laut.de-Kritik

Dank eingängiger Filmmusik ein Kassenschlager auch im Kino.

Review von

Frankreich im Jahr 1949. Gebeutelt von den Folgen des zweiten Weltkrieges und auf dem Weg zur Reintegration der Bevölkerung. Hauptleidtragende wie immer die Kinder. Man weiß sich nicht weiter zu helfen, als sie in Besserungsanstalten zu stecken, und die Problematik überalterten Lehrern zu überlassen. Diese kommen mit ihren veralteten und autoritären Methoden nicht weit und verzweifeln an den schwer erziehbaren Buben. Die bedrückende Stimmung fängt der Film ein, und es naht erst Rettung, als ein gescheiteter Musiker die Schule betritt und versucht, die Bengel mit alternativen Lehrmethoden zu bändigen. Das soll ihm mit der Wirkung der Musik im Laufe des Filmes auch gelingen.

Das Remake von Jean Drevilles 1945 gedrehtem "La cage aux Rossignols" besticht nicht durch revolutionäre Ideen und eine neue Story, sondern wird dank seiner Filmmusik zum Kassenschlager in Frankreich. Bruno Calais komponiert die Lieder eigens für die 95-minütige Gut-Mensch-Story. Das Resultat sind 35 Minuten vorwiegend eingängige und traurige Melodien, die meistens von einem Jungenchor auf französisch gesungen werden. Ein Orchester aus Streichern und Klarinetten untermalt die sanften Stimmen der Buben gekonnt.

Die tragende Melodie des ersten von 21 Stücken "Les Choiristes" ist das Thema der CD, das in "Vois Sur Ton Chemin" als xylophonbegleiteter Kanon erklingt. Dabei bleibt die Instrumentierung mit anfänglicher Klavierbegleitung, einer einfallsreichen Harve und sanfter Klarinette immer zurückhaltend. Bei "Sous La Plui" tritt die Melodie noch einmal in den Vordergrund, wird aber nur von Instrumenten und ohne Vokalstimmen angerissen. Der Komponist bringt das Thema in einer fünfteiligen Periode wieder, und so taucht sie in "L'Évocation" wieder rein instrumental auf. Wie auch vier Stücke später bei "Morhange".

Das in Moll gehaltene zweite Thema singt anfänglich der Chor in "In Memoriam" mit einer glasklaren Buben-Solostimme im Vordergrund. Bei "L'Incendie" spinnt er aus diesem weiteren Thema einen Kanon, in dem ein Cello die düstere Stimmung des Stücks untermalt. Dieses Thema reizt Coulais als reines Vokalstück "In Memoriam A Capella" mehrstimmig aus.

Zwischen den Themen sind reine Instrumentalstücke eingebracht, sowie eine Motette "La Nuit" des barocken Kirchenmusikers Rameaus aus dem 18. Jahrhundert. Die wehmütige Nostalgie des Klassikers versucht Bruno Coulais in seinen Kompositionen einzufangen, was ihm sehr gut, aber auf recht einfache Art gelingt. Im 18. Jahrhundert befand sich die europäische Welt in einem Wandel vom Absolutismus zur aufgeklärten Monarchie oder sogar zur Republik. Die Situation der Bevölkerung, die zwischen Freude und Überforderung hin- und hergerissen war, kann man mit der Situation der Menschen nach dem zweiten Weltkrieg vergleichen. Der Komponist hat hier durchaus die Parallelen erkannt und gekonnt umgesetzt.

Man darf jedoch kein Werk erwarten, dass den großen Musikern des Barocks wie Monteverdi oder Bach Konkurrenz machen könnte. Dafür liebt Coulais viel zu sehr die Schlichtheit und Einfachheit seiner Werke. Als Filmmusik jedoch durchaus hörenswert.

Trackliste

  1. 1. Les Choristes
  2. 2. In Memoriam
  3. 3. L'arrivee A L'ecole
  4. 4. Pepinot
  5. 5. Vois Sur Ton Chemin
  6. 6. Les Partitions
  7. 7. Caresse Sur L'ocean
  8. 8. Lueur D'ete
  9. 9. Cerf-Volant
  10. 10. Sous La Pluie
  11. 11. Compere Guilleri
  12. 12. La Desillusion
  13. 13. La Nuit
  14. 14. L'incendie
  15. 15. L'evocation
  16. 16. Les Avions En Papier
  17. 17. Action Reaction
  18. 18. Seuls
  19. 19. Morhange
  20. 20. In Memoriam A Cappella
  21. 21. Nous Sommes De Fond De L'etang

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