laut.de-Kritik
Nicht jeder Schwammkopf ist ein geborener Sänger.
Review von Daniel Straub
Hinter vorgehaltener Hand spricht man seit längerem über die seltsamen Abenteuer eines sympathischen, skurrilen Schwammes mit brauner Hose, dessen Berufung es ist, Krabben-Burger zu braten. Auch seine Freunde Patrick der Seestern, Thaddäus der griesgrämige Nachbar, Sandy das Eichhörnchen und Gary die unscheinbare Schnecke, haben sich längst bei Groß und Klein ins Gedächtnis eingeschlichen.
Einen Tag vor Weihnachten feiern die Bewohner von Bikini Bottom mit dem Film "Spongebob Schwammkopf" ihr Leinwand-Debüt. Was eigentlich einmal für Kinder gedacht war, entwickelte sich auch bei den Altersgruppen 20+ schnell zum Kult.
Dementsprechend wartet der Soundtrack zum Spongebob-Film mit einer kuriosen Mischung aus kindlich naiven Songs aus Pop, Rock und Hip Hop auf. Das Titelthema singt Avril Lavigne neu ein und trimmt es kräftig auf Rock. Da kann man schon mal ein verdutztes Spongebob-Gesicht aufsetzen.
Daneben begleiten die Indie-Bands Wilco, The Shins und The Flaming Lips mit einem exklusiven Spongebob-Song die Reise des geschwätzigen Schwamms. In der zweiten Hälfte des Soundtracks warten die Spongebob-Macher dann mit zwei faustdicken Überraschungen auf. "Ocean Man" von Ween und "You Better Swim" aus der Hardrockfabrik von Lemmy Motörhead Kilmister dürfen wir wohl unter dem Stichwort musikalische Früherziehung verbuchen.
Zwischendurch melden sich Spongebob und sein Freund Patrick ein ums andere Mal zu Wort und tischen einige zweifelhafte Songs auf. Im Film mögen diese vielleicht ganz gut funktionieren, auf einer CD erschöpft sich ihr Spaßfaktor sehr schnell. Gute Tunes wie "Ocean Man" oder "You Better Swim" hängen seltsam beziehungslos in der Luft, was den Soundtrack höchstens für absolute Spongebob-Maniacs zum Pflichtkauf macht.
Ein Track sticht jedoch aus all der seltsamen Spongebob-Musik heraus. Die Berliner Formation Electrocute, die vor wenigen Wochen ihr Debütalbum "Troublesome Bubblegum" in die Läden stellte, begeistert mit ihrer unbekümmerten Mischung aus rockigem B 52's-Drive auf elektroidem Fundament.
"Bikini Bottom" ist leider das einzige wirkliche Highlight des Spongebob-Soundtracks. Bleibt zu hoffen, dass der Film mehr kann als die Musik dazu.