem knappsten denkbaren Kleid und einer E-Gitarre an der Hüfte auf der Bühne steht, hält das Publikum den Atem an.