laut.de-Kritik

Die eiserne Faust aufs Auge des Gegners.

Review von

Der RZA und ein Martial Arts-Film: Da kommt zusammen, was seit jeher zusammen gehört. Seine Beziehungen in die Unterhaltungsbranche dürften wesentlich dazu beigetragen haben, ihm neben dem Regiestuhl die Hauptrolle zu bescheren. Klar, dass er sich da die Oberhoheit über die Filmmusik nicht aus der Hand nehmen lässt. Warum auch nicht? Das hat er schließlich erwiesenermaßen drauf.

Da das ganze Filmprojekt zudem unter den wachsamen Augen Quentin Tarantinos vonstatten geht, der ja auch stets ein sicheres Händchen für die akustische Untermalung seines Metzelkinos zeigte, darf man sich getrost auf stimmungsvolle Begleitmusik einstellen, die passt, wie die eiserne Faust aufs Auge des Gegners.

Vor dem alten Soundtrack-Problem schützen aber auch gepanzerte Hände nicht: Ohne die Bilder des Films wirkt die Zusammenstellung der Songs zuweilen arg beliebig. Der rote Faden zwischen klassischem Wu-Shit, neu aufgenommenem Soul-Evergreen, lupenreinem Blues und dem Sound staubiger 70er-Jahre-Western erschließt sich, fehlt die begleitende Handlung, nur schwer.

An der Qualität des ausgewählten Materials rüttelt das natürlich nicht die Bohne. Ghostface Killah, M.O.P. und Pharoahe Monch sorgen zu funky wabernder Gitarre für einen amtlichen "Black Out". Soul und Schüsse - der Stoff, aus dem Wu-Tang-Träume gemacht sind.

William Bells "I Forgot To Be Your Lover", neben "Inner City Blues" von Marvin Gaye einer der raren nahezu perfekten Songs, darf, wenn es nach mir geht, gerne noch dreißig Mal gesamplet oder neu aufgenommen werden. Tre Williams verfügt auf jeden Fall über Stimme genug, um dieses zauberhafte Stück Musik angemessen in Szene zu setzen.

Corinne Bailey Rae und Mable John bringen den Blues ins Spiel. Insbesondere die Darbietung letzterer Lady, Isaac Hayes' "Your Good Thing (Is About To Come To An End)", erklärt für sich allein genommen schon, warum sie als erste Frau überhaupt bei Motown unter Vertrag stand.

Noch mehr beeindruckende Damen marschieren auf: Res, Talib Kwelis mindestens gleichwertige Hälfte bei Idle Warship, legt in "Get Your Way (Sex Is A Weapon)" einen Auftritt hin, der die Möchtegern-Sexiness diverser Kolleginnen zur peinlichen Lachnummer degradiert. Frances Yip, Pop-Star aus aus Hong Kong, erfüllt "Green Is The Montain" mit dem exotischen Charme des fernen Ostens.

Die Herren der Schöpfung bewegen sich größtenteils ebenfalls in ihrem angestammten Element: Method Man, Freddie Gibbs und Streetlife, wahrhaftig "Built For This", prügeln sich durch den feucht schwülen Dschungel, den - wie etliche der übrigen Produktionen - Frank Dukes verantwortet. Weisheiten über die Kunst des Waffenschmiedens gibts gratis dazu.

Pusha T, Raekwon, Joell Ortiz und Danny Brown reiten den gehetzt tickenden Beat von "Tick Tock". Der Clan, vertreten von RZA, GZA, Raekwon und U-God, flößt gemeinsam mit Veteran Kool G Rap "Rivers Of Blood" hinab. Flankiert von Gitarren und endcoolem Bass tönt die Kunde vom Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, "the blacksmith with the iron fists", dem Meister des Waffenarsenals, der die verfeindeten Lager beide gleichermaßen beliefert.

"White Dress" führt es mir wieder mal vor Augen: Zum Fan von Kanye West wandle ich mich in diesem Leben wohl nicht mehr. Grausige Chimes und noch grausigerer Autotune-Einsatz tragen nicht eben dazu bei, mein Herz zu erwärmen.

RZA müsste meinetwegen auch nicht unbedingt rappen. Der Mann hat doch wirklich genug andere Talente. Im Verbund mit den Flatbush Zombies in der gespenstischen Kulisse von "Just Blowin' In The Wind" passt dann aber plötzlich doch alles zusammen. Es stimmt halt einfach: "You can never fuck with the Wu-Tang Clan in us."

Trackliste

  1. 1. The Baddest Man Alive - Black Keys & RZA
  2. 2. Black Out - Ghostface Killah, M.O.P. & Pharoahe Monch
  3. 3. White Dress - Kanye West
  4. 4. I Forgot To Be Your Lover - The Revelations & Tre Williams
  5. 5. Get Your Way (Sex Is A Weapon) - Idle Warship
  6. 6. Rivers Of Blood - Wu-Tang Clan & Kool G Rap
  7. 7. Built For This - Method Man, Freddie Gibbs & Streetlife
  8. 8. The Archer - Killa Sin
  9. 9. Just Blowin' In The Wind - RZA & Flatbush Zombies
  10. 10. Chains - Corinne Bailey Rae
  11. 11. Tick, Tock - Pusha T, Raekwon, Joell Ortiz, Danny Brown
  12. 12. Green Is The Mountain - Frances Yip
  13. 13. Six Directions Of Boxing - Wu-Tang Clan
  14. 14. Your Good Thing (Is About To End) - Mable John
  15. 15. I Go Hard - Wiz Khalifa, Ghostface Killah & Boy Jones

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1 Kommentar

  • Vor einem Jahr

    Warte noch immer auf deluxe pak, das ist jetzt anderthalb Monate her, fuckt mich richtig ab. Egal, wie schon damals gesagt, ausser Idle Warship, Kanye und dem Kool G Rap-Part, der leider zum Vergessen ist, alles cool soweit. Killa Sin wird leider nirgends hervorgehoben, dabei zieht er ziemlich vom Leder. Im Film war ich eben, fand, da wurde alles richtig gemacht. Voellig ueberzeichnete Charaktere, beknackte Dialoge, gut was Gewalt, koernige close-ups wie aus den Siebzigern etc. Leute, die den Film scheisse finden, koennen wohl einfach keinen Spass haben.