"Coaster" bietet keinerlei nennenswerte Variationen im songwriterischen NoFX-Universum. Das ist energetischer, nach vorne gespielter Melodic-Punkrock mit den typischen NoFX-Balladen-Anleihen ("Creeping Out Sara", "I Am An Alcoholic", bei dem El Hefe auch seine Trompete rausholt), wobei schon bemerkenswert ist, dass der Großteil der Songs jetzt über zweieinhalb Minuten lang ist. So gesehen werden NoFX-Fans voll auf ihre Kosten kommen, und die Hater werden weiter haten.
Nix Besonderes also, wäre da nicht die NoFX-typische und in dieser Form einzigartige Selbstironie und Durchdachtheit. NoFX sind stinkende Punkrocker und leugnen es nicht. Heraus kommen peinliche Gespräche mit Sara (oder war es doch Tegan?) über ihre sexuelle Ausrichtung bei irgendeinem Festival.
Aber dann sind da natürlich die Stücke, die den ständig überarbeiteten Banker verlachen ("Suits And Ladders"), die dagegen das Leben als Party propagieren ("The Agony Of Victory"), die über die verblasste Gloria Amerikas sinnieren ("We Called It America", interessanterweise sind weder Fat Mikes Intimfeind George Bush noch dessen Nachfolger Barack Obama ein Thema auf "Coaster") oder über den Unsinn von Religion ("Blasphemy (The Victimless Crime)" und "Best God In Show").
Dann ist da noch das wohl persönlichste Lied in NoFX' Karriere: "My Orphan Year". Ganz unsentimental und vielleicht deswegen so ergreifend singt Fat Mike über seine Eltern, die beide 2006 verstarben – das Jahr, in dem er zum Waisen wurde.
Und als bestes Argument, warum wir auch "Coaster" brauchen: Der Albumtitel bezeichnet übersetzt das, was man in Süddeutschland einen Bierfilz nennt. Als Untersetzer fungiert auf dem Album-Cover eine CD, mit der Datenseite nach oben. Ein ironischer Kommentar auf die eigene Kunst oder auf Popmusik allgemein? Man kann es sich aussuchen. Darauf ein Glas Whisky, on the rocks; das wiederkehrende Thema auf "Coaster": Alkoholismus.
NoFX mögen musikalisch am Ende ihrer Wachstumsphase angekommen sein. Aber wer es schafft, eine Hommage an den ersten Iron-Maiden-Sänger Paul Di'Anno in eine schwule Beziehungsgeschichte über "Eddie, Bruce And Paul" zu verpacken, dem gehören Lastwagenladungen Kudos überreicht. Denn das ist fucking Entertainment, West-Coast-Style!


