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In New York und in vielen anderen Städten protestieren Menschen gegen die Macht des Finanzsystems. Wir haben den Soundtrack!
Bankfurt (laut) - "Gehts noch?"
Genau das denken mittlerweile viele Menschen auf der ganzen Welt. Die Ohnmacht gegenüber Bankenheinis, Börsen und Regierungen, die Geld in Schwarze Löcher pumpen, wo es auf Nimmerwiedersehen verschwindet, ist der Wut gewichen. Das Unverständnis dafür, dass Zocker belohnt werden, wohingegen immer behauptet wird, für soziale Belange wäre kein Geld da, steigt von Tag zu Tag. Die Menschen erheben ihre Stimme. Für Kanye West ist das wohl zu viel harte Arbeit. Er lässt lieber sprechen und schaut ...
Welche Songs die Proteste in New York, London, Paris und anderswo thematisch unterstützen seht ihr in unserer Liste ...
Empire gibt den Charlottenburger Robespierre. Er stürmt zwar nicht die Bastille, aber immerhin als Partisan den Bundestag. "Achtung, Achtung! Hier spricht ATR. Wir haben uns verbündet und werden über den Rasen zum Bundestag marschieren. Einen Bundestag, der nicht mehr das Volk betrifft, sondern die Konzerne. Hände hoch! Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus. Verbrennen Sie Ihre Ausweise. Sie sind verhaftet! Die Ära der Ausbeutung ist vorbei!" Man möchte ihm förmlich den Scherben-Gedächtnispreis am Bande an die Brust heften.
Die Kaiser Chiefs sahen schon 2005, was 2011 eintritt. "Watching the people get lairy / It's not very pretty I tell thee / Walking through the town is quite scary." Zumindest im heimatlichen London trat ihre Prophezeiung im August bereits heftig ein. "He wants to get things a bit gory (blutig)." Hoffen wir, dass die Proteste in Washington friedlicher Natur bleiben und es höchstens – wie im Video zu "I Predict A Riot" – eine gehörige Kissenschlacht gibt.
"Boycott Everything" ist Bonapartes neues "Anti Anti": Aus "They are the millionaires, we are broke / [...] they drive a limousine, we ride a bike / they own the factory, but we're on strike" wird jetzt: "United states, on your knees / Japan, on your knees / China, on your knees / Germany, on your knees / I boycott everything that's not made by my hands." Ihr Rundumschlag gegen die Industrienationen geht weiter: "Russia, made of oil / […] UK, Harry Potter / […] South Korea, exponential / North Korea, confidential / USA, made of corn." Und der Rest? Na, klar: "All the rest, made of porn!"
"Anonymous here, Anonymous there / We are the people, we're everywhere". Am 15. Oktober, dem weltweiten Occupy-Aktionstag veröffentlichen KMFDM den astreinen Industrial-Klopfer "A Drug Against Wallstreet". Kostenloser Download, kostenloses Poster dazu - saubere Sache: "March to the drum of the ultra-heavy beat / KMFDM is a drug against Wall Street!"
"Ich wurde geboren in Frankfurt am Main, in der Deutschen Zentralbank - als Hundertmarkschein." Auf seinem ersten und einzigen Album rappte Torch - unter anderem - aus der Sicht des Geldes, und deckte dabei hässliche Wahrheiten auf: "So viele denken, ich gehör' ihnen. Doch sie gehören alle mir. Schau nur, wie sie mir dienen!"
Was verbindet Protestler auf der Wall Street und anderswo mit einem großen Prozentsatz der Rapper-Gemeinde? "Fuck bein' a broke nigga." Wer ist schon gerne pleite, in einer Welt, die sich mehr und mehr um Materielles dreht? "It's All About The Benjamins", weiß Puff Daddy, und wusste auch schon Faustens Gretchen: "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen."
Der rechte und der falsche Pfad: ewige Themen im Conscious-Reggae streng gläubiger Rastafari-Jünger. Lutan Fyah hat - sicher nicht als erster, aber doch ziemlich einprägsam - die Wurzel des Bösen ausgemacht: "Money, money, money is da root of all evil!"
Die allererste Helden-Single überhaupt markierte 2003 ein fettes Ausrufezeichen und lief sowohl in den Clubs als auch im Radio fast bis zum Erbrechen. Der Song richtet sich zwar nicht direkt gegen die großen Finanzmächte, wettert aber dafür gegen die weitverbreitete Konsumgier und die "zahme Revolution". Judith Holofernes' Zeilen "Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück" sind nicht nur dank K.I.Z.s "Hahnenkampf" unvergessen. Leider blieb die erste Auskopplung des Debüts "Die Reklamation" bis heute ihre mit Abstand wütendste Single.
"Tja, das Problem ist: Manche Menschen in diesem Land sind sehr, sehr reich. Aber die meisten sind sehr, sehr arm. Und wissen sie, wieso? Weil sie alle scheißfaul sind!" Die Weisheiten des Ekelpakets Nosher Powell drückt die Stammtischmeinung zu den Schulden Griechenlands perfekt aus. Der Anarchostreifen "Eat The Rich", der den Titel wörtlich nimmt, präsentiert die Lösung aller Fragen: "Meine Damen und Herren, sie haben soeben den Premierminister verspeist." Der Titelsong stammt stilecht von his Lemmyness. Wohl bekomms!
Wenn es draum geht, die Zusammenhänge des Finanzsystems zu checken, hat zwar jeder eine Meinung, aber keiner weiß genau, was dahinter steckt. Als geradezu grenzgenialen Ausdruck dessen, dass dieses System einen riesengroßen Abfuck hingelegt hat, darf Trios "Da Da Da" gelten.
Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem John Lennon den Ausdruck als wichtiger als die Form empfand. Während der Aufnahmen zu "Revolution" 1968 begann Yoko Onos Anwesenheit die übrigen zu stören, auf John jedoch hatte sie eine heilende Kraft. Als Vertreterin einer radikalen Kunstszene war sie auch Anhängerin der radikalen Sexpolitik. Dieses Stück Gegenkultur wurde zunächst auch Johns Aushängeschild, ehe er sich nach dem Zusammenbruch der Beatles in seiner anfänglichen New Yorker Zeit dem Maoismus zuwendete. "Wenn wir nicht im Studio waren, waren wir im Bett", äußerte er sich dazu. Was "Revolution" zum Vorbild hatte, lag über den ganzen Erdball verstreut: Die Studentenrevolution in Paris im Mai 1968 gipfelte mit der Auflösung der französischen Nationalversammlung durch Präsident Charles de Gaule. Unmittelbare Großereignisse waren die Tet-Offensive des Vietkong im Südvietnam und die Ermordung Martin Luther Kings in Memphis, die eine Welt, die vorher "Love & Peace" ausrief, zunehmend politisierte und kampfbereit machte. Die Rechte nannten "Revolution" "subversiv", die Linke "kleinbürgerlich, jämmerlich". Für Lennon war die eigentliche Revolution der Frieden.
Eine der vielen Verschwörungen von Tom Petty und ELO-Mann Jeff Lynne. Mit der trotzig und offen formulierten Kampfansage schuf Petty offenbar den richtigen Groove, um in jeder Situation den Kopf oben zu halten: Die 1989 veröffentlichte Single findet sich in der Folge von 9/11 auf der Compilation "America: Tribute To Heroes". George W. Bush durfte die Nummer nicht verwenden, und Johnny Cash gab mit seinem Cover den Ritterschlag (2000). Im Originalvideo ist übrigens die halbe Besetzung der Beatles zu sehen.
Klar, dass Tom Morello nicht nur solidarisch bei der Occupy-Bewegung vorbeischaute, sondern gleich die Gitarre zückte und "This Land Is Your Land" schmetterte. Morello hat es ja schon immer gewusst. Bereits auf dem 1999 erschienen RATM-Track "Testify" erinnert er die damaligen Präsidentschaftskandidaten Bush und Gore an ihre Versprechen: "Mit freier Wirtschaft werden wir aufblühen." Es ist "eine Investition in die Zukunft". Diese Zukunft ist jetzt Gegenwart.
Ryland -Ry- Cooder nimmt man trotz des Welterfolgs mit dem Buena Vista Social Club die Rolle als Mann des einfachen Volkes ab. Vielleicht seiner Liebe zum Blues und Folk wegen. Dieser Song aus dem Frühjahr 2011 ist der Opener vom aktuellen Album "Pull Up Some Dust and Sit Down". Er behandelt ziemlich tagesaktuell die Ohnmacht und Wut in weiten Teilen der Bevölkerung, die den Rettungsplan für die Banken nicht als gerecht empfinden.
Der Ausverkauf der Welt beginnt mit dem Verhökern eigener Staatsreserven. Wohl niemand praktiziert das so gut wie die derzeitige deutsche Politik-Riege. Am Abend erklingt, irgendwo in einem Berliner Upperclass-Appartment, Bowies "The Man Who Sold The World". Die Zeilen "Oh no, not me / I never lost control / you're face to face / with the man who sold the world" zaubern dem vorm Spiegel stehenden Wolfgang Schäuble ein Lächeln ins Gesicht.
Als das Debüt "Picture Book" erschien, hätte man Mick Hucknall die Story eines Familienvaters schon noch abnehmen können, der bei der Bank um Geld bettelt. Aber auch wenn der Feuerkopf in den kommenden Jahren Fantastilliarden mit seiner Musik machte, hat er nicht vergessen, wo er herkommt und unterstützt soziale Projekte.
Führungskräfte leben gefährlich - zumal sich The Coup schon mit dem Cover zu ihrem Album "Party Music" als Propheten erwiesen: Das zierten - kurz vor den Anschlägen am 11. September - die explodierenden Türme der Twin Towers. "Dieses Cover sollte eine Metapher darstellen", so Rapper Boots Riley. "Für die Kraft der Musik, die den Kapitalismus zerschlagen kann."
ABBA stellen ihre fröhliche Discowelt auf den Prüfstand. "I work all night, I work all day, to pay the bills I have to pay / Ain't it sad / And still there never seems to be a single penny left for me / That's too bad", singen sie bereits 1976. Dabei wäre es doch reich so viel schöner! "Money, money, money / Must be funny / In the rich man's world!" ABBA haben eine einfache Lösung für ihr Problem: Sich einen reichen Mann angeln. "In my dreams I have a plan / If I got me a wealthy man / I wouldn't have to work at all, I'd fool around and have a ball." Mit bissigem Sarkasmus und Musical-Klängen stellten ABBA schon vor 35 Jahren soziale Ungerechtigkeit an den Pranger.
Manchmal verkehren sich die Dinge ins Gegenteil. 1985, im Entstehungsjahr von "Ba-Ba-Banküberfall" von der EAV, waren trotz Sympathien für den Räuber die Fronten dennoch klar umrissen: hier fieser Langfinger, da guter Bankmann. Doch mittlerweile trifft die Feststellung "Das Böse lauert immer und überall" immer mehr aufs einst respektierte Finanzgewerbe zu. Der Szene-Spruch "Was ist schon das Ausrauben einer Bank gegen die Gründung einer Bank?" gewinnt dieser Tage ebenfalls immer mehr an Sinngehalt. Die Occupy-Bewegung passt fraglos perfekt auch ins Frankfurter Bankenviertel. Als Soundtrack mit dabei: natürlich "Ba-Ba-Banküberfall".
"Hast du schon gehört? Das ist das Ende, jetzt isser endlich vorbei. Der Kapitalismus, der alte Schlawiner is uns lang genug auf der Tasche gelegen", und "Vorbei vorhorbei vorbei vorbei jetzt isser endlich vorbei", bringt Peter Licht die Misere auf den Punkt. Das alte Arschloch Kapitalismus hat sich endlich überlebt. Wir machen ein Fass auf!
"I need a dollar, a dollar is what I need." Eine Situation, die vielen, die es jetzt zum Protestieren auf die Straßen zieht, nur zu vertraut ist. Aloe Blaccs tragische Geschichte von Arbeitslosigkeit, Armut und sozialen Abstieg trifft den Nerv der Zeit - und ist jeden einzelnen Dollar wert.
Machen wir uns nichts vor: Der schnöde Mammon regiert inzwischen die Welt – ein bedauernswerter Zustand. Welches Genre eignet sich wohl am besten, um auf diese Fehlentwicklung aufmerksam zu machen? Wir finden: patenter, ordentlicher Soul. Und so schließen wir uns Lee Fields Hymne unumwunden an: "It's a sad sad world when money is king".
Mit dem Blatt vor dem Mund hatten es die Flobots noch nie. Herrschende Zustände liefern ihnen immer wieder Stoff für bissige Texte. "Stand Up" prangert an, lässt es aber nicht durchgehen, die Verantwortung von sich zu schieben: ein flammendes Plädoyer fürs Aufstehen, Mitreden und Sich-Einmischen.
"It's like the more money we come across the more problems we see." Eine echte Luxusproblematik, möchte man meinen. Irgendwo haben Biggie, Puff Daddy und Maze aber trotzdem Recht: Je größer die Summen, mit denen jongliert wird, um so drastischer der Absturz.
"Kann mir mal jemand zehn Milliarden Öcken leihen?" Mit dem sarkastischen "The Complete Banker" liefern The Divine Comedy 2010 das Lied zur Bankenkrise. Aus der Sicht eines gewissenlosen, profitgeilen Investmentbankers trällert Neil Hannon über den großen Crash. Das titelgebende Wortspiel rekurriert natürlich wenig subtil auf "complete wanker" (= kompletter Wichser). Nicht unbedingt die feine Klinge. Aber was solls, dramatische Verhältnisse erfordern bisweilen eine plakative In-die-Fresse-Lyrik. Und wer möchte aktuell bestreiten, dass das Finanzsystem zum "bösartigen Krebsgeschwür der Gesellschaft" gewuchert ist? Eben, das muss einfach mal rausgekotzt werden. FATWWTRC!
Da fehlen John Lennon's Songs "Freeda People" und "Power to the People"...
Die Revolution ging schon immer von Konstanz aus, in ganz krassen Zeiten wurde sogar einen Tag lang die Insel Mainau nicht gegossen.
Ich hab' gehört (echt, ohne Scheiß jetzt), dass ein paar von den laut.de-Redakteuren damals schon alt genug waren, dass ihnen ihre Kussengs aus Stuttgart ihnen Rage-against-the-machine-CDs auf Kassette überspielt haben.
Warum auch nicht. Mit Sicherheit sitzt auch ein Ururururenkel von Klaus Störtebeker in der Piratenpartei und schreibt die lustigsten Passagen aus dem CCC-Manifest für die Ex-FDP-Wähler ab.
@haga: immerhin hatte die zweigstelle im norden ja mal ne rathsrepublik bremen zu bieten;.....für ein paar tage.
und haga....räusper.....beim klabautermann. ein nachfahre von störtebeker würde n i e abschreiben.
genies kopieren nicht. sie stehlen. 
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