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"This goes out to those who choose to use/ Disrespectful views/ On the King of N.Y." Große Worte wie diese kann nur einer ohne einen Funken Übertreibung vom Stapel lassen. Der König des Big Apples - Biggie Smalls. Auch eine Dekade nach dem Tod des Rap-Hünen sucht das Genre nach einem Nachfolger und zollt unterwürfig dem Respekt, was Biggie zum musikalischen Phänomen Hip Hop beigetragen hat: Gangsterklischees, kongeniale Schluderreime und das Vermächtnis Brooklyns.
Am 21. Mai des Jahres 1972 wird im nicht ganz so freundlichen Brooklyn in New York ein kleiner Junge namens Christopher Wallace geboren. Im Laufe der Jahre bekommt er aufgrund seines Aussehens einige Spitznamen: Big, Biggie, Biggie Smalls und letztendlich - The Notorious B.I.G.. Bereits in der Schule prophezeien Lehrer und Freunde dem jungen Mann Großes. Stetig profiliert er sich als Klassenbester und schreibt schon im Alter von zehn Jahren seine ersten Reime. Stets behütet von seiner überstrengen Mutter wächst er in einem der Problemviertel New Yorks auf: Brooklyn, wo er Jahre später zum Alleinherrscher reifen sollte. 13 Lenze jung gründet er mit Jugendfreund Michael Bynum die erste Gruppe - Technique Crew - und befreit sich immer öfters aus der Obhut seiner Mutter, um an den Straßenecken seiner Nachbarschaft seine Reime zu kicken. Dort trifft er auf diejenigen, auf die keine sorgende Mutter zu Hause mit dem Essen wartet. Angezogen vom süßen Duft der Straße schlägt er den Weg des Hustlers ein und fängt an, mit Drogen zu dealen.
Seine Mutter glaubt, er verdiene sein Geld an der Supermarktkasse. Doch spätestens als der heranwachsende Christopher die Schule schmeißt, muss auch Mama Voletta erkennen, dass sie die Macht über ihren Spross verloren hat. Ihre Unterstützung verliert er jedoch nie, auch über seinen Tod hinaus. Zu ihrer Beruhigung bleibt die Musik eine ständige Konstante. Mehr noch: Biggie will Rap zur ersten Priorität machen und das Dealen an den Nagel hängen. Der Kontakt zum DJ von Big Daddy Kane, Mister Cee, gibt ihm dazu die Möglichkeit.
Auf das gleiche Emotions-Sample, auf dem auch Kanes "Ain't No Half Steppin'" basiert, begeistert Biggie Mister Cee, der ohne Zögern die Tracks des gerade Volljährigen an die Source weiterreicht. Die Nominierung als Unsigned Hype folgt, und Matty C, Source-Journalist und A&R, macht seinen Boss Puff Daddy auf Notorious B.I.G. aufmerksam. Als ambitionierter Angestellter bei Uptown Records ist der Geschäftsmann gerade auf der Suche nach einem neuen talentierten Rapper, der im Stile LL Cool Js die Köpfe der Heads nicken und die Knie der Ladys zittern lässt. Als er Biggie das erste Mal trifft, muss er diesen Plan ein wenig ändern. Übergewicht und Türstehergesicht zum Trotz - die Motivation ist ungebrochen. Puffy will den Rapper mit dem Jahrhunderttalent zum ersten "ugly sexsymbol" machen.
Labelpolitics stehen diesem Vorgehen jedoch im Wege und das Debüt wird immer wieder verschoben. Aus Geldmangel zieht es Biggie erneut auf die Straße, insbesondere als seine erste Tochter T'Yanna geboren wird. Der Frust ist groß, und so fällt die Entscheidung, die eigene Karriere komplett in die Hände Puffys zu legen, nicht schwer. Puffy startet sein eigenes Label Bad Boy Records mit Biggie als erster Fackelträger und die Übernahme des Spiels beginnt. Etliche Gastauftritte und Live-Darbietungen mit steigender Qualität machen das Erstlingswerk "Ready To Die" schließlich 1994 zum ersehntesten Debütalbum der Mitneunziger. Das Genre sollte nicht enttäuscht werden. Oder wie Nas es im Nachhinein mit folgenden Worten verpackt: "When 'Ready To Die' came out, you could feel it - a big change was about to happen." Biggie selbst kündigt es großkotzig an und lässt bereits auf dem ersten Song verlauten: "Things Done Changed".
Mit "Ready To Die" schafft Biggie ein Meisterwerk des Hardcoreraps und den ersten richtigen Erfolg der Ostküste seit der Machtübernahme durch Dr. Dres G-Funk-Movement wenige Jahre zuvor. Als reinkarnierter Gangsterboss Frank White berichtet Biggie von dem Leben auf der Straße und präsentiert sich als Storyteller vor dem Herrn. Sein Stil zwischen komplexer Metaphorik und plumpen Sexismus katapultiert das Schwergewicht in den Rap-Olymp, Puffys Produktionsskills hieven "Ready To Die" in die Charts der Welt. Ende 1994 ist The Notorious B.I.G. der neue Rap-Held mit Verkaufszahlen im Platin-Bereich.
Raps erstes hässliches Sexsymbol ist geboren - die Frauen stehen Schlange. Kurz vor der Veröffentlichung des Debüts trennt sich Biggie von seiner Babymama Jan Jackson und heiratet nach nur wenigen Tagen die R'n'B-Chanteuse Faith Evans. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, mit anderen Musikkolleginnen anzubändeln: Lil' Kim und Charli Baltimore bleiben ständige Liebschaften. Herrliches Futter für die Klatschpresse, die jedoch bald neuen Stoff geliefert bekommen sollten.
An der gegenüberliegenden Küste hat sich inzwischen jemand anders zum Rapstar gemausert: Tupac Shakur. Einst als Freunde unterwegs, entwickeln sich Biggie und Pac zu personalisierten Gegenpolen: Biggie, der versierte Lyriker mit Gangster-Kredibilität und Pac, der poetische Revolutionär. Im November 1994 wird Tupac in einem New Yorker Studio ausgeraubt und fünfmal angeschossen. Zur gleichen Zeit befindet sich Biggie mitsamt Entourage im gleichen Studio. Wenige Monate später äußert Tupac den Verdacht, sein ehemaliger Freund stecke hinter dem Überfall - eine der größten meist beachteten Fehden in der Musikgeschichte ist im vollen Gange - Biggie v. Pac, Bad Boy v. Death Row, Ost gegen West. Die Szene spaltet sich und wird wenig später zwei ihrer schillernden Figuren verlieren.
Im September 1996 verliert Tupac Shakur in Las Vegas bei einem Drive By-Shooting sein Leben, und am 9. März 1997 gegen 1.15 Uhr erliegt Christopher Wallace seinen Schussverletzungen im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles. Neun Tage später bekunden Tausende von Fans ihren Respekt für den gefallenen Helden, als Biggies Leiche auf einer 20 Autos starken Prozession durch Brooklyn zu seiner letzten Ruhestätte getragen wird. Wiederum eine Woche später erscheint Biggies Zweitlingswerk "Life After Death" und verkauft sich über zehn Millionen Mal. Songs wie "Mo Money, Mo Problems" und "Hypnotize" erstürmen das Mainstream-Radio und die Videokanäle, ein "Notorious Thugs" mit Unterstützung von Bone Thugs-N-Harmony manifestiert Biggies Klasse als eiskalter Straßenpoet.
In tiefer Trauer nimmt Mentor, Freund und Labelboss Puff Daddy die Single "I'll Be Missing You" mit Biggie-Witwe Faith Evans auf und erschafft einen der käsigsten Rap-Songs aller Zeiten, der jedoch den zutiefst verletzten Nerv der Heads und die emotional anfällige Masse trifft und sich wochenlang an der Chartsspitze behauptet. Wäre der Verlust eines der größten Rappers aller Zeiten nicht so tragisch, könnte man die Cinematik der Vorfälle, Biggies Albentitel und die Hochstilisierung der East-/Westcoast-Fehde als einen groß angelegten und überaus erfolgreichen Werbegag abhandeln. Das dritte Album - "Born Again" - macht da 1999 keine Ausnahme, obwohl die Qualität von Biggies Reimen deutlich abnimmt. Im Gegensatz zu Counterpart Tupac schaffte es Biggie Smalls nicht, Hunderte Stunden Material für die Nachwelt zu akkumulieren. Die Fans scheint es nicht zu stören, auch "Born Again" erklimmt die Pole Position. Ein weiteres Mal gelingt dieser Sprung dem Big Poppa jedoch nicht. Sieben Jahre später steigt "Duets - The Final Chapter" - eine überproduzierte Versammlung namhafter Rap-Vertretern um die textlichen Überreste des Meisters selbst - lediglich auf Nummer drei der amerikanischen Charts ein.
Biggies Tod bleibt, auch nach zehn Jahren noch, eine undurchsichtige Karteileiche der amerikanischen Legislative, die mehrere Bücher und Reportagen beschäftigt. Auch ein Kinofilm mit Sylvester Stallone ist im Gespräch. Die Story hat alles, was ein drittklassiger Regisseur für ein großes Hollywood-Drama braucht: korrupte Cops, Gang-Involvierung, Geldwäsche, Verschwörungen und hoch dotierte Gerichtsfälle. Eine Aufklärung des Falles scheint unerreichbar wie der Weltfrieden, aber eines bleibt auch eine Dekade nach dem tragischen Ableben des Königs von New York sicher: Keiner hatte im Genre den lässigeren Style, keiner die gewichtigere Attitüde, kein Beef war intensiver und kein Tod mysteriöser. Oder wie es der Meister selbst ausdrückte: "Excuse me/ Flows just grow through me/ Like trees to branches/ Cliffs to avalanches/ It's the praying mantis/ Deep like the mind of Farrakhan/ A motherfuckin' rap phenomenon."
Greatest Hits (2007), Duets - The Final Chapter (2006)
Life After Death (1997), Ready To Die (1994)
6,45 €
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Infos, Sounds, Lyrics - in simpler Grafik, aber die Masse überzeugt.
http://members.aol.com/subseven/biggie.html
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