laut.de-Kritik
Stopft zusammen, was nicht zusammen gehört!
Review von Dani Fromm
Nicht nur seine Filme, auch die dazugehörigen Soundtracks schlagen regelmäßig hohe Wellen. Die Meinungen über die Tarantino'schen Soundcollagen gehen dabei zwar meilenweit auseinander. Für Gesprächsstoff sorgen sie aber allemal.
Die musikalische Untermalung des Weltkriegsstreifens "Inglourious Basterds" gehorcht dabei der spätestens seit "Pulp Fiction" ausgerufenen Maxime: Stopft zusammen, was nicht zusammen gehört!
Die aus Abstoßung erwachsende Sprengkraft wird dann schon eine Eigendynamik entwickeln. Wieder einmal geht die Rechnung auf, wenngleich um den Preis eines roten Fadens.
Ohne Story und Bilder erschließt sich beim besten Willen nicht, was Funk-Soul-Brother Billy Preston ("Slaughter"), David Bowies unüberhörbar aus den 80ern stammendes "Cat People" und eine Zarah Leander ("Davon Geht Die Welt Nicht Unter") gemeinsam auf einer Platte verloren haben.
Tarantinos erneut zelebriertes Wühlen in verstaubten Archiven und vergessenen Plattenkisten versetzt inzwischen wirklich nicht mehr in Erstaunen.
Mit nichts anderem als zwei, drei Werken aus der Feder des akustischen Landschaftsgärtnermeisters Ennio Morricone war auch zu rechnen, garniert mit Film-Zitaten aus längst vergangenen Tagen und der einen oder anderen kruden Seltsamkeit.
Was in "Kill Bill" James Lasts panflötender "Einsamer Hirte" übernahm, besorgen bei den "Inglourious Basterds" Lilian Harvey und Willy Fritsch.
Die Begegnung mit einem Gassenhauer des Kalibers "Ich Wollt Ich Wär Ein Huhn" dürfte einem internationalen Publikum vermutlich noch eine Spur grotesker anmuten, als das hierzulande der Fall ist.
Pfeift man auf Stringenz, hält das vorliegende Stück Filmmusik - insbesondere für Walzerfreunde - durchaus Perlen bereit. Zudem die Erkenntnis: Jacques Loussier spielt auch noch etwas anderes als Bach. Sieh' an.