laut.de-Kritik

Diesmal kommen die Hip Hopper auf ihre Kosten.

Review von

Wenn Rapper Ice Cube als Undercoveragent ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten verhindern soll, und daneben Pimp-My-Ride-König Xzibit in der Darstellerliste auftaucht - kann es dann sein, dass das Auswirkungen auf den Soundtrack des nächsten Levels der Triple-X-Reihe hat? Hören wir mal.

Die Sache läuft ganz ordentlich an. Da Brats kleiner Bruder macht seine Sache gut. Unterstützt von Petey Pablo, der schon Ciaras "Goodies" rettete, liefert J-Kwon mit "Get XXX'd" einen Opener ab, dem der Nelly-eske Touch überhaupt nicht schadet. Ice Cube keeps it gangsta - recht so, wenn auch die für meinen Geschmack übertriebene Instrumentalisierung bei "Anybody Seen The PoPo's?!" den Beat erschlägt.

Und dann, scheiße. Ich war schon gewillt, mich aufzuregen, bevor ich überhaupt reingehört habe. Bedauerlicherweise scheint es ja Trend der Stunde zu sein, irgendwelchen Nu Metal- oder sonstigen Alternative-Kapellen einen Rapper vorzuspannen - und es funktioniert so gut wie nie. Eigentlich fällt mir nur "Numb/Encore" als Beispiel ein, bei dem das Erstaunen darüber, was man in einen Topf werfen kann, ohne, dass es diesen zerreißt (in dem Fall Linkin Park und Jay-Z), nicht das einzige ist, was den Track rechtfertigt. Meistens dauert die Verwunderung nicht mal so lange wie der Song, das war schon so, als Bastardpop noch der Renner war.

Wie auch immer, hier haben wir den Fall "Crossover-Combo plus HipHop-MC" gleich zweimal. In "Just Like Wylin" textet Atlanta-Rapper Bone Crusher zu dem Klängen von Velvet-Revolver-Supportact Three Days Grace. Nur warum? Der erfrischend wütende Reimstil des Knochenbrechers will so gar nicht mit dem Gitarrengeschrappe zusammengehen. Über den unsäglichen Hook, der nach Softmetal der frühen 90er klingt, bewahren wir mal ohnehin Stillschweigen. Bone Crusher kann's alleine besser, das zeigt "Wyle Out".

Der andere Metal-meets-Rap-Versuch vergreift sich zudem noch an einem Public-Enemy-Klassiker: Korn und Xzibit vergehen sich an "Fight The Power". Das kann ja nicht gut gehen. Dachte ich. Falsch gedacht, Frau Fromm! Ganz egal, ob das nun der Qualität des zugrunde liegenden Materials, den Krach-Gitarren von Korn, der heiseren Schlagkraft des Organs von Mr. X to the Z oder allem zusammen zuzuschreiben ist: "Fight The Power" rockt wie die Hölle.

Im Vergleich zum Soundtrack des ersten Teils, der mit wesentlich größeren Metallvorkommen aufwartete, werden Gitarrenmusikfreunde bei "The Next Level" insgesamt sparsamer bedient. Außer P.O.D. sind für diese Klientel eigentlich nur Velvet Revolver am Start, deren "Dirty Little Thing" allerdings wesentlich traditioneller daherkommt, als P.O.D.s druckvolles "Payback". Es ist nicht zu überhören, wer bei Velvet Revolver die Gitarre in seiner Gewalt hat; ich fühle mich, wie weiland bei Guns N'Rosess "Don't Damn Me" - und das ist schon verdammt lange her.

Der Rest bleibt den Hip Hop-Fans. Erfreulicherweise wird auf die in Soundtracks sonst übliche R'n'B-Schnulze verzichtet. Etliche Tracks kommen aber trotz guter Beats nicht richtig aus den Startlöchern. So trägt zum Beispiel Chingys doch eher dünner Flow "Lookin' For U" nur mühsam über die 4-Minuten-Distanz, und auch bei "Here We Go" bewahrt die gewohnt elektronisch angehauchte Timbaland-Produktion den Song nicht vor einer gewissen Eintönigkeit. Spaß macht dagegen "Messiah", und auch die Moby-Public-Enemy-Kollabo "MKLVFKWR" ist gut zu hören. Das echte Bonbon ist allerdings "Oh No". Outkasts Big Boi und Killer Mike harmonieren prächtig mit Bubba Sparxxx, bei dem man so ganz ohne Country- und R'n'R-Background mal ausnahmsweise nicht meint, die Kühe über den Zaun muhen zu hören. Für mich, zusammen mit "Fight The Power", der stärkste Track.

Und dann bleibt noch "The Good Song". Ein hochgradig seltsames Gospelstück, das bei mehrmaligem Anhören zwar eine gewisse Funkyness entfaltet. Trotzdem sei dem Hörer geraten, bei Genuss des Soundtracks gängiges Kinoverhalten zu zeigen: Verlassen Sie den Raum, während "The Good Song" noch läuft! Und das in Ihrem eigenen Interesse BEVOR gejodelt wird!

Trackliste

  1. 1. Get XXX'd - J-Kwon feat. Petey Pablo & Ebony Eyes
  2. 2. Anybody Seen The Popo's?! - Ice Cube
  3. 3. Fight The Power - Korn feat. Xzibit
  4. 4. Messiah - Dead Celebrity Status
  5. 5. Oh No - Big Boi feat. Killer Mike & Bubba Sparxxx
  6. 6. The Payback - P.O.D.
  7. 7. Dirty Little Thing - Velvet Revolver
  8. 8. Wyle Out - Bone Crusher
  9. 9. Here We Go - Dirtbag
  10. 10. Dis Dat Block - YoungBloodZ
  11. 11. Lookin' For U - Chingy feat. G.I.B.
  12. 12. The March - Hush
  13. 13. MKLVFKWR - Moby & Public Enemy
  14. 14. Just Like Wylin' - Bone Crusher & Three Days Grace
  15. 15. Did It Again - Labba
  16. 16. The Good Song - Tonéx

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